Thesen zur Zukunft des Journalismus von Edition F: "Die Reichweite ist tot"

05.02.2015
 

Susann Hoffmann, Mit-Gründerin des Business-Frauen-Portals Edition F, schaltet sich mit einem Beitrag in die Diskussion um die Zukunft des Journalismus ein. Hoffmann hat dazu ein halbes Dutzend Thesen verfasst. U.a. nimmt sie an: "Leser werden Nutzer. Und Programmdirektoren.", "Social Media ist die neue Home." und

Susann Hoffmann, Mit-Gründerin des Business-Frauen-Portals Edition F, schaltet sich mit einem Beitrag in die Diskussion um die Zukunft des Journalismus ein. Hoffmann hat dazu ein halbes Dutzend Thesen verfasst. 

Leidenschaft und Unabhängigkeit sind für die 32-jährige Unternehmerin entscheidende Punkte: "Wer lässt sich nicht gern mitreißen - von der Leidenschaft, die jemand für das empfindet, was er oder sie tut? Und Leidenschaft ist es auch, die viele neue Ideen entstehen lässt: oft aus einer persönlichen Erfahrung heraus. Weil man selbst zur Zielgruppe gehört oder weil ein Bedürfnis nicht abgedeckt wird." Daher ist es für Hoffmann keine Überraschung, dass auch immer mehr Journalisten selbst gründen, eigene Medien und neue Formate entwickeln - egal, ob Krautreporter, das Block Magazin oder internationale Unternehmen wie Ozy und My Little Paris - oder eben Edition F. Und das verlagsunabhängig: "Weil es um persönliche Ideen geht, um Themen, um Zielgruppen - um eine Lücke im Markt - und den Wunsch, diese mit relevanten Inhalten zu füllen."

"Content ist und bleibt King" und "Journalisten werden Marken", heißt es in Hoffmanns Thesen-Liste weiter. Sie fragt: "Wer kann ad hoc schon seine drei Lieblingsjournalisten nennen, an deren Meinung man sich reibt oder unvoreingenommen zustimmt, über deren Texte man gern lacht oder deren Hintergründe immer neues Wissen vermitteln?" Im Ausland seien Journalisten Menschenmarken - Leser wüssten, wofür jemand steht und es gebe die Chance, Debatten entstehen zu lassen. Inhalte werden nach Meinung von Hoffmann so authentischer und Journalismus auch fern des reinen Nachrichtenwerts erlebbar. Daraus folgert sie: "Journalisten sind zentral, aber sie haben nicht mehr das Meinungsmonopol für sich gepachtet."

"Leser werden Nutzer. Und Programmdirektoren", heißt eine weitere Annahme von Susann Hoffmann. Leser interagierten mit den Angeboten und konsumierten nicht mehr nur. Deshalb sollte man sie umso ernster nehmen: "vor allem ihre Bedürfnisse. Und Medien erschaffen, die sich an diesen orientierten. Ein Beispiel dafür sei Politico

Weil das Konzept der klassischen Startseite in Gefahr sei und "Social Media die neue Home ist", also die Nutzer über GoogleFacebook und über Newsletter zu Artikeln gelangen, sieht Hoffmann die hohe Kunst darin, "Nutzern dennoch eine Idee vom Gesamtkonzept und den weiteren Angeboten zu geben und zu halten".

Die sechste und letzte These lautet: "Die Reichweite ist tot". Hoffmann: "Die klassische Reichweite stirbt. Die Preise für Banner, CPCs und andere Onlinewerbung sinken. Nutzer fühlen sich gestört von blinkenden Produkten, die sie drei Minuten vorher noch bei Amazon gekauft haben und die Werbekunden merken, dass die Markenbindung in Massenmedien weit weniger stattfindet als gewünscht. Die neue digitale Währung: der Mehrwert. Für Nutzer und für Kunden. Was auch zu einer längeren Verweildauer führen wird. Also keine Angst vor "Native Advertising" - denn wo Mehrwert und spannende Geschichten, auch bei gesponsorten Inhalten, geboten werden, wird das honoriert. Transparenz muss natürlich sein. Aber letztlich geht es für Kunden - egal ob Werbekunden, Arbeitgeber oder Marken - immer mehr darum, die passende Zielgruppe erreichen. Direkt. Mit den richtigen Inhalten, Angeboten und Botschaften."

Ihre Kommentare
Kopf
Tobias Loitsch

Tobias Loitsch

flexhelp / NeuInstitut für Technologie und Gesellschaft
CEO

06.02.2015
!

Grundsätzlich kann ich diese Entwicklung bestätigen. Ich sehe den Trend zukünftig besonders in Richtung spannender thematischer Nischen. Da gibt es noch viel Potenzial und unbesetzte Felder besonders für Gründer im journalistischen Bereich. Die etablieren "Großen" Medien sind wie große Parteien die so viele Leser/Wähler erreichen wollen. Dabei wird das Potenzial von Nischen noch kaum genutzt.


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