20 Jahre nach dem Abschied: MTV-Urgestein Ray Cokes plant "Most Wanted"-Reunion

 

"Let's Get the Old Band Together": Unter diesem Motto plant Ray Cokes, Kult-Moderator aus Zeiten, als MTV noch unverzichtbar großartiges Musikfernsehen machte, eine Wiedersehens-Tour mit dem "Most Wanted"-Team. kress.de verriet er, dass er die Crew rund um Rob, the Cameraman, Nympho Nina und Pathetic Pat für ein Comeback zusammentrommeln will - 20 Jahre nach Absetzung der Show. 

"Let's Get the Old Band Together": Unter diesem Motto plant Ray Cokes, Kult-Moderator aus Zeiten, als MTV noch unverzichtbar großartiges Musikfernsehen machte, eine Wiedersehens-Tour mit dem "Most Wanted"-Team. kress.de verriet er, dass er die Crew rund um Rob, the Cameraman, Nympho Nina und Pathetic Pat für ein Comeback zusammentrommeln will - 20 Jahre nach Absetzung der Show. 

"Die Leute lieben es", sagt Ray Cokes, der zuletzt immer wieder mit Bands und Studiogästen auch durch deutsche Hallen tobte - vor tatsächlich begeistertem Publikum. "Live-Television ist für mich die einzige Art von Fernsehen", sagte er im kress-Interview zur Vorstellung seiner aktuellen Autobiografie "Ray Cokes: My Most Wanted Life" (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin). 

In seinem Bekenntnisbuch - "die bislang schwierigste Herausforderung in meinem ganzen Leben" - rechnet er in drei Akten mit seinem Aufstieg zum europaweitem Moderatoren-Ruhm vor zeitweise rund 60 Mio Fans bei MTV, dem Bruch mit dem Musiksender nach einem spektakulär gescheiterten Live-Auftritt auf der Hamburger Reeperbahn, dem Abstieg in Depression und Drogenabhängigkeit und mutigen Comebacks ab.

"Ich bin ein Perfektionist - nur nicht im Fernsehen"

"Das Buch kann nicht allein von MTV handeln. Und es kann sich nicht nur um die 90er drehen", sagt er. "Es ist über einen Kerl, der König des Musikfernsehen war, dann abstürzte - und sich wieder aufrichtete", so Cokes. Bitter liest sich das nicht, dagegen spektakulär unterhaltsam - und chaotisch wie immer. "Ich bin ein Perfektionist", verteidigt sich Cokes. "Nur nicht im Fernsehen."

Zwei wichtige Deadlines hat er überzogen. "Mein Verleger spricht nicht mehr mit mir", scherzt er. Schwarzkopf ist von dem Erfolg allerdings recht überzeugt - das Buch erscheint in zwei Versionen, auf Deutsch und im englischen Original.

Der Prozess, sich seines Werdegangs und Scheiterns zu vergewissern - persönlich, aber auch den Niedergang von MTV Europe als Stimme einer Generation betreffend - hatte dabei für Cokes offensichtlich etwas Klärendes. "Normalerweise geht man durch so einen Prozess zusammen mit einem Therapeuten", sagt Cokes. Seinen ehemaligen Chefs, die er noch einmal interviewte, will er gar keine direkten Vorwürfe machen. "Ich war es, der sich die Pistole an den Kopf hielt und abdrückte", sagte er. MTV habe ihm die Waffe nur verschafft. 

"Ein Pionier - mit einem Pfeil im Rücken"

Martialisch gewählt auch das Bild, das er für seinen oft kopierten Stil fand: Den Erfolg damit schöpften letztlich nicht er, sondern viele Nachahmer in Großbritannien, aber auch in Deutschland, etwa durch den ehemaligen Viva-Emporkömmling Stefan Raab, ab: "Es war der Wilde Westen des Fernsehens", sagt er über seine "Most Wanted"-Show, die das anarchische Moderieren und das Spiel mit den Studio-Möglichkeiten revolutionierte. "Früher waren es die Pioniere, die im Wilden Westen das Gold fanden", sagt er. "Heute ist das anders. Ich bin der Pionier, der den Pfeil in den Rücken abbekam."

Trotzdem hat er sich innerlich mit Stefan Raab längst ausgesöhnt, verfolgt nur ein ehrgeiziges Wiedergutmachungsziel. Mit seiner Autobiografie möchte Cokes in die "TV total"-Sendung eingeladen werden. Dort ziert man sich angeblich. Noch. "Warum sollte ich Stefan Raab hassen?", fragt sich Cokes.

Sehnsucht nach anarchischem Live-Fernsehen

Tatsächlich erzählt die Lebensgeschichte von Cokes auch viel über den jüngsten Medienwandel - mit einigen bitteren Volten. Gerade in Zeiten der durchformatierten, leblos konvektionierten Shows vom "Rising Stars"-Kaliber wächst ironischerweise wieder der Wunsch nach Live-Erleben - inklusiver peinlicher, aber letztlich lustiger Pannen wie bei dem ARD-"Quizduell". 

Von den Senderanstalten - aber auch von YouTube-Managern - bekommt man allerdings mit "Loose Cannon"-Konzepten, wie Cokes sie weiterhin schätzt, in kontrollwütigen TV-Zeiten wenig Rückhalt. "Fernsehen ist zum reinen Formatfernsehen geworden", so Cokes. "Die Senderchefs wollen sich über keinen Moderator sorgen müssen, der ihnen Schwierigkeiten bereiten könnte." 

Vierzigjährige wollen unterhalten werden

Bei YouTube habe man ihn auf den Erfolg von Kanälen verwiesen, in der junge "Moderatorinnen" ihrem Netz-Publikum erfolgreich Schminktipps geben. "Was ist mit den Vierzigjährigen", so Cokes. "Die wollen doch auch unterhalten werden?". Was ihnen das Fernsehen bietet seien "Tanz-Shows". 

Abschied vom ersten echten Europa-Jugendsender

Von der ursprünglichen Idee eines europaweiten, durchaus Einheit-stiftenden Jugendsenders ("One Station, One Vision, One Europe"), bevor MTV die Märkte regionalisiert, um im damals noch Free-MTV mehr TV-Werbeeinahmen zu genieren, sei bedauerlicherweise nichts mehr erhalten.

"Der Schlüssel zum Erfolg ist doch, dass Kids in Finnland mit Kids in Deutschland und in Israel etwas Gemeinschafts-Stiftendes haben", so Cokes. MTV von gestern könnte heute so etwas wie iTunes oder Spotify sein. Die Entwicklung kam bekanntlich anders. 

Durchstarten - mit neuen Live-Tours

"Ich spiele ernsthaft mit der Idee, das alte Team wieder zusammenzutrommeln", sagte er zu kress. Startschuss am besten schon im nächsten Jahr. Dann also Crowdfunding - für neue Live-Shows, die dann aber auch tatsächlich "live" stattfinden werden. Den Grant hat sich Ray Cokes von der Seele geschrieben. Nun ist die Energie dafür wieder frei.

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