G+J-Chefin Julia Jäkel auf dem Innovationstag: "Gelassen bin ich nicht, ich bin zuversichtlich"

 

Sie war eingeladen worden, um über den tiefgreifenden Transformationsprozess bei Gruner + Jahr zu reden - auf dem "Innovationstag", der alljährlich unter anderem von der Serviceplan-Gruppe in München abgehalten wird. Heraus kam eine Rede mit sichtbar angezogenere Handbremse. "Wir haben uns auf einen langen Weg gemacht", sagte Julia Jäkel. "Einen Cancel-Button gibt es nicht." 

Sie war eingeladen worden, um über den tiefgreifenden Transformationsprozess bei Gruner + Jahr zu reden - auf dem "Innovationstag", der alljährlich unter anderem von der Serviceplan-Gruppe in München abgehalten wird. Heraus kam eine Rede mit sichtbar angezogenere Handbremse. "Wir haben uns auf einen langen Weg gemacht", sagte Julia Jäkel. "Einen Cancel-Button gibt es nicht." 

"Vor zwei Jahren hattest du noch einen relativ komfortablen Job", begrüßte Moderator Mathias Müller von Blumencron, einst "Spiegel Online"-Chefredakteur und heute Chefredakteur für digitale Medien des Innovationstags-Mitveranstalters "FAZ", seine ehemalige Hamburger Kollegin. Heute sieht er den "digitalen Sturm" auf Jäkel "einprasseln". 

Mitleid wies die Konzernlenkerin zurück. "Ich habe die spannendste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann", sagt sie. Später räumte sie etwas zaghaft so etwas wie Aufbruchsstimmung nach den strukturellen Umwälzungen bei G+J ein: "Das macht wieder zunehmend Spaß", um schnell in einem gefälligeren "Das macht uns richtig Spaß" zu münden. 

"Einige Medien wird es in fünf Jahren nicht mehr geben."

Den digitalen Wandel, der mittelbar in massiven Umstrukturierungen und an vielen Stellen auch mit G+J-Stellenabbau einhergeht, bezeichnete sie dabei in München als einen "Prozess, den wir in jeder anderen Industrie erleben".

"Einige Medien wird es in fünf Jahren nicht mehr geben", sagte Jäkel über die deutsche Gesamt-Branche. Der Veränderungsdruck erinnere sie als studierte Historikerin an die Industrielle Revolution - nur mit drastisch erhöhter Geschwindkeit. Trotzdem: "Nur weil in Detroit der Putz von den Wänden brückelt, heißt das ja nicht, dass das Auto keine Zukunft hat."

Auf welche "Glaubenssätze" Julia Jäkel vertraut

Auf G+J bezogen referierte sie erneut die Grundprinzipien des Konzernumbaus mit der Einführung der viel diskutierten "Communities of Interests". Heraus strich sie die drei "Glaubenssätze" des Unternehmens.

Erstens: "Es gibt einen Markt für gute Inhalte", so Jäkel. "Inhalte sind der Treibstoff der digitalen Welt und wir sind sicher, dass G+J gut dafür aufgestellt ist." 

Zweitens: "Print kann wachsen", sagte Jäkel - und verwies auf das aktuelle Lieblingsbeispiel aus ihrem Haus, den aktuellen Erfolg der Neugründung "Flow". Dabei blickte sie auch auf die tiefgreifenden Relaunch-Arbeiten an bestehenden G+J-Titeln zurück - und auf die hauseigene Titel-Collage rund um "stern", "Brigitte" und Co. "Jeder dieses Heft ist heute besser als vor zwei Jahren", sagte Jäkel. Außerdem kündigte sie weitere Entwicklungen an. "Unsere Pipeline ist voll - wir machen weiter fantastische Magazine." 

Umsatzverdoppelung bei E-Mags für das nächste Jahr angekündigt

Dritter Glaubenssatz: "Unsere Chancen sind digital." Hier verwies sie auch auf den Erfolg bei den E-Ablegern bestehender Titel. "In zwei Jahren sind wir zu einem der führenden E-Mag-Publisher in Europa geworden", sagte sie - auch wenn der Markt noch übersichtlich ist. Dennoch erziele G+J damit bereits einen siebenstelligen Umsatz. "Wir glauben, dass wir das im nächsten Jahre noch verdoppeln können." Zudem kündigte sie weitere Partnerschaften an - abseits von Apple-Shop, etwa mit Google Play.

Dass trotzdem der Veränderungsprozess mit viel Unruhe - und brisanten Personalien - einherging, war am Donnerstag in München klar zu spüren. Jäkel rang sichtlich um ihre Formulierung. Auf die Debatte um die Führungskrise beim "Spiegel", an dem G+J bekanntlich als Minderheitsgesellschafter beteiligt ist, wollte sie sich nicht einlassen. 

"Wir brauchen keine Kollegen, die romantisch nach hinten schauen"

Für ihr eigenes Haus sagte sie nur: "Die Rolle unserer Führungskräfte ist derzeit essentiell. Wir brauchen keine Kollegen, die romantisch nach hinten schauen", sagte sie. Stattdessen wünsche sie sich solche, die ihre Chancen - auch ihre eigenen - in der Zukunft sehen. 

Vier weitere Veränderungsjahre stehen noch bevor

Den Veränderungsprozess bei G+J illustrierte sie schließlich mit einem Bild von einem Software-Lade-Balken auf einem Monitor. "20% completed" sei demnach der Vorgang. "About 4 years remaining", lautet die Zeitprognose für weitere Veränderungen.

Und einen "Cancel Button" gibt es eben nicht. Nur einen "Start"-Knopf, den sie längst gedrückt hat. So etwas wie Coolness wollte sie sich von Müller von Blumencron dabei nicht andichten lassen. "Gelassen bin ich nicht, ich bin zuversichtlich."

Ihre Kommentare
Kopf

Ulrich Saake

26.09.2014
!

Ich kann diesen Äußerungen nur schwer folgen. Frau Jäkel sagt, Magazine wie STERN und BRIGITTE stehen heute besser da, als vor zwei Jahren, wie denn? Die Auflage- und das Anzeigengeschäft sind rückläufig.Stehen andere Magazine besser da? Ein Heft wie "FLOW" macht noch keinen Sommer. Ich werde das Gefühl nicht los, das bei G&J Umwälzungen im Gange sind, die sich keiner ausmalen will.
Vielleicht ist das Ende des Baumwalls schon längst beschlossene Sache und der Rest sitzt in Gütersloh.


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