DJV ernüchtert über Aschendorff-Verleger: "Verdacht des bewussten Rechtbruches"

15.11.2014
 

Ab Montag, 17. November, erscheint die "Münstersche Zeitung" mit lokalen Inhalten der "Westfälischen Nachrichten". Nach Angaben des DJV-NRW hat Aschendorff die rund 140 Redakteure der "WN" aufgefordert, bis diesen Samstag, 15. November, neue Arbeitsverträge zu unterzeichnen und auf die Tarifbindung zu verzichten. 

Ab Montag, 17. November, erscheint die "Münstersche Zeitung", die nun zur Unternehmensgruppe Aschendorff gehört, mit lokalen Inhalten der "Westfälischen Nachrichten". Nach Angaben des DJV-NRW hat Aschendorff die rund 140 Redakteure der "WN" aufgefordert, bis diesen Samstag, 15. November, neue Arbeitsverträge zu unterzeichnen und auf die Tarifbindung zu verzichten. 

Die Aschendorff-Verleger Benedikt Hüffer und Eduard Hüffer haben dem DJV zufolge den Zeitungstarifvertrag gekündigt und wollen dem Verlegerverband NRW künftig als OT-Verlag angehören. Der DJV forderte die Hüffers deshalb auf, die bei der "WN" immer noch geltenden Tarifverträge einzuhalten und auch für die Zukunft im Zeitungstarif zu bleiben.

An diesem Wochenende teilte der DJV-NRW nun mit, dass es derzeit keine Basis für ein Gespräch mit den Verlegern des Aschendorff Verlags in Münster gebe. Ein für diese Woche geplantes Treffen sei abgesagt worden. "Es ist enttäuschend und ernüchternd, dass die Hüffers derzeit nicht zielführend mit uns sprechen möchten", erklärte DJV-Landesgeschäftsführerin Anja Zimmer. Auf einer Betriebsversammlung kurz vor dem Termin hätte sich gezeigt, dass die Verleger nicht bereit seien, mit den Journalisten-Gewerkschaften über Arbeitsbedingungen ihrer Redakteure zu verhandeln.

Der DJV-NRW verdächtigt den Aschendorff Verlag deshalb, bewusst Rechtsbruch zu begehen. Die Redakteure der "Westfälischen Nachrichten" seien aufgefordert worden, bis Samstag, 15. November, neue Arbeitsverträge zu unterschreiben. "Tun sie es nicht, hatte der Verlag betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen", weiß der Journalistenverband.

Der DJV-NRW macht indes darauf aufmerksam, dass die von der Geschäftsführung forcierten freiwilligen Vereinbarungen für Gewerkschaftsmitglieder unwirksam sind. Anja Zimmer: "Jedes Mitglied kann die nach wie vor geltenden Tarifbedingungen einfordern." Der Gehaltstarifvertrag für Tageszeitungsredakteure laufe noch bis Ende 2015, der Manteltarifvertrag "sogar bis Ende 2018". Bis dahin dürfe der Verlag eigentlich nicht zu Ungunsten der Redakteure von den Verträgen abweichen. "Leider verwehrt sich die Geschäftsführung einer rechtssicheren Lösung", sagt Zimmer. Daher fehle die Basis für ein Gespräch.

Die Redakteure der "Münsterschen Zeitung" haben am Freitag zum letzten Mal ihre Lokalteile produziert. Ab Montag, 17. November, erscheint die "MZ" mit lokalen Inhalten der "Westfälischen Nachrichten" und wird zur "Zombie-Zeitung". Laut WDR sollen bis zu zehn "MZ"-Redakteure übernommen werden. Dem DJV-NRW sind bislang nur vier konkrete Zusagen bekannt.

Der DJV-NRW hat zu diesem Thema ein Special im Internet veröffentlicht: www.djv-nrw.de/aschendorff. 

Ihre Kommentare
Kopf

Karl Jobig, Dresden

15.11.2014
!

Was mich bei diesen DJV-Meldungen am meisten stört, ist ihre Einseitigkeit. Kein Wort über die Gewinn- und Verlust-Situation der Westfälischen Nachrichten und der Münsterschen Zeitung - oft genug ist es doch so, dass auf kleinerer Flamme gekocht werden muss, weil die Umsätze nicht mehr stimmen, weil nicht genug Zeitungen verkauft werden und nicht genügend Anzeigen geschaltet werden. Ein Schrumpfprozeß ist manchmal die einzige Maßnahme, das Unternehmen zu retten.


andreas tsilis

16.11.2014
!

Der DJV hat keine Bilanzbuchhalter-Aufgaben. Das sollte man wissen.


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