BR setzt 2015 Digital-Akzente: Christian-Ulmen-Serie "Mann/Frau" wird fortgesetzt

 

Ein neuer München-"Tatort", der auf dem Oktoberfest spielt, der Franken-"Tatort" nach Ostern sowie ein weiterer Matthias-Brandt-"Polizeiruf 110": Der BR bietet bei seinen Filmen 2015 viel Erwartbares, davon aber weniger - und mit "Der blinde Fleck" politisch Brisantes. TV-Direktorin Bettina Reitz setzt aber auch auf Multimedia-Projekte - und verlängert die Christian-Ulmen-Serie "Mann/Frau".

Ein neuer München-"Tatort", der auf dem Oktoberfest spielt, der Franken-"Tatort" nach Ostern sowie ein weiterer Matthias-Brandt-"Polizeiruf 110": Der BR bietet bei seinen Filmen 2015 viel Erwartbares, davon aber weniger - und mit "Der blinde Fleck" politisch Brisantes. TV-Direktorin Bettina Reitz setzt aber auch auf Multimedia-Projekte - und verlängert die Christian-Ulmen-Serie "Mann/Frau".

Eine weitere Staffel soll es für die Webfirst-Serie geben, die eine allerdings Berliner Großstadtsingle-Beziehungskiste von zwei Seiten her öffnet. Idee und Regie dafür stammen vom Geschwisterpaar Jana und Johann Buchholz. Christian Ulmen produziert, spielt selbst mit (kress.de berichtete) - an der Seite von Collien Ulmen-Fernandez und Friedrich "EdekaLiechtenstein. Wann die Serie im Netz, später im BR-Programm startet ist noch offen. 2014 ging's nach der Sommerpause los. 

Intensives trimediales Miteinander beim Sender

Als eine "Umbruchszeit" beschrieb Fernsehdirektorin Bettina Reitz die Medienlandschaft, die sich auf öffentlich-rechtlicher Seite immer öfter in der Kritik sieht. "Wir haben den trimedialen Prozess", sagte sie über die verstärkte Zusammenarbeit von TV, Online und Radio beim BR. "Wir arbeiten viel intensiver miteinander."

Somit gewinnen die digitalen Verbreitungswege - auch für die vielen neuen Fernsehfime, Dokus und BR-Serien (weitere Staffeln für "Hubert und Staller", "München 7", "Im Schleudergang" etc. stehen bereit) - eine immer wichtiger Bedeutung. Anklingen ließ Reitz bei der Vorstellung der BR-Highlights 2015 in München, dass man durchaus überlege, welchen Stellenwert die festen Sendeplätze in Zeiten von Mediatheken und der Online-Ausstrahlung noch haben werden. 

"VoD-Rechte für den Kontakt mit unseren jungen Zuschauern"

"Wir brauchen über die VoD-Rechte den Kontakt mit unseren jungen Zuschauern", sagte sie. Damit warb sie gegenüber den Produzenten, die häufig vermehrt selbst Online-Rechte halten wollen, um Verständnis - signalisierte aber auch Gesprächsbereitschaft. 

Nach ersten Testläufen mit einer verstärkten Online-Einbettung des "Landauer"-Spielfilms im vergangenen Herbst, intensiviert der BR für 2015 die Multimedia-Bemühungen: Vorzeigeprojekt ist "Das Oktoberfest-Atttentat. Spurensuche" zur Ausstrahlung des Daniel-Harich-Films "Der blinde Fleck" am 4. Februar.

Im Fernsehfilm wird die hartnäckige Recherchearbeit des realen BR-Journalisten Ulrich Chaussy (gespielt von Benno Führmann) thematisiert, der nicht an die in München seit 1980 gültige Einzeltäter-Theorie für den grausamen Anschlag auf das Traditionsfest glaubte und glaubt. Aktuell wird das Verfahren wieder aufgerollt. 

Online in den Oktoberfest-Akten mitrecherchieren

Von einem Thema, das eine erschreckende, aber sehr wichtige Aktualität erlangt hat, sprach Bettina Reitz. Deswegen gibt es zu "Der blinde Fleck" nicht nur eine aktuelle Dokumentation, sondern eben auch umfangreiches Multimedia-Material. "Die Zuschauer können in Ulrichs Chaussys Akten blättern und selbst recherchieren", kündigte Bettina Ricklefs, BR-Verantwortliche für Spiel-Film-Serie, an.

Auf den Spuren der eigenen Internet-Fußabdrücke

In Zusammenarbeit mit Arte France und dem kanadischen Film-Board NFB entstand zudem mit Do Not Track ein interaktives Projekt über die Folgen des Internet-Trackings, bei dem alle Nutzer selbst nachprüfen können, wie ihre persönlichen Daten weltweit für kommerzielle Zwecke genutzt werden können.

Das Projekt, das ebenfalls voraussichtlich ab Februar zu sehen und auszuprobieren sein wird, mündet in einer 30-minütigen Doku, die im Web und im Fernsehen ausgestrahlt werden soll. BR-Hausdigitalzauberer Richard Gutjahr darf dabei nicht fehlen.

Droht eine neue Dialekt-Debatte in Franken?

Ganz analoge Aufregung dürfte - weit über das BR-Sendegebiet hinaus - natürlich der erste Franken-"Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden" (Regie: Max Färberböck, Hager Moss Film) machen. "Wir wissen, dass uns eine gewisse Oberbayernlastigkeit immer wieder vorgeworfen wurde", sagte Bettina Reitz dazu. Nun gleicht also kriminalistische Gerechtigkeit aus.

Von der Resonanz, die allein die Diskussion über den Einsatzort des fränkischen "Tatort"-Kommissariat auslöste und wie aufmerksam die Dreharbeiten vor Ort verfolgt wurden, zeigte man sich beim BR rückblickend noch immer erstaunt. "Das war ein Ausnahmezustand in Franken", so Reitz scherzhaft. "Eine Tsunami-Welle, die uns völlig überrollt hat."

Bleibt abzuwarten, ob dem Film eine neue Dialekt-Diskussion erspart bleibt. Bei der Vorstellung kurzer Trailer-Szenen war lediglich beim fiktionalen Pathologen (gespielt vom letztlich für Frank-Markus Barwasser nachbesetzten Kabarettist Matthias Egersdörfer) eine markant fränkische Sprachfärbung herauszuhören.

Zuletzt zogen die ZDF-Kollegen auf regionaler Ebene viel Kritik auf sich, weil im Dreiteiler "Tannbach" an der einstigen Zonengrenze mehrheitlich oberbairisch gesprochen wurde.

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