Die Zukunft der Zeitung – digital und gerollt? Döpfner setzt Hoffnungen auf digitales Papier

30.09.2014
 
 

Zeitungsverlegern muss nicht bange werden, sofern die Hersteller von Displays mitspielen. Diese These stellte Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner beim Zeitungskongress in Berlin auf. In einem Vortrag lenkte er die Aufmerksamkeit der Branche auf "digitales Papier", also biegsame und hauchdünne Bildschirme.

Zeitungsverlegern muss nicht bange werden, sofern die Hersteller von Displays mitspielen. Diese These stellte Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner beim Zeitungskongress in Berlin auf. In einem Vortrag lenkte er die Aufmerksamkeit der Branche auf "digitales Papier", also biegsame und hauchdünne Bildschirme.

Döpfner rechnete damit, dass nur noch wenige Jahre vergehen, bis Technologieunternehmen Displays vorstellen, die dünn seien wie ein echtes Blatt Papier und die sich rollen ließen wie eine Zeitung. Diese intelligente Weiterentwicklung des analogen Papiers könne alle Farben wie gedruckt darstellen und sei natürlich zigmal wiederverwertbar.

Mit dem digitalen Papier, vermutete Döpfner, könne das "intellektuelle Charisma" bewahrt werden. Weitere Pluspunkte: "Ich kann schneller und gründlicher und langsamer sein." Denn: Artikel ließen sich umgehend publizieren und dennoch habe man eine Zeitung in der Hand, die ein abgeschlossenes Produkt sei – also nicht ganz so getrieben wie heutige Web- und Mobilangebote. In Döpfners Augen gibt es darum gar keinen Grund, die große Branchenkrise zu beweinen: "Wir können uns extrem freuen auf die Zukunft, denn wir haben keine Druckkosten mehr, keine Vertriebskosten mehr."

Springers EU-Politico wird konsequent international

Kaum etwas preisgeben mochte der Springer-Chef über die europäische Version des US-Portals Politico, das Springer vor drei Wochen angekündigt hatte. Den Zeitplan, die Größe des Teams und die inhaltliche Ausrichtung ließ er offen und sagte nur, sein Konzern könne noch nicht mehr sagen "weil wir es selbst noch nicht wissen". Auch Politico-Gründer und Chefredakteur John F. Harris war zum Kongress der Verleger gekommen – allerdings nicht, um Neuigkeiten zu verraten. Harris sagte nur, das europäische Politico werde eine völlig internationale Ausrichtung haben: "Es sind nicht die Amerikaner, die nach Brüssel gehen und auch nicht die Deutschen."

Harris glaubt jedoch fest daran, dass Politico auch in Europa der Erfolg werden kann, der es in den USA seit der Gründung 2006 ist. Mit Insider-Informationen über die US-Politik setzt Politico immer wieder die Agenda in Washington, verbuche mehr als 50 Millionen monatliche Page Views und habe 310 Mitarbeiter. 10.000 Individuen und 1500 Institutionen zählten zu den Pro-Abonnenten. Diese bezahlen tausende Dollar für den Service, den Politico im Web, mobil, gedruckt, auf Veranstaltungen und mit E-Mail-Newsletter liefere. Harris sagte, dass es Publikationen für die breite Masse sehr schwer hätten. Darum gelte sein Fokus der Spezialisierung: "Wir sind eine stolze Nischen-Publikation."

Autor: Jens Twiehaus

 

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