Mehl, Mika, Balle, Zilch beim Publishing-Gipfel: Ist Spotify ein Vorbild für Presseunternehmen?

23.10.2014
 

Wäre ein Aggregationsmodell, wie es Spotify für die Musikindustrie anbietet, auch interessant für deutsche Presseverlage? Diese Frage wurde beim Publishing-Gipfel diskutiert, den der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und der Verband Bayerischer Zeitungsverleger am Donnerstag bei den Medientagen München veranstalteten.

Wäre ein Aggregationsmodell, wie es Spotify für die Musikindustrie anbietet, auch interessant für deutsche Presseverlage? Diese Frage wurde beim Publishing-Gipfel diskutiert, den der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und der Verband Bayerischer Zeitungsverleger am Donnerstag bei den Medientagen München veranstalteten.

Laurence Mehl, Geschäftsführer der "Neuen Osnabrücker Zeitung", stand der Idee eines aggregierten Zeitungsangebots zu monatlichem Festpreis, wie es das beispielsweise mit "blendle" in den Niederlanden bereits gibt, offen gegenüber. Allerdings sah er auch die Hürden, die es zu überwinden gälte. Zum einen müssten sich alle Zeitungen auf einen Standard einigen, zum anderen müssten sie ihre direkten Kundenbeziehungen abgeben. "Das ist ein Dilemma, denn darüber generieren wir natürlich auch zusätzlich Umsätze", so Mehl.

Stefan Zilch, Geschäftsführer Spotify Deutschland, wollte keine eindeutige Antwort auf die Frage geben, warb aber für ein Umdenken in der Zeitungsbranche: "Content haben ganz viele", sagte er. Die Aussage: "Content is king" treffe nicht mehr zu, heute sei das daraus geschaffene Produkt der "König", und dazu bedürfe es eines hohen technischen Aufwands.

Der Verleger von "Straubinger Tagblatt"/"Landshuter Zeitung" und Münchner "Abendzeitung", Martin Balle, widersprach Zilch: "Nicht die Technik mache den Erfolg aus, sondern die Fähigkeit, Erlebtes und Erfahrenes so lebendig zu berichten, dass andere dies auch lesen wollten. Aus seiner Sicht führe die Digitalisierung in der journalistischen Berichterstattung zu einer Verflachung. "Das Leben beginnt dort, wo es sich dem Algorithmus entzieht."

Die Chefredakteurin der "Frankfurter Rundschau", Bascha Mika, argumentierte ähnlich: Es sei kein Mangel, sondern vielmehr eine Qualität der Zeitungen, ihre Leser nicht - wie große Digitalunternehmen - bis in die privaten Winkel auszuforschen.

Jens Lönneker, Diplompsychologe und Gründer von rheingoldsalon (Köln), hatte im Vorfeld der Expertenrunde in einem Impulsvortrag herausgearbeitet, warum die Gesellschaft im digitalen Zeitalter neu lernen müsse, "was wir öffentlich und privat schützen wollen". Diese Entscheidung sollte aus seiner Sicht nicht den Filtermechanismen weltweit tätiger Oligopolisten überlassen werden.

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