Angeblich drohten Mio.-Verluste bei der Werbung: Springer gibt Google Gratislizenz für weitere Titel

 

Google darf vom heutigen Mittwoch an wieder Snippets der Springer-Titel "welt.de", "autobild.de", "computerbild.de" und "sportbild.de" zeigen. Das kündigte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner bei einer Telefonkonferenz an.

Google darf vom heutigen Mittwoch an wieder Snippets der Springer-Titel "welt.de", "autobild.de", "computerbild.de" und "sportbild.de" zeigen. Das kündigte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner bei einer Telefonkonferenz an. Für seine übrigen Titel, insbesondere für "Bild.de", hatte der Verlag bereits vor zwei Wochen die Verwertungsgesellschaft VG Media eine solche Gratislizenz erteilen lassen (kress.de vom 23. Oktober 2014). Inhalte von "welt.de" & Co. wurden seitdem hingegen nur noch eingeschränkt bei Google dargestellt. "Wir wollten Beweise und Daten gewinnen, die klar dokumentieren, wie Google seine marktbeherrschende Stellung missbraucht", sagte Döpfner zur Begründung.

Nach Darstellung des Springer-Chefs ist dieser Beweis nun geglückt: Der Traffic über Suchmaschinen sei bei den vier Websites um rund 40% zurückgegangen. In der Folge wäre "welt.de" laut Döpfner im IVW- und Agof-Ranking "deutlich hinter die Wettbewerber zurückgefallen", und "computerbild.de" hätte seinen Platz in der Top 10 aller Agof-Angebote verloren. Allen Marken hätten daher hohe siebenstellige Werbeeinbußen pro Jahr gedroht. In einigen Fällen sei man sogar Gefahr gelaufen, sich "aus dem Markt zu schießen".

Döpfner wertete die zweiwöchige Google-Abstinenz als "erfolgreichsten Misserfolg, den wir je hatten". Jetzt wo der Beweis für die Marktmacht von Google erbracht sei, müssten Politiker und Regulierer wieder ran, um den Suchmaschinenriesen in seine Schranken zu weisen.

Europäisches "Politico" kommt im ersten Halbjahr 2015

Döpfner stellte in der Telefonkonferenz die Geschäftszahlen von Axel Springer SE im dritten Quartal 2014 vor. Er nutzte die Gelegenheit auch, um erfreulichere Botschaften als das Einknicken vor Google zu verbreiten. So soll im ersten Halbjahr 2015 eine europäische Ausgabe der US-Website "Politico" mit Sitz in Brüssel starten. Springer hat mit den Betreibern gerade ein 50:50-Joint-Venture vereinbart (kress.de vom 9. September 2014).

Klage über Personalabbau in Redaktionen

Auch die digitalen Bezahlangebote von "Bild.de" und "welt.de" entwickelten sich laut Döpfner gut: Ende September gab es 296.000 zahlende Nutzer  - gut 13% mehr als Ende des Vorquartals. Es handelt sich dabei um die "digitalen tagesdurchschnittlichen Nutzungsrechte", die erst seit Kurzem von der IVW ausgewiesen werden. Döpfner beklagte, dass sich nicht alle Verlage mit Springer auf den Bezahl-Trip begeben. "Viele beschäftigen sich lieber mit dem Personalabbau in Redaktionen."

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