IVW-Zahlen der Zeitschriften fürs dritte Quartal 2014: Von Einquartalsfliegen und wankenden Riesen

 

Es sind nicht etwa die Verlagsmanager von Bauer, Burda oder Gruner+Jahr, die sich der stärksten Auflagenzuwächse im dritten Quartal 2014 rühmen dürfen, sondern die Herren vom Alles Gute Verlag und vom Delta Park Verlag: Ihre Titel "Freizeit Express" und "Neue Freizeit" haben laut IVW unter allen Publikumszeitschriften gegenüber dem Vorjahr am stärksten zugelegt. 

Es sind nicht etwa die Verlagsmanager von Bauer, Burda oder Gruner+Jahr, die sich der stärksten Auflagenzuwächse im dritten Quartal 2014 rühmen dürfen, sondern die Herren vom Alles Gute Verlag und vom Delta Park Verlag: Ihre Titel "Freizeit Express" und "Neue Freizeit" haben laut IVW unter allen Publikumszeitschriften gegenüber dem Vorjahr am stärksten zugelegt: um rund 41.000 bzw. 28.000 verkaufte Exemplare.

Man darf den Erfolg dieser Billigheimer mit geringer Erscheinungsweise freilich nicht überbewerten: Ihre Auflage ist volatil, einem rasanten Aufstieg folgt schon einmal der ebenso schnelle Abstieg - oder umgekehrt. Der "Freizeit Express" etwa rangierte noch im zweiten Quartal 2014 auf Platz zehn in der Liste der Top-Absteiger (kress.de vom 18. Juli 2014).

Rote Laterne für "Computer Bild"

Beständiger haben sich - leider - die Verlierer entwickelt. 121.000 verkaufte Exemplare - das ist mehr als ein Viertel der Auflage - hat die "Computer Bild" binnen eines Jahres eingebüßt. Sie hat "Reader's Digest" die rote Laterne abenommen und ist diesmal Top-Verlierer. Die "Computer Bild" kommt noch auf eine verkaufte Auflage von 329.699 Exemplaren. Für historisch Interessierte: In den guten alten Zeiten, vor etwa 15 Jahren, hat sie mal 1,2 Mio. erreicht.

Ein weiterer Zeitschriftenriese von einst schrumpft und schrumpft: Die "Bravo" hat im dritten Quartal fast 40% ihrer Auflage verloren. Sie beträgt jetzt noch 140.195. Bauer will den Niedergang nun mit der Umstellung von wöchentlicher auf zweiwöchentliche Erscheinungsweise stoppen (kress.de vom 7. Oktober 2014).

"Computer Bild" und "Bravo" sind keine Einzelfälle, sondern Ausdruck sehr grundsätzlicher Auflagenprobleme der Segmente der Computer- und der Jugendzeitschriften. Das zeigt ein Blick auf weitere Vertreter dieser Gattungen: Ganz vorn im Verlierer-Ranking (Platz fünf) liegt etwa auch die "PC Welt" mit einem Minus von 71.000 bzw. 40,0%. Ihr Verlust ist zwar zu einem erheblichen Teil auf den Verzicht auf Bordexemplare zum Jahreswechsel zurückzuführen, aber auch die Zahl der Abos ging im Vergleich zum dritten Quartal 2013 weit überdurchschnittlich stark (- 28%) zurück.

Properes Bauer-Programmie

Das Verliererschicksal ist - wenig überraschend - im dritten Quartal die Regel, nicht die Ausnahme: Von den 50 auflagenstärksten Publikumszeitschriften haben nur acht zugelegt, alle anderen verbuchten ein Minus. Immerhin: Bauers "TV 14", die Nummer eins nach Auflagenhöhe (2.346.600 verkaufte Exemplare), hat ein kleines Plus von 0,5% geschafft. Stabil bzw. positiv haben sich auch die Titel entwickelt, die das Wort "Land" im Namen tragen: Die "LandLust" verlor nur leicht um 0,3%, ihre Epigonen "mein schönes Land" und "Land Idee" wuchsen um 3,9 bzw. 8,8%.

Die drei großen aktuellen Magazine haben im vergangenen Quartal auf eine Art von sich reden gemacht, die auf eine gewisse Lust am Untergang hindeutet: Die Chefredakteure von "stern" und "Focus" mussten gehen und der vom "Spiegel" steht auf der Kippe. Inwieweit schlägt sich die Krise der drei Titel auch in der Auflagenentwicklung nieder?

"Focus" besser am Büdchen

Dem "Focus" ist es im dritten Quartal gelungen, seinen Auflagenniedergang zu bremsen: Das Minus beträgt jetzt insgesamt noch 3,2% (im Vorquartal waren es -8,0%). Im Einzelverkauf legte das Heft sogar leicht um 2,2% zu (-9,6%). Starke Verluste am Büdchen waren Ende August ein wesentlicher Grund für den Rausschmiss von Chefredakteur Jörg Quoos gewesen. Für ihn ist die Stabilisierung des Einzelverkaufs zu spät gekommen.

Die vergleichsweise positive Entwicklung des "Focus" ist allerdings auch auf das E-Paper (15.847 verkaufte Exemplare) zurückzuführen, das erst seit Jahresbeginn der IVW gemeldet wird. Von diesem Instrument profitiert auch der Rivale "Spiegel", der ebenfalls seit Jahresbeginn seine Digital-Auflage ausweist und mittlerweile schon auf 49.438 E-Paper-Exemplare kommt. Sein Auflagenverlust betrug im dritten Quartal auch deswegen nur 2,0%.

Der "Spiegel" hatte allerdings erhebliche Einbußen am Kiosk (-12,5%). Das Minus der verkauften Auflage wäre daher deutlich höher ausgefallen, hätte das Magazin nicht seine sonstigen Verkäufe fast verdreifacht.

Beim "stern" ist die umgekehrte Entwicklung zu beobachten: G+J hat die sonstigen Verkäufe reduziert. Der Rückgang der "harten Auflage" aus Einzelverkauf und Abo ist geringer als der der verkauften Auflage insgesamt (-4,5%). Am Büdchen hat der "stern" sogar nur 0,1% verloren. Man darf vermuten, dass Dominik Wichmann, Mitte August als Chefredakteur geschasst, das mit einer gewissen Genugtuung zur Kenntnis genommen hat.

Ihre Kommentare
Kopf

Bjoern Sjut

21.10.2014
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Hmm, es gibt ein grundsätzliches Problem mit Jugendzeitschriften, aber "Mädchen" wächst zweistellig? Worauf ist das zurückzuführen?


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