Comedy-Serie "Silicon Valley" im kress-Check: Nippel-Fetischismus statt Bessere-Welt-Gelaber

 

Durch die Nerd-Brille geblickt: Als die "Wikinger der Neuzeit" sieht der verklemmte Stotterer, aber Weltklasse-Programmierer Richard (Thomas Middleditch) sich und seine blassen IT-Kumpels. Die WG-Jungs aus der Sky-Serie "Silicon Valley" brauchen zwar kuriose Erfindungen wie eine "Nip Alert"-App, um sich in der Welt zurechtzufinden. Nach und nach lernen sie aber das Geschäft.

Durch die Nerd-Brille geblickt: Als die "Wikinger der Neuzeit" sieht der verklemmte Stotterer, aber Weltklasse-Programmierer Richard (Thomas Middleditch) sich und seine blassen IT-Kumpels. Die WG-Jungs aus der Sky-Serie "Silicon Valley" brauchen zwar kuriose Erfindungen wie eine "Nip Alert"-App, um sich in der Welt zurechtzufinden. Nach und nach lernen sie aber das Geschäft.

Wie so oft wissen die Mark Zuckerbergs von heute meistens nicht so genau, wozu man am Laptop Selbstgebasteltes wie eine Orientierungshilfe zum Aufspüren erigierter Brustwarzen in der näheren Umgebung eines Tages noch brauchen kann. Fleißig weiterprogrammieren, lautet die Devise. Vielleicht stellt sich der Welterfolg ja doch von ganz alleine ein. 

Wer zahlt schon für Urheberrechte? Niemand!

Richard zumindest hat etwas ganz Großes entwickelt - und zunächst keinen Schimmer davon, worin die Vermarktbarkeit seiner "Killer-Technologie" liegt. Eigentlich sollte es ein ziemlich krudes, weil tatsächlich gut gemeintes Programm sein, mit dem Musiker überprüfen können, ob sie mit ihren Sound-Basteleien gegen geltendes Urheberrecht verstoßen. Wie die Harten wissen, ist das WWW der Wilde Westen. Lizenzverstöße? Pah!

Beifang von Richards Entwicklung ist allerdings ein grandioses Kompromierungssystem für gigantische Datenmenge. Und auf das sind die gierigen Geld-Haie im Google-Lookalike-Konzern "Hooli" sowie raffzahnige Anschub-Investoren natürlich rattenscharf. Bevor er sich versieht, steckt der Nerd-Entwickler im Zentrum eines Bieter-Sturms - mit schwindelerregenden Millionen-Summen, die für seine Idee aufgerufen werden. 

Warum Steve Jobs angeblich nur ein Poser war

Richard weiß die einzig richtigen Ausweg aus der verfahrenen Situation, die Panik-Attacken verursacht: Er beschließt, mit der eigenen Idee ein eigenes Unternehmen zu gründen. Mit seinem Mitbewohner-"Wikingern" aus der Nerd-WG - darunter sein bester Kumpel Big Head (Josh Brener), dem aus Pakistan stammenden Java-Entwickler Dinesh (Kumail Nanjiani) und dem Software-Experten/Satanisten Gilfoyle (Martin Starr), beginnt er den großen Apple-Aufstiegstraum zu träumen. 

Wobei: Besonders groß ist die Apple-Ehrfurcht nicht. "Steve ist ein Poser - er schrieb nicht mal Code", sagt Richard. Und erschrickt dabei selbst ein wenig über sein Selbstbewusstsein. 

Die neue HBO-Serie "Silicon Valley" nimmt in acht Folgen die Aufgeblasenheit der Web-Gurus an der US-Westküste auf den Arm - auf eine charmante, pointierte und rotzig-respektlose Art, wie man sie vom einstigen "Beavis & Butt-Head"-Erfinder Mike Judge, der angeblich selbst in grauen Vorzeiten Silicon-Valley-Erfahrungen sammelte, erwarten kann. 

Google-Boss Eric Schmidt hält seinen Kopf hin

Zum "einfach so" entspannten Anschauen bietet die verschärfte Variante von "The Big Bang Theory" solide Sitcom-Pointen und ausreichend skurrile Charaktere. Salz in der Buchstaben-Suppe - die von den IT-Freaks natürlich mit "Einsen" und "Nullern" gekocht wird - ist allerdings der gallige Humor, mit dem über die Glücksversprecher, Weltverbesserer und scheinheiligen Selbstdarsteller der "Valley"-Welt hergezogen wird. Durchaus mutig, dass der reale Google-Chef Eric Schmidt in einem Mini-Auftritt dafür seinen Kopf hinhält.

Dabei werden schonungslos die aus zahllosen Weltkonzernen bekannten, verlogenen Phrasen entlarvt - etwa jene von der "Greatness", die nur erzielt werden kann, wenn man zuvor die "Goodness" verwirklicht habe. Auch als Richard seine "Wikinger" um sich schart, fällt es schwer, ein Motto zu finden, das nicht schon abgedroschen wurde. "Just do it" (Nike) oder "Think Different" (Apple) gehen auch nicht mehr. 

Vielleicht hat die zündende Idee ja Kid Rock. Der ist ganz zu Beginn in einem trostlosen Cameo zu sehen, als er auf einer der legendär ereignisarmen Partys der Computerfreak-Branche aufspielen muss. "Fuck these people", schimpft er über die faden Nerds. 

Wie jeder weiß: Man sollte sie trotzdem nicht unterschätzen. Und was man sich rasch zuflüstert, scheint zu stimmen. Kid Rock war der einzige Nicht-Millionär im Raum.

"Silicon Valley" läuft ab 12. November exklusiv bei Sky - und zwar immer mittwochs um 21.00 Uhr auf Sky Atlantic HD sowie flexibel abrufbar bei Sky Go und Sky Anytime.

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