Hubert Burda analysiert die digitale Revolution: "Zuckerberg hat sich überhaupt nicht für mich interessiert"

 

Hubert Burda, bekanntlich nicht nur Großverleger, sondern auch ein kultursoziologisch weit interessierter Kopf, zieht in seinem eben erschienen neuen Buch "Notizen zur Digitalen Revolution 1990-2015" ein Bilanz aktueller Umwälzungen - und plaudert aus dem Nähkästchen. So erzählt er, wie ihn Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, 2009 Gast des DLD-Kongresses, in seinen eigenen vier Wänden versetzte. 

Hubert Burda, bekanntlich nicht nur Großverleger, sondern auch ein kultursoziologisch weit interessierter Kopf, zieht in seinem eben erschienen neuen Buch "Notizen zur Digitalen Revolution 1990-2015" ein Bilanz aktueller Umwälzungen - und plaudert aus dem Nähkästchen. So erzählt er, wie ihn Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, 2009 Gast des DLD-Kongresses, in seinen eigenen vier Wänden versetzte. 

"Er ist hoch zu den Kindern in den ersten Stock"

Der damals (wie heute) noch recht jugendlich-nassforsche Internet-Visionär war spontan als Gast im Hause Hubert Burda/Maria Furtwängler geladen. "Dann lege ich halt noch Gedeck raus", sagte sich der Verleger damals. Zuckerberg kam zwar - tauchte aber nicht am erlesenen Gastgebertisch auf. "Er ist hoch zu den Kindern in den ersten Stock", blickt Burda zurück. Zuckerberg wollte sich vor Ort übers Internet unterhalten. "Für mich hat er sich überhaupt nicht interessiert."

Digital-Visionäres, notiert in altmodischen Oktav-Heften

Es sind Anekdoten wie diese, die die neueste Publikation des "Iconic Turn"-Professors, erschienen im Petrarca Verlag, lesenswert machen - und natürlich noch viel mehr: Burda blickt auf 25 Jahre Umbrüche in der Medienwelt zurück und erweist sich als durchaus seherischer Digitalunternehmer. "Suchmaschinen, aber auch Provider und andere Anbieter profitieren überproportional von unseren teuer erstellten Inhalten. Doch wer die Leistung anderer kommerziell nutzt, muss dafür bezahlen", stellte er bereits 2009 fest. "Dieses ökonomische Grundprinzip muss auch im digitalen Zeitalter mit seiner 'Link-Ökonomie' gelten."

Notiert hatte Hubert Burda diese Erkenntnisse in vielen handschriftlich, strikt analog archivierten Oktavheften, die er nun noch einmal sichtete. Als früher Facebook-Skeptiker gab er sich demnach auch 2011 schon zu erkennen. "Man sagt, Facebook sei kostenlos, aber man bezahlt mit seinen Daten. Heute sagt Burda: "Was soll ich 500 Follower haben, die sagen 'I Like you'?"

"Ich war pleite - hatte es nur nicht zur Kenntnis genommen"

Mehr beiläufig gab er bei der "Notizen aus bewegten Zeiten"-Vorstellung in seiner privaten Innenstadt-Repräsentanz-Räumen in Münchner Uni-Nähe auch Einblick in die auch durch Digital-Umbrüche bewegte Firmen-Historie. "Ich war vorher pleite, aber ich hatte es nur nicht zur Kenntnis genommen", blickte er kokettierend auf die Anfänge des "Focus"-Abenteuers zurück.

"Nach drei Monaten haben wir mit Markwort wieder Geld verdient"

"Als Helmut Markwort wieder schön Geld für mich verdient hat", drehte sich das Blatt schnell. Angeblich musste Burda damals ein Haus verkaufen. "Ich war der Nobody dieser Branche", will er sich erinnern. "Dann kam Markwort. Nach drei Monaten haben wir wieder Geld verdient", sagt er über das Jahr 1993.

Im Anschluss übersiedelte Burda - weit vor Kai Diekmann - mit seiner Familie für einige Zeit ins Silicon Valley - ein bis heute inspirierender Ort. "Sound und Rhythmus war der Rock'n'Roll", hieß es nun bei dem DLD-Initiator, der noch immer die Größen der Digital-Branche alljährlich nach München lotst (nächster Termin: 18. bis 20. Januar 2015). 

"Wir wurden verprügelt für Hundefutter"

Für seine Äußerung, dass im Netz mit Qualitätsjournalismus kein Geld zu verdienen sei, habe Burda "viele Prügel an den Kopf geschlagen bekommen", sagte er aktuell. Außerdem für einige, rückblickend lukrative Investitionen. "Wir wurden verprügelt für Hundefutter." - Eine Anspielung auf Zooplus. Heute sieht er mit Genugtuung, dass Springer für teures Geld wieder nicht-journalistisches Digitalgeschäft zurückkauft.

"Ich habe bewusst ein altes Telefon"

Natürlich hält die digitale Revolution nicht auf - und verändert das klassische Redaktionsgeschäft rasant. "Wir stehen erst am Anfang", sagte Hubert Burda. Als Augen-öffnend sieht er den Edward-Snowden-Shock. "Snowden hat viel verändert", so der Verleger. "Ich habe bewusst ein altes Telefon, weil ich froh bin, dass alle Inhalte nicht nachmittags nach Amerika gehen."

"Focus Online muss boulevardesker sein"

Stolz ist Burda, dass er mit dem Newsroom-Prinzip und anderen Organisationsformen früh die richtigen Alltagsantworten gefunden haben will. An einer Trennung zwischen der Print-"Focus"-Redaktion und Focus Online soll allerdings nicht gerüttelt werden. "Focus Online ist eine Tageszeitung, sie muss boulevardesker sein", sagte Burda. 

"Der Spiegel hat viel Zeit vertrödelt"

Einen Seitenhieb auf den offenbar noch lange nicht ausgestandenen hausinternen Konflikt im Spiegel Verlag konnte er sich nicht verkneifen. Er sieht auf der einen Seite dort die ausgezeichneten Print-Mitarbeiter, deren Arbeit "oft an Literatur" grenze. "Und die soll ich jetzt mit dir, Cherno Jobatey, in einem Newsroom sehen?", warf er als rhetorische Frage und kleine Frotzelei gegen seinen hemdsärmeligen "HuffPo"-Herausgeber in die Runde. "'Der Spiegel' hat so viel Zeit mit der Debatte vertrödelt."

Spätestens in 25 Jahren wird wieder Revolutionsgeschichte geschrieben. Beziehungsweise schon viel früher. Hubert Burda kündigte in Zusammenarbeit mit seinem Freund, dem Münchner Verleger Michael Krüger, fürs erste gleich fünf neue Bücher an - für deren Inhalte er jetzt schon kosmopolitisch warb: "It's not only the digital revolution, but the love for poetry."

Ihre Kommentare
Kopf
Carsten Haueis

Carsten Haueis

raumplus Besitz- und Entwicklungs-GmbH & Co. KG
Referent für Marketing & PR

10.12.2014
!

Sicherlich ein spannendes Buch! Interessant, wie ein "alter Medienhase" wie Hubert Burda, heute über die Digitalisierung spricht. Uninteressant eher die Tatsache wer nun eher im Silicon Valley war, kommt es doch letztendlich alleine darauf an, was man mit der gewonnenen Erkenntnis vor Ort hier vor Ort verändern kann. Ich bin gespannt auf das Buch und freue mich auf die Lektüre.


Peter Meuser

15.12.2014
!

Es spricht für die starke Persönlichkeit des Verlegers nur mit "altem Telefon" und Oktavheft bewaffnet auf die digitale Revolution zu blicken. Was wäre wohl ein Zuckerberg ohne Internet? Respekt!


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