Social-TV-Studie: Warmlaufen für das Dschungelgezwitscher 2015

15.01.2015
 
 

Freitagabend ist es wieder so weit: Bei RTL startet die neue Staffel von "Ich bin ein Star - Holt mich hier Raus!". Nicht nur die Quote wird wohl wieder Spitzenwerte erreichen, auch die Menge der Social-Media-Posts zur Sendung ist auf Wachstumskurs. Schon im vergangenen Jahr knackte die Twitter-Diskussion zur achten Staffel sämtliche Social-TV-Rekorde. Lena Hautzer, Daniel Possler (IJK) und Sven-Uwe Janietz (ferret go) zeigen,

Freitagabend ist es wieder so weit: Bei RTL startet die neue Staffel des Erfolgsformats "Ich bin ein Star - Holt mich hier Raus!". Nicht nur die Quote wird wohl wieder Spitzenwerte erreichen, auch die Menge der Social-Media-Posts zur Sendung ist auf Wachstumskurs. Schon im vergangenen Jahr knackte die Twitter-Diskussion zur achten Staffel sämtliche Social-TV-Rekorde. Über 300.000 Tweets konnten zum offiziellen Hashtag #ibes gezählt werden. Bereits nach fünf Tagen hatten die Zuschauer 132.000 Tweets verfasst. Zum Vergleich: MediaCom zählte 2013 im gleichen Zeitraum nur 19.000 Twitter-Beiträge. Für die kommende Staffel lassen sich ähnliche Steigerungen erwarten. So sind bereits vor Sendestart, in den letzten sechs Tagen, unter dem Hashtag #ibes über 2.200 Tweets gepostet worden.

Über welche Themen tauschen sich die Zuschauer auf Twitter aus und was treibt die Diskussionen? Ein Rückblick auf die letztjährige Staffel zeigt, was uns 2015 womöglich erwartet.

Die Kandidaten stehen im Fokus

Hauptthema des Austauschs zur Sendung bei Twitter sind die Kandidaten - oft hervorgehoben durch einen eigenen Hashtag. Im vergangenen Jahr war vor allem Larissa Marolt (#larissa) das zentrale Thema, aber auch Melanie Müller (#melanie), Michael Wendler (#wendler) und Mola Adebisi (#mola) spielten eine wichtige Rolle. Dabei greifen die Zuschauer nicht nur den Fernsehinhalt auf, sondern spinnen die Erzählungen kreativ weiter. Dies zeigen vor allem die Hashtags: Je nach Ereignis wird Dschungel-Kandidatin Larissa auch mit den Hashtags #lapissa, #blarissa oder #queenlarissa bezeichnet und Winfried Glatzeder nach seinem Wutausbruch mit dem Hashtag #wutfried.

Schnelle Reaktionen auf den Sendungsinhalt

Die Entwicklung des Tweetvolumens zu den Kandidaten steht in engem Zusammenhang mit den Ereignissen der Sendung (siehe Grafik 1).  Ein Beispiel verdeutlicht dies: 2014 gewinnt die Diskussion zu Michael Wendler nahezu unvermittelt an Dynamik, als dieser seine Teilnahme an der Sendung abbricht (20.1.) und anschließend zurück ins Camp ziehen möchte (21.1.). Ebenso schnell verliert das Thema allerdings wieder an Bedeutung (22.1.). Das bedeutet: Treten spektakuläre Szenen in der Sendung auf, reagieren die Zuschauer auf Twitter unmittelbar, allerdings verlieren sie schon nach kurzer Zeit wieder das Interesse.

Die Bedeutung des Sendungsinhalts für die Twitterdiskussion zeigt sich auch in zeitlicher Hinsicht (siehe Grafik 2): Der überwiegende Teil der Tweets zur Sendung wird während der Ausstrahlung abgesetzt, An- und Abstiege des Tweetvolumens vor und nach der Sendung sind sehr steil.

Lästern gehört dazu, aber Shitstorms bestimmen nicht den Social-TV-Buzz

Ein plötzlicher Anstieg des Gesprächsvolumens in Social Media wird häufig durch die Eigendynamik der Community erklärt. Häufiges Beispiel sind Shitstorms, bei denen sich in hoher Dynamik immer mehr Leute sichtbar über eine Person auslassen. Auch in der Kommunikation zum Dschungelcamp spielen abfällige Kommentare eine wichtige Rolle. Immerhin rund 5 Prozent aller Tweets beinhalten einen Fäkalausdruck, in 7 Prozent finden sich sexuelle Ausdrücke. Das Lästern über die Protagonisten ist also fester Bestandteil der Twitterkommunikation. Hier zeigen sich leider auch die Schattenseiten von Social TV - im Schutze der Anonymität sind anscheinend einige Zuschauer bereit grundsätzliche Grenzen zu überschreiten.

Allerdings zeigt sich, dass der Fäkalsprache-Anteil in den Tweets nicht mit der Dynamik des Tweetvolumens einhergeht. Auch das verdeutlicht ein Beispiel aus 2014: Der Anteil an Tweets mit Fäkalsprache steigt zwar rund um den Höhepunkt der Twitter-Diskussion zu #mola (23.01.), als am 27.01. aber erneut viele Tweets mit Fäkalsprache auftauchen, folgt kein vergleichbarer Anstieg des Buzz (siehe Grafik 3).

 Die Basis bestimmt das Tweetvolumen - Medien kommen zu spät

Zentrale Meinungsführer finden sich unter den Autoren kaum - im Schnitt haben die Twitterer eine sehr ähnliche Zahl an Followern. Auch die Twitterkanäle von Medienanbietern geben nicht den Ton an, sondern laufen eher der nutzergetriebenen Diskussion hinterher. So verpassen Medienanbieter meist den Höhepunkt eines themenbezogenen Austauschs. Die Tweets von Zeitungen oder TV-Sendern finden sich also nicht zu Beginn oder im Anstieg einer Themenkarriere sondern nachgelagert im Abschwung eines Themas - sie kommen zu spät.

Ausblick: Was bringt der Dschungel 2015

Was erwartet uns also in den kommenden zwei Wochen? Die Ergebnisse aus 2014 zeigen, dass vor allem die schnelle Reaktion der Nutzerbasis auf brisante Ereignisse der Sendung die Kommunikation treibt. Auch wenn wir also vermutlich einen neuen Rekord an Tweets und Autoren feststellen können, wird sich daraus wohl keine starke Eigendynamik - etwa ein Shitstorm über mehrere Tage - entwickeln. Den Twitterkanälen von Medienanbietern wird es nur gelingen eine wichtigere Rolle zu spielen, wenn sie schneller in die Diskussionen einsteigen.

Wir erwarten, dass sich die Tweets wieder hauptsächlich um die 15 Kandidaten drehen - stark orientiert an der Inszenierung und Dramaturgie der TV-Sendung. Hier ist der Einfluss, den RTL und die Produzenten auf die Kommunikation haben, besonders groß. Welcher der Teilnehmer dabei den meisten Buzz erzeugen wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Ein Blick auf die Tweets der letzten sechs Tage (#ibes; 9.1. bis 15.1.) zeigt noch keinen Favoriten. Die größte Beachtung fand aber bislang die vormalige "Bachelor"-Kandidatin Angelina Heger (#angelinaheger).

Autoren: Lena Hautzer ist Masterabsolventin am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung Hannover. Ihre Interessen liegen in den Bereichen Big Data, Social TV, digitale Geschäftsmodelle und strategische Online-Kommunikation.

Sven-Uwe Janietz ist Gründer und Data Scientist bei der ferret go GmbH in Berlin. Er ist Experte für Datenaggregation und Text Mining Algorithmen.

Daniel Possler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung Hannover. Er beschäftigt sich unter anderem mit automatisierter Textanalyse und der Auswertung umfangreicher Datensätze.

Methodik: Für die angegebene Studie wurden alle Tweets mit dem Hahstag #ibes zum Dschungelcamp 2014 im Zeitraum von 17.01. bis 02.02.2014 per Twitter API gesammelt und analysiert. Anschließend wurden die 301.553 Tweets mit einer automatisierten Inhaltsanalyse computerlinguistisch ausgewertet. Die Social-TV Studie ist ein Kooperationsprojekt des Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der HMTM Hannover und der ferret go GmbH, einem Spezialisten für digitale Media-Research auf Basis von computerlinguistischer Analyse, Text Mining und Medienanalyse.

 

Ihre Kommentare
Kopf

Matthias

15.01.2015
!

Leider beruhen alle Mediacom Social TV Studien auf den Daten von Twitter Mentions und den paar öffentlichen FB Post. Da dies weder der querschnitt der TV Zuschauer noch der deutschen Social Media Nutzer darstellt, kann hier nur von einer "buzzword studie" gesprochen werden, wohl kaum aber von von einer relevanten Studie zu Social TV...


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