DJV fordert faire Bahnstreik-Medienberichte: "Wie Claus Weselsky wohnt, ist irrelevant"

05.11.2014
 

Der Deutsche Journalisten-Verband hat die Medien aus Anlass des angekündigten Bahnstreiks zu fairer Berichterstattung aufgefordert. Selbstverständlich müsse über den Arbeitskampf, seine Ursachen und die Auswirkungen auf Reisende und die Wirtschaft ausführlich informiert werden, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.

Der Deutsche Journalisten-Verband hat die Medien aus Anlass des angekündigten Bahnstreiks zu fairer Berichterstattung aufgefordert. Selbstverständlich müsse über den Arbeitskampf, seine Ursachen und die Auswirkungen auf Reisende und die Wirtschaft ausführlich informiert werden, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.

Zugleich appellierte er an die Medien, nicht tendenziös zu berichten. Kein Streik sei beliebt, aber Stimmungsmache für oder gegen eine Partei des Tarifkonflikts oder ihre Funktionsträger sei nicht Aufgabe der Medien. "Man muss den Streik der GDL nicht mögen, aber andem im Grundgesetz geschützten Recht zum Arbeitskampf darf nichtgerüttelt werden."

Der DJV-Vorsitzende wandte sich in dem Zusammenhang gegen vereinzelt festzustellende Tendenzen, den Vorsitzenden der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer als Privatperson an den Pranger zu stellen. "Wie Claus Weselsky wohnt, ist ebenso irrelevant für die Meinungsbildung wie das Foto von seinem Klingelschild", betonte Konken. "Wer den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn AG auf das Niveau von 'Staatsfeind Nummer eins' herunter zieht, verletzt die journalistischen Spielregeln und spielt zudem den Gegnern der Tarifpluralität in die Hände."

Hintergrund: Die Lokführergewerkschaft GDL hat am Mittwoch den Vorschlag der Deutschen Bahn abgelehnt, kurzfristig in ein Schlichtungsverfahren einzusteigen. Der angekündigte Streik werde wie geplant verwirklicht, teilte Claus Weselsky mit. Es gehe um das Grundrecht auf Koalitionsfreiheit, das die Bahn verletzen wolle. Darüber könne man nicht verhandeln.

Mit einer Schlichtung wollte die Deutsche Bahn den Lokführerstreik in letzter Minute abwenden. Seit Mittwoch, 15 Uhr bestreikt die GDL den Güterverkehr. Am Donnerstag früh um 2 Uhr will die Gewerkschaft den Ausstand auf den Personenverkehr ausdehnen. Der Streik soll bis Montagmorgen dauern. Die Deutsche Bahn bemüht sich, während des Ausstands etwa ein Drittel des Fernverkehrs und die Hälfte der Verbindungen im Güterverkehr aufrechtzuerhalten.

Ihre Kommentare
Kopf

Frank Hörnig

05.11.2014
!

"Wer den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn AG auf das Niveau von 'Staatsfeind Nummer eins' herunter zieht, verletzt die journalistischen Spielregeln und spielt zudem den Gegnern der Tarifpluralität in die Hände."
Gut gebrüllt Löwe - der wievielte Versuch ist das denn, die Medien zu journalistischer Korrektheit aufzurufen. Wohin man auch schaut - keiner schreibt doch noch, wie der Konflikt entstand und worum es wirklich geht......


Ekkehard Koch

05.11.2014
!

Lieber Herr Konken,
Es ist mir nicht gelungen im Grundgesetz eine Stelle zu finden in der das Recht auf Streik für Mitgliederwerbung garantiert wird, dem wahren Ziel der GDL.
Gern lasse ich mich eines Besseren belehren.


Manfred Effertz

Manfred Effertz

Freier Journalist

05.11.2014
!

Es würde mir schon reichen, zu wissen, WO er wohnt, um ihm Dankesgrüße zu überbringen, bevor er in eine Nervenheilanstalt gebracht wird.


Ralf Manthey

05.11.2014
!

Information für Journalisten

Ab sofort bis zum Ende des Streiks müssen keine TV-Drehgenehmigungen für öffentlich zugängliche Bereiche beantragt werden. Dennoch werden die TV-Teams gebeten, sich vor Drehbeginn in Bahnhöfen bei der DB-Information zu melden, keine Interviews mit DB-Mitarbeitern zu führen und nicht in den DB-Reisezentren zu filmen.

Kopie aus der DB Webpage, das geht natürlich auch nicht.


Gerd Wintrich

06.11.2014
!

Leider steht es um den Deutschen Journalismus mittlerweile ebenso schlecht wie um das Management der Bahn...

Die wahren Verantwortlichen sitzen in Berlin, durch Wachppersonal geschützt in ihrem Glaspalast. Von hier aus bedient eine gut geschmierte PR-Maschine die Journaille, u.a. mit Einladungen zu fragwürdigen Presseterminen in Güterumschlagszentren, die die Auswirkungen des Streiks verdeutlichen sollen. Herrn Hörnig kann ich nur zustimmen, die meisten Medien versagen gerade mal wieder total.


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