"Zeit"-Chefredakteur kritisiert TV-Talkmaster: Giovanni di Lorenzo wünscht sich mehr "Publikumsekel"

 

Vor wessen Haustür kehrt der "Zeit"-Chefredakteur und "3nach9"-Moderator da genau? Giovanni di Lorenzo ärgert sich über Gesprächsführungen "aus dem Baukasten", wenn er populäre TV-Talkshows ansieht. Einigen seiner Kollegen spricht er die nötige Eignung ab. "Das ist ja Halbplayback, was einige inzwischen machen."

Vor wessen Haustür kehrt der "Zeit"-Chefredakteur und "3nach9"-Moderator da genau? Giovanni di Lorenzo ärgert sich über Gesprächsführungen "aus dem Baukasten", wenn er populäre TV-Talkshows ansieht. Einigen seiner Kollegen spricht er die nötige Eignung ab. "Das ist ja Halbplayback, was einige inzwischen machen."

In einem Gespräch mit dem "Spiegel" kritisiert er die Auswahl der Gesprächsgastgeber durch die Senderverantwortlichen. "Heute werden Talkshow-Moderatoren vor allem danach ausgesucht, ob sie beim Publikum beliebt sind. Wenn sie nicht talken können, kann man es ihnen zur Not beibringen", sagt di Lorenzo dort.

Fernsteuerung über den Knopf im Ohr

"Es ist nicht unbedingt entscheidend, ob jemand die Lebenserfahrung und das fachliche Rüstzeug mitbringt, um ein gutes Gespräch zu führen." Häufig - so unterstellt der Zwei-Kanal-Journalist würden die Dialoge von der Redaktion vorbereitet - und notfalls per "Knopf im Ohr" in Teilen ferngesteuert. 

In früheren Zeiten zeigten die Moderatoren stärker Ecken und Kanten. Als Beispiel führt di Lorenzo namentlich seine "3nach9"-Vorgängerin Lea Rosh an. "Heute sehe ich ihr großes intellektuelles und rhetorisches Vermögen, auch im Vergleich zu mancher der heutigen Moderationen", sagt er über sie und "andere Altmeister". 

Dabei will er die Vergangenheit nicht verklären, fügt aber an: "Vieles war unverständlich, langweilig, unsendbar. Aber was waren das noch für Zeiten, als absolute Publikumsekel auf die Menschheit losgelassen wurden."

Ihre Kommentare
Kopf
Manfred Effertz

Manfred Effertz

Freier Journalist

20.10.2014
!

Es ist schon erstaunlich, wie man Menschen unter dem Mantel der "Information" in die Verblödung führen kann. Leider bleibt das dann in den Köpfen hängen und wird weitergegeben. Dabei haben die Opfer dann noch das Gefühl, zum Kreis der Besser-Informierten zu gehören (so wie Lotto-Spieler, die sich reale Gedanken über den Einsatz des Millionen-Gewinns schon bei der Scheinabgabe machen).


Karl Jobig, Dresden

20.10.2014
!

Ich hoffe sehr, dass diese konstruktive Kritik bei allen Talkshows ankommt und zähneknirschend zur Kenntnis genommen wird ... wobei ich glaube, dass die NDR-Talkshow ausgenommen werden kann. Die Schöneberger und Meyer-Burghardt mit 'his master's voice im Ohr', kaum vorstellbar ...


Regine Schulte Strathaus, Wiesbaden

20.10.2014
!

Den Verantwortlichen in den Sendehäusern sollten bei dieser Kritik die Ohren klingen. Was in diesen Talkshows oftmals über den Sender geht driftet zunehmend ins seichte Gelaber ab. Oder aber die Gesprächspartner, bevorzugt Politiker, protzen mit Selbstdarstellung und endlosen Monologen. Nach der Devise weniger ist mehr und mehr Klasse als Masse würde eine Reduzierung der Talks mit interessanteren Diskussionen die Sendelandschaft sicher bereichern...


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