MDS bündelt Services und Druck: Kölner Zeitungshaus will schrumpfen, um zu wachsen

 

Das Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg (MDS) hat am heutigen Freitag seine Mitarbeiter an allen Standorten zusammengetrommelt, um ihnen ein Umbauprogramm vorzustellen, das unter dem Namen "Perspektive Wachstum" firmiert. Wie von den MDS-Arbeitnehmervertretern erwartet, ist es mit einer Zentralisierung bestimmter Konzern-Services verbunden, die Jobs kosten wird. 

Das Kölner Zeitungshaus M. DuMont Schauberg (MDS) hat am heutigen Freitag seine Mitarbeiter an allen Standorten zusammengetrommelt, um ihnen ein Umbauprogramm vorzustellen, das unter dem Namen "Perspektive Wachstum" firmiert. Wie von den MDS-Arbeitnehmervertretern erwartet, ist es mit einer Zentralisierung bestimmter Konzern-Services verbunden, die Jobs kosten wird. Der Personalabbau soll bis Ende 2014 über die Bühne gehen, über den Umfang und die Art und Weise schweigt sich MDS in einer Pressemitteilung aus. Betroffen seien Controlling, Recht, Rechnungswesen, Einkauf, Satz, Anzeigenservice, Blattplanung und Shop/Leserreisen.

Aber der Reihe nach: Die Mediengruppe will sich - wie bereits Anfang des Jahres intern angekündigt - auf die drei Geschäftsfelder Regionalmedien, Fachmedien und Digitales konzentrieren. Im Bereich Regionalmedien ist den Standorten Köln (Medienhaus DuMont Rheinland), Berlin und Hamburg (Mediengruppe Berliner Verlag) sowie Halle (Mediengruppe Mitteldeutsche Zeitung) jeweils die Aufgabe zugedacht, "unter einheitlicher Führung gattungsübergreifend die regionalen Märkte zu entwickeln".

Vom 1. Oktober an entstehen dort laut MDS "regionale Medienhäuser", die nicht nur die jeweiligen Abo- und Kaufzeitungen, sondern auch Anzeigenblätter, Ticketing, elektronische Medien wie Hörfunk oder TV sowie das digitale Angebot des jeweiligen Mediums bündeln. Die Führung haben Philipp M. Froben (Rheinland, Köln), Tilo Schelsky (Halle/Saale) sowie Stefan Hilscher und Michael Braun (Berlin). Den Standort Hamburg leitet  Susan Molzow.

Parallel will MDS aber "unternehmensinterne Managementservices" wie Controlling und Recht, "marktnahe Medienservices" sowie die Druckereien in Berlin, Halle/Bernburg und Köln in eigenen Unternehmensbereichen zusammenfassen. Insgesamt wird die Mediengruppe nach eigenen Angaben 20 Mio Euro in Technologie und Prozesse investieren. Die regionalen Medienhäuser, der Fachmedienverlag und die Digital-Sparte können künftig auf  konzernweit gebündelte Dienstleistungen wie Controlling, Recht, Rechnungswesen, Einkauf und Personalmanagement  zurückgreifen.

"Marktnahe Medienservices" aus den drei Bereichen DuMont Dialog (Callcenter), DuMont Medienproduktion (Satz, Blattplanung, Anzeigenservice) und DuMont Systems (IT) sowie Redaktionsarchiv, Shop/Leserreisen und Corporate Publishing will MDS zudem auch externen Kunden anbieten. Vorbild dafür sei die Arbeit der Callcenter MZ Dialog und Berliner Dialog.

Kroke springt ein

Das Zeitungshaus bündelt die Management- und Medienservices in einer Gesellschaft, die passenderweise DuMont Management- und Medienservices heißt. Sie wird von Karlheinz Kroke (interimistisch), dem Ex-Geschäftsführer der "Frankfurter Rundschau", und Karl-Heinz Goßmann geführt. Die neu gebildete Sparte Druck verantwortet Bernd Preuße.

Vorstandschef Bauer lässt sich zu dem Umbau wie folgt zitieren: "Wir rücken erstens viel näher an den Markt und unsere Kunden. Zweitens bündeln wir Management- und Medienservices sowie die Druckereien, um durch effiziente Strukturen und einheitliche Prozesse eine skalierbare Organisation zu schaffen. Und wir stärken die Innovationskraft – durch neue Geschäftsmodelle auch jenseits unserer digitalen Aktivitäten in den Regionalmedien." 

Für die Mitarbeiter gibt es auch ein Schmankerl: eine "Offensive zur digitalen Transformation" der sechs Zeitungsmarken des Hauses. Mit ihr sollen die Redaktionen "konsequenter auf die Anforderungen der Digitalisierung" eingenordet werden. MDS verspricht, dass neben Investitionen in neue Technologien und Arbeitsabläufe vor allem die Aus- und Weiterbildung der Redakteure im Vordergrund stehe.

Nachtrag: Bei den Arbeitnehmervertretern ist das Programm "Perspektive Wachstum" auf wenig Begeisterung gestoßen. So beklagt der Betriebsrat des Berliner Verlags in einem internen Schreiben, dass der Verlag als unternehmerische Einheit "komplett zerschlagen" werde und nicht einmal der traditionsreiche Name erhalten bleibe. Die noch im Hause verbliebenen Verlagsbereiche sollten ausnahmslos in
tariflose Gesellschaften ausgelagert werden, nur an die Tarifverträge für die Redaktionen von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" wage man sich noch nicht heran.

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