Neue ZDF-Reihe "Ein Fall fürs All": "Die Globalisierung ist in Kabarett und Satire angekommen"

 

Sieben Jahre lang war Urban Priol Leiter der Satire-"Anstalt", ab nächstem Dienstag schlüpft der ZDF-Zausel in eine neue Rolle. "Alfons ist der Bordmechaniker, ich bin der Commander", sagt er im kress-Interview über seine neue Live-Monatsshow "Ein Fall fürs All", die er zusammen mit dem NDR-Komiker Emmanuel Peterfalvi bestreitet. Fans dürfen sich auf eine Mischung aus "Science Fiction und Polit-Kabarett" freuen.

Sieben Jahre lang war Urban Priol Leiter der Satire-"Anstalt", ab nächstem Dienstag schlüpft der ZDF-Zausel in eine neue Rolle. "Alfons ist der Bordmechaniker, ich bin der Commander", sagt er im kress-Interview über seine neue Live-Monatsshow "Ein Fall fürs All", die er zusammen mit dem NDR-Komiker Emmanuel Peterfalvi bestreitet. Fans dürfen sich auf eine Mischung aus "Science Fiction und Polit-Kabarett" freuen.

Für die neue Reihe, die ab 30. September jeweils dienstags um 22:15 Uhr live vor Publikum in den Münchner ARRI-Studios aufgezeichnet und ausgestrahlt wird, hat sich Priol bekanntlich eine Art Raumfahrer-Geschichte zusammenfabuliert. Zusammen mit dem als "Alfons" bekannten Melancholiker wird Priol eine Weltraummission bestreiten, die mit EU-Geldern finanziert wird.

"Wir blicken von oben auf die Dinge", sagt Priol zu kress. "Das ist sehr beruhigend - wir können nach der Sendung wieder weg." Mission der Raumfahrer ist es, die Frage zu klären, "ob es im All auch intelligentes Leben gibt", so Priol. "Die Formulierung trägt den Widerspruch schon in sich." 

Raumfahrer-Rahmenhandlung - mit Platz für die Tagespolitik

Auf der Science-Fiction-Metapher, die im Studio auch Zeitreisen und Zukunftsblicke ermöglichen soll, reitet er dabei durchaus kindisch herum. "Das ist der rote Faden", erklärt Priol. "Der Rest wird von der Tagespolitik diktiert."

Wichtig ist dem langjährigen "Anstalt"-Satiriker, den Blick künftig stärker über den Tellerrand der deutschen Verhältnisse heraus zu richten. "Die Globalisierung ist auch in der Satire und im Kabarett angekommen", so Priol. Viele brennende Polit-Themen lassen sich nicht ohne EU-, wenn nicht sogar Welt-Bezug beackern.

Auch Medien-Schelte steht auf dem Satire-Programm

"Man kann Entscheidungen, die in Deutschland gefällt werden, nicht mehr isoliert auf das Land betrachten." Dabei will sich Priol durchaus auch sperrigen Themen widmen. "Wir werden uns sicher mit Medienkonzentration und der Medienmanipulation beschäftigen", sagt er. "Ich finde die Boulevard-Landschaft in Großbritannien sehr schön", so Priol. Dort gebe es mehr Vielfalt - "nicht nur eine so regierungsdominiert 'Bild'."

Die EU-Öffnung hat inhaltliche Konsequenzen: Je nach Verfügbarkeit wollen Priol und Peterfalvi auch Satiriker aus dem Ausland einladen. Wie deren Beiträge dann fürs nicht ganz so weltläufige ZDF-Publikum übersetzt werden, ist noch nicht ganz klar. "Wir werden niemand aus Usbekistan einladen, der bei uns unübersetzt in seinem Regionaldialekt spricht", so Priol.

Keine offene Bühne für lediglich durchreisende Gäste

Auf eines müssen die Besucher - zum Start kommen Andreas Rebers und Christine Prayon - aber gefasst sein: "Der Gast wird ins Geschehen eingebunden." Priol möchte den Kollegen nicht einfach nur eine Bühne bieten, Ausschnitte aus eigenen Programmen herunterzurattern. Sie müssen mit raumfahren. Pro Jahr werden acht Sendungen produziert. 

Kollege Peterfalvi, der zuvor schon öfter "Anstalt"-Gast war, freut sich sehr über die Zusammenarbeit - vor allem, weil ihm die kuriosen Entstehungsbedingungen gut gefallen haben. "Wir haben uns zufällig in einer Tiefgarage getroffen", erzählt er. Dort sah er Priol aus einem uralten Citroën aussteigen. Man kam spontan ins Ratschen. 

Geburtsstunde der Show in der Tiefgarage

"Wir haben die Sendung in der Tiefgarage konzpiert - wegen der sicheren Gewissheit, dass wir dort unten abhörsicher waren", sagt Peterfalvi. "Es ist die erste deutsche Sendung, die in einer Tiefgarage geboren wurde - und im All endet." Erstmalig erprobt wurde das Konzept in einem Theater in Priols Heimat Aschaffenburg. Das Publikum soll angetan gewesen sein. 

Peterfalvi gefällt nicht nur der Rahmen, sondern auch die Spontanität seines deutschen Partners. "Priol hat kein Problem damit, zehn Minuten vor der Sendung eine Nummer zu schreiben - wenn ein heißes Thema reinkommt."

Enttäuschung über die ZDF-Publikumspolitik

Einzig mit dem ZDF hadert "Alfons" doch noch ein wenig. "Wir wollten Außerirdische als Publikum haben", sagt er über die gemeinsame Weltraum-Show. "Aber das war zu aufwendig. Jetzt nehmen wir halt Menschen." 

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