Frauenmagazin "Entry" im kress-Check: Ohne Pep an die "Powerfrauen"

 

Mit "Entry" will Chefredakteur und Publisher Michael A. P. Divé seit Mittwoch den Markt der Frauenzeitschriften für die Zielgruppe 35+ aufmischen. Insbesondere "Emotion" will er in den Kernthemen Inspiration, Veränderung und Selfness das Wasser abgraben.

Mit "Entry" will Chefredakteur und Publisher Michael A. P. Divé seit Mittwoch den Markt der Frauenzeitschriften für die Zielgruppe 35+ aufmischen. Den Titel aus dem Hause Huhle Media positioniert Divé nach dem Relaunch "als Magazin für Powerfrauen in der besten Phase des Lebens", wie er im Editorial schreibt. Zuvor lief "Entry" unter dem sperrigen Label "Magazin für Persönlichkeitsentwicklung".

Mit der Neuaufstellung will Divé insbesondere "Emotion" in den Kernthemen Inspiration, Veränderung und Selfness das Wasser abgraben. Doch dessen Macherin Katarzyna Mol-Wolf kann sich nach der ersten Ausgabe entspannt zurücklehnen. kress hat "Entry" einem Check in fünf Punkten unterzogen.

Das Cover

Divé macht im Heft keinen Hehl daraus, dass die Idee zur Titelgeschichte  mit Ursula Karven "super spontan" kam. Ob spontan auch alternativlos bedeutet? Schließlich bietet die Erstausgabe keinen weiteren richtigen Promi aus Funk und Fernsehen im Interview. Mag sein, dass auf Karven der Stempel "Powerfrau" passt. Nur ob sich die junge Zielgruppe 35+ von dem "neuen Leben" einer 50-Jährigen inspirieren lässt, die dazu noch ein beliebtes Cover-Girl deutscher Frauenmagazine ist? Der Wow-Effekt geht gegen null.

Der Heftaufbau

Das Heft unterteilt sich in die vier Bereiche "Fühlen", "Leben", "Verändern" und "Coaching", wobei die ersten beiden Themen den Großteil ausmachen. Welcher Definition die einzelnen Rubriken unterliegen, ist nicht ganz klar. So ist der Artikel zur Frage "Kann man Charisma lernen?" dem Bereich "Fühlen" zugeordnet genauso wie der Artikel zu "Das macht sofort glücklich". Im Ressort "Verändern" hingegen finden sich Kurzporträts der "Powerfrauen 2015", wozu nach Urteil der  "Entry"-Redaktion u.a. "taz"-Chefin Ines Pohl sowie die Moderatorinnen Christine Westermann oder Marietta Slomka gehören.  Statt in der "Fühlen"-Rubrik finden sich unter dem Label "Leben" hingegen die "12 Wohlfühl-Rezepte". Trennschärfe geht anders.

Die Inhalte

Was in der "Entry" dominiert, sind  Interviews – ob in kurzer oder langer Version, mit Zukunftsforschern, Beziehungsspezialisten, Charisma-Experten, etc. Elf Interviews stecken in der Erstausgabe. Texte, die sich auf die "Selfness" der Autoren beziehen, gibt es drei an der Zahl. Monika Zöllner schreibt beispielsweise ihre Überlegungen zum Glück nieder, Herbert Hofmann lässt den Leser an seiner ersten Qigong-Stunde teilhaben und Ines Stoll tut ihre Liebeserklärung an die Toskana kund. Nette Stücke, die jedoch weder wegen ihrer Themenwahl  noch durch ihre Ansätze überraschen und insbesondere Tiefe vermissen lassen. Auch ist nicht klar, warum die Redaktion bei der Vorstellung der "Powerfrauen 2015" gerade diese elf Damen auserwählt hat. Dazu kommt, dass die jeweiligen Frauen in den Kurzporträts nur für ihre jüngste Vergangenheit gerühmt werden, warum sie aber zu den Powerfrauen des kommenden Jahres gehören, wird nur teilweise beantwortet. Der Coaching-Teil wirkt wie schnell zusammengeschustert, ein dreiseitiger Service-Teil mit Terminen ist hingegen ein gelungener Ressortausstieg. Highlight der Erstausgabe ist das Interview mit Henriette Frädrich, "Deutschlands frechster Frau", die herrlich selbstironisch über eigene Schwächen und Fehler spricht und wohl die bessere Wahl fürs Cover gewesen wäre.

Das Layout

Die große Stärke von "Entry" ist das verspielte Layout – zumindest in Sachen Textgestaltung. Die unterschiedliche Typo und die detailverliebte Gestaltung vor allem bei den Kurztexten hinterlassen den Eindruck, dass hier echte Print-Liebhaber am Werk waren. Kaum eine Seite gleicht der anderen, auf großen Weißraum wurde verzichtet. Die einzelnen Rubriken haben ihre eigene Pastellfarbe, was miteinander harmoniert. Ein Wermutstropfen: Die Bilder. Augenscheinlich war ein Budget für eigene Produktionen nicht drin. Vor allem: Wenn man zu den Interviewpartnern keine Fotos abbildet, zeigt das, dass hier an falscher Stelle gespart wurde.

Das Anzeigengeschäft

Mit insgesamt 13 Anzeigenseiten und einem Gastbeitrag ist die 116 Seiten umfassende Relaunch-Ausgabe in Sachen Vermarktung nicht zu beklagen. Hauptsächlich befinden sich Kunden aus der pflegenden Kosmetikbranche darunter. Dass "Selfmade-Woman" Michaela Scherer auf den ersten Seiten im Kurzporträt mit ihrer Kosmetik-Linie vorgestellt wird, weiter hinten im Heft erneut auf  einer Anzeigenseite mit einem gespiegelten Foto lächelt und dazu noch für die "Entry"-Leserin eine Sonderaktion anpreist, mag wohl kein Zufall sein. Was außerdem auffällt: Ursula Karven spricht im Interview über ihre Aufgabe als Markenbotschafterin der Naturkosmetik von Logona, und im Kurzporträt über Sabine Lisicki bleibt nicht unerwähnt, dass sie mit ihrer "Power plus Personality" Sponsoren wie Longines von sich überzeugen konnte.

Fazit

"Entry" will viel, bietet jedoch in den Texten nicht die Tiefe, die man sich von den Ressortnamen verspricht. Die Kernthemen Inspiration, Veränderung und Selfness werden nicht konsequent durchdekliniert. Dass "Entry" die junge Zielgruppe 35+ ansprechen will, muss extra erwähnt werden – anhand der Inhalte und Auswahl der Gesprächspartner würde man eher eine ältere Klientel ausmachen. Hier wünscht man sich mehr Zuspitzung. Das detailverliebte Layout hingegen macht Spaß und weckt die Neugier der Leserin. Nur an diesem Punkt kann sich "Emotion" etwas abgucken. Ansonsten wird ihr "Entry" (noch) nicht gefährlich.

"Entry" erscheint vierteljährlich im Verlag Huhle Media (Druckauflage 32.000 Exemplare) und kostet 4,90 Euro.

Ihre Kommentare
Kopf

BPB

07.11.2014
!

Da hat die Redakteurin, offenbar ein Emotion-Freundin, wohl was mißverstanden. "35+" deutet eben nicht in Richtung 25 und jung, sondern in Richtung 50 und erwachsen. Insofern sind die Powerfrauen durchaus clever gewählt. Und advertotialverdächtige Artikel finden sich doch heute in jedem Magazin, machen wir uns doch da nichts vor.


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