Balle sieht die "Abendzeitung" im Aufwind: Zahl der Mitarbeiter steigt auf "gut 50 Leute"

29.12.2014
 

Ein halbes Jahr nach dem Neubeginn unter Verleger Martin Balle stockt die Münchner "Abendzeitung" die Zahl ihrer Mitarbeiter weiter auf. Im Januar werden es "gut 50 Leute" sein, so Balle im Interview mit dpa. Das sind deutlich mehr als zunächst geplant. "Wir liegen deutlich über der schwarzen Null und

Ein halbes Jahr nach dem Neubeginn unter Verleger Martin Balle stockt die Münchner "Abendzeitung" die Zahl ihrer Mitarbeiter weiter auf. Im Januar werden es "gut 50 Leute" sein, so Balle im Interview mit dpa. Das sind deutlich mehr als zunächst geplant. Im vergangenen Juni war von erst 30 und bis Jahresende bis zu 35 Mitarbeitern die Rede. 

"Wir liegen deutlich über der schwarzen Null und haben unser mittelfristiges Ziel - fünf Prozent Umsatzrendite - schon im Jahr 2014 erreicht", berichtet Balle. Bereits im September hatte der 51-jährige Straubinger Verleger erklärt, mit der "Abendzeitung" den Break-Even geschafft zu haben. Die Verlegerfamilie Friedmann hatte im März 2014 die Notbremse gezogen und die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. 66 Jahre lang war die Boulevardzeitung auf dem Markt. Die meisten der 110 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Nach der Rettung aus der Insolvenz pendelt sich die Auflage der "AZ" nach Balles Angaben derzeit zwischen 40.000 und 50.000 Exemplaren ein. Abonniert haben die Zeitung etwa 20.000 Leser. Die Trendwende sei nunmehr geschafft, so Balle, erstmals seien im Oktober mehr Neuabonnements gebucht worden, als es Abbestellungen gab.

Das Blatt konzentriert sich neuerdings ganz auf die regionale Berichterstattung in München. Verleger Balle sieht darin Vorteile: "Wir machen pro Tag acht bis zehn Seiten München. Früher war klar, wie man schreiben musste. Das ist heute nicht mehr so. Dieses stark ideologisierte Moment ist weg. Es gibt eine offene Diskussion und die Redakteure sagen: Wir haben noch nie so frei arbeiten können."

"Boulevard mit Schamkultur"

Martin Balle legt Wert darauf, die "Sex-Anzeigen" aus dem Blatt verbannt zu haben. Er wolle "eine Zeitung, die auf dem Familientisch liegen kann, die nicht vulgär, sondern fein ist", so Balle. Marktschreierei lehne er ab, geboten werde stattdessen "Boulevard mit Schamkultur". Die "Abendzeitung" sei nun wieder wirtschaftlich erfolgreich und beschere darüber hinaus seinem Medienhaus "viele kreative Impulse". Davon profitierten auch andere Blätter des Verlags.

Balle setzt neben der Printausgabe auch auf "ein gut funktionierendes Online-Portal". Gerade ein vergleichsweise kleines Verlagshaus könne auf die neue digitale Herausforderung angemessener reagieren, als "die ganz großen Tanker, die sich nur langsam ändern können".

"Wir haben den Lesern viel zugemutet"

In einem Jahresrückblick in eigener Sache schrieb die "Abendzeitung" am Wochenende: "Sicherlich: Ihnen, liebe Leser, haben wir in den letzten Monaten viel zugemutet. Eine neue Blattstruktur, ein neues Zeitungsformat und zunächst viele Probleme mit der Aktualität. Wir versprechen Ihnen aber, dass wir jeden Tag daran arbeiten, dass die AZ für Sie das bleibt, was sie immer gewesen ist: Eine moderne Großstadtzeitung und Münchens bestes Boulevardblatt. Bleiben Sie uns gewogen!"

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