(Auch) Gauck warnt sparwütige Verleger: "Prekäre Arbeit ist keine stabile Basis für verlässliche Inhalte"

15.10.2014
 

Bundespräsident Joachim Gauck sieht eine Zukunft für den Qualitätsjournalismus in Deutschland. Er warnte zugleich bei einer Feierstunde zum 65. Geburtstag der Bundespressekonferenz in Berlin vor den Gefahren eines unreflektierten Turbojournalismus im digitalen Zeitalter. Auch weitere Einsparungen im Medienbereich hält Gauck für gefährlich:

Bundespräsident Joachim Gauck sieht eine Zukunft für den Qualitätsjournalismus in Deutschland. Er warnte zugleich bei einer Feierstunde zum 65. Geburtstag der Bundespressekonferenz in Berlin vor den Gefahren eines unreflektierten Turbojournalismus im digitalen Zeitalter. "Qualität braucht Zeit. Sonst ist die Gefahr groß, dass nur das nächstliegende Klischee wiederholt und vorschnell der Stab gebrochen wird über Menschen und Ideen". Sonst gerieten Behauptungen in die Welt, "die nur schwer rückholbar sind, und Urteile über Menschen, die haften bleiben, eben auch Fehlurteile", so Gauck laut einem Bericht von dpa.

Qualitätsjournalismus sei ein Journalismus, "der Versuchungen erkennt und ihnen widersteht". Es dürfe nicht zur Regel werden, dass Themen, die eigentlich einen langen Atem brauchen, schnell wieder von der Agenda verschwinden. "Stattdessen sind diejenigen Leser, Hörer und Zuschauer zu unterstützen, die fragen: Was ist eigentlich aus dem Regierungsvorhaben vor einem Jahr geworden?"

Der Bundespräsident warnte vor weiteren Einsparungen im Medienbereich: "Prekäre Arbeit ist keine stabile Basis für verlässliche Inhalte. Wer an dem spart, was nur Menschen und nicht Maschinen in einen journalistischen Prozess einbringen können, der spart an der falschen Stelle."

Die Gesellschaft befinde sich in einem Anpassungsprozess, "die Medien als Pfadfinder der Informationsgesellschaft vorneweg".

Hintergrund: Die Bundespressekonferenz (BPK) wurde 1949 in Bonn gegründet. Sie lädt regelmäßig Politiker, Verbände und Experten zu Befragungen ein. Ihr gehören derzeit mehr als 900 Korrespondenten an.

Jüngst hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Verleger in einer Rede auf dem Zeitunskongress daran erinnert, dass sie weiter in Qualitätsjournalismus und damit in ihre Kernkompetenz investieren müssten. "Die Verleger sollten gerade nicht der wirtschaftlichen Versuchung erliegen, durch massive Einsparungen im redaktionellen Bereich die Substanz aufs Spiel zu setzen", so die Regierungschefin.

Ihre Kommentare
Kopf

Karl Jobig, Dresden

16.10.2014
!

Der Herr Bundespräsident, sollte sich aus solchen Dingen herushalten. Journalismus ist auch ein Geschäft und Geschäfte sind Teil der Wirtschaft. Hier trägt der Bundespräsident keinerlei Verantwortung und ist somit nicht aufgerufen, Kraft Amtes gut gemeinte Ratschläge zu erteilen.


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