Dschungelgezwitscher 2015: Die Social-TV-Bilanz zu #ibes

03.02.2015
 
 

2015 wird nicht als Erfolgsjahr in die Geschichte von "Ich bin ein Star - Holt mich hier Raus!" eingehen. RTL musste nicht nur heftige Kritiken, sondern auch einen deutlich geringeren Zuschaueranteil verbuchen. Wie aber kam die aktuelle Staffel auf Twitter an? Immerhin hatte das Dschungelcamp im vergangenen Jahr sämtliche Social-TV-Rekorde in Deutschland gebrochen.

2015 wird nicht als Erfolgsjahr in die Geschichte von "Ich bin ein Star - Holt mich hier Raus!" eingehen. RTL musste nicht nur heftige Kritiken, sondern auch einen deutlich geringeren Zuschaueranteil verbuchen. Allein das Finale vergangenen Samstag sahen rund 1,5 Millionen Zuschauer weniger als noch 2014 (2015: 7,43 Mio.; 2014: 8,93 Mio.). Wie aber kam die aktuelle Staffel auf Twitter an? Immerhin hatte das Dschungelcamp im vergangenen Jahr sämtliche Social-TV-Rekorde in Deutschland gebrochen. Der Vergleich der Twitter-Diskussion zur Staffel 2014 und 2015 zeigt: Auch hier schwächelte das Format.

Vielversprechender Start, rapide abnehmendes Interesse im Staffelverlauf

Insgesamt wurden über 345.000 deutschsprachige Tweets mit dem Hashtag #ibes gepostet - immerhin leicht mehr als im vergangenen Jahr. Vor Beginn der Staffel hatten wir einen deutlich stärkeren Anstieg der Tweets erwartet. Tatsächlich erreichte der Einzug ins Camp auch 2015 neue Rekordwerte: 91.115 Tweets wurden am ersten und zweiten Sendungstag öffentlich verfasst, 2014 ließen sich im gleichen Zeitraum nur 56.473 Twitter-Kommentare feststellen. Doch der vielversprechende Start versandete, das Interesse an der Sendung nahm im Verlauf deutlich ab: Bis zum Staffelende konnten wir täglich nur durchschnittlich 17.000 Tweets zählen. 2014 blieben hingegen wesentlich mehr Zuschauer auch online dabei. Analog dazu sank dieses Jahr auch die Zahl der Twitter-Autoren im Staffelverlauf deutlicher als 2014. Während am ersten Tag noch 11.000 unterschiedliche Nutzer Tweets zur Sendung posteten, waren es in den nachfolgenden Tagen im Schnitt nur rund 4800 User (17.01. bis 01.02.15).

Social-TV-Buzz dynamischer als TV-Quote

Das tendenziell sinkende Interesse am Dschungelcamp spiegelt auch die TV-Quote in der Zielgruppe der 14-bis-49-Jährigen wider - hier lassen sich Parallelen zwischen Social-TV-Buzz und TV-Quote erkennen. Allerdings entwickelt sich die Anzahl der Posts deutlich flexibler als die Quote. Insbesondere der starke Abfall des Twitter-Volumens nach der ersten Sendung ist bei den Zuschauerzahlen nicht erkennbar. Eine mögliche Ursache: Die erste Ausgabe der Staffel ist für Twitter-User besonders interessant. Bereits 2014 wurden zur Premiere die zweitmeisten Tweets im gesamten Staffelverlauf verfasst. Auch der Rezeptionsmodus dürfte eine Rolle spielen. So mag der als mangelhaft kritisierte Unterhaltungswert der aktuellen Staffel genügen, um Zuschauer passiv zu berieseln. Der Unterhaltungswert reicht jedoch nicht, um deutlich mehr Zuschauer zu aktiven Twitter-Nutzern zu konvertieren. Fazit: Das Dschungelcamp hatte 2015 ein höheres Social-TV-Potential als 2014, konnte dafür jedoch nicht die passenden Inhalte liefern.

2015: Weniger Fäkalsprache, weniger Sexuelles

Wo liegen die Unterschiede in der Twitterkommunikation zu 2014? Inhaltliche Unterschiede finden sich beispielsweise im Anteil sexueller Sprache und im Anteil an Fäkalausdrücken in den Twitterdiskussionen. 2014 noch zentraler Bestandteil im Dschungelcamp-Austausch auf Twitter, sind beide Ausdrucksformen im Anteil stark gesunken. War 2014 in etwa 5 Prozent aller Tweets Fäkalsprache zu finden, sind es 2015 nur noch etwa 3 Prozent. Analog verhält sich der Anteil an Tweets mit sexualisierter Sprache: Von 7 Prozent 2014, bleiben 2015 nur noch 5 Prozent. Das heißt: Rund um die aktuelle Dschungelcamp-Staffel wurde deutlich weniger gelästert. Abfällige Kommentare spielten eine untergeordnete Rolle. Die Sendung scheint schlicht deutlich weniger zu polarisieren. Hinzukam, dass es dieses Jahr wohl weniger sexualisierte Sendungsinhalte gab, die die Twitter-Nutzer hätten diskutieren können.

Die Kandidaten waren unwichtiger

Auch der Themenschwerpunkt der Twitter-Diskussion hat sich verschoben. 2014 standen vor allem die Kandidaten im Fokus - meist 'geadelt' durch einen eigenen Hashtag. 2015 wurden die Protagonisten des Camps hingegen nur halb so oft mit eigenem Hashtag markiert. Nur der Austausch zu Walter Freiwald unter #walter generierte mehr als 5.000 Tweets. 2014 erzielte der Hashtag zu Larissa Marolt (#larissa) hingegen über 20.000 Tweets in der Dschungelcamp-Diskussion.

Fazit: Das Dschungelcamp 2015 auf Twitter

Insgesamt bot das Dschungelcamp 2015 großes Social-TV-Potential, jedoch gelang es nicht, die Nutzer nachhaltig zu motivieren. Die Tweetzahl brach ein - deutlich stärker noch als die Quote. Dabei spielen offenbar die wenig polarisierenden Akteure eine entscheidende Rolle. Wie stark das Interesse an den Akteuren den Social-TV-Buzz steuert, verdeutlicht der Vergleich von Social-TV-Volumen zu den verschiedenen Akteuren mit den Ergebnissen des offiziellen RTL-Telefonvotings: Steigt das Voting-Ergebnis für einen Kandidaten, so steigt auch die Anzahl an Tweets zum Kandidaten-Hashtag. Zum einen zeigt sich das Interesse der Zuschauer an den verschiedenen Kandidaten also im Anruf als auch in den Tweets. Zum anderen zeigen die Daten erneut die Abhängigkeit von Social TV vom Fernsehinhalt. Wird ein Akteur durch das Telefon-Voting im Fernsehen hervorgehoben, reagiert die Twitter-Community mit verstärktem Buzz.

Es bleibt abzuwarten, ob das Dschungelcamp im kommenden Jahr sein hohes Twitter-Potential einzulösen vermag. Gelingt es polarisierende Kandidaten geschickt zu inszenieren, sind neue Social TV-Rekorde zu erwarten.

Autoren: Daniel Possler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung Hannover. Er beschäftigt sich unter anderem mit automatisierter Textanalyse und der Auswertung umfangreicher Datensätze.

Lena Hautzer ist Masterabsolventin am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung Hannover. Ihre Interessen liegen in den Bereichen Big Data, Social TV, digitale Geschäftsmodelle und strategische Online-Kommunikation.

Sven-Uwe Janietz ist Gründer und Data Scientist bei der ferret go GmbH in Berlin. Er ist Experte für Datenaggregation und Text Mining Algorithmen.

Methodik: Für die angegebene Studie wurden alle deutschsprachigen Tweets mit dem Hahstag #ibes zum Dschungelcamp 2015 im Zeitraum von 16.01. bis 01.02.20145 per Twitter API gesammelt. Anschließend wurden die 348.207 Tweets mit einer automatisierten Inhaltsanalyse computerlinguistisch ausgewertet. Die Social-TV Studie ist ein Kooperationsprojekt des Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der HMTM Hannover und der ferret go GmbH, einem Spezialisten für digitale Media-Research auf Basis von computerlinguistischer Analyse, Text Mining und Medienanalyse.

 

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