Böhmermanns "Neo Magazin Royale" im Check: Der schmale Mann und das große Studio

 

Am Donnerstagabend meldete sich Jan Böhmermann nicht nur im "Zweiten deutschen Internet" und aus der ZDFneo-Nische, sondern aus einem neuen Studio zurück - weil man ihn freitags mit dem "Neo Magazin Royale" jetzt endlich auch aufs ZDF-Hauptpublikum loslässt. Allerdings: "Wir senden so spät, dass wir schon als Samstagmorgenmagazin durchgehen", scherzte er beim neuen Anlauf nach der Winterpause.

Am Donnerstagabend meldete sich Jan Böhmermann nicht nur im "Zweiten deutschen Internet" und aus der ZDFneo-Nische, sondern aus einem neuen Studio zurück - weil man ihn freitags mit dem "Neo Magazin Royale" (zur Mediathek) jetzt endlich auch aufs ZDF-Hauptpublikum loslässt. Allerdings: "Wir senden so spät, dass wir schon als Samstagmorgenmagazin durchgehen", scherzte er beim neuen Anlauf nach der Winterpause.

Mit den Sticheleien auf vermeintlich oder tatsächlich hasenfüßige ZDF-Verantwortliche sparte er auch in der ersten neuen Ausgabe in der "Royale"-Fassung nicht, die wenig kalorienhaltiger, aber auch nicht wirklich schmieriger daherkam als das Kellerzimmer-Original, wie man es bislang liebte.

So stellt Böhmermann die Auftaktsendung demonstrativ unter den Hashtag #zdfiscool, machte sich witzelnd über die Hauptprogramm-Heroen Markus Lanz und Kerner lustig und benannte seinen bisherigen molligen Sidekick William kurzerhand in "Johannes B." Cohn um. 

Schöner, blankpolierter Show-Fußboden

Vor allem der ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler dürfte die Spitze gespürt haben, als Böhmermann mehrfach den glänzenden neuen Show-Fußboden bewunderte. Damit nahm er augenzwinkernd Bezug auf ein Zitat, das die "dwdl"-Kollegen von Himmler eingefangen hatten. Dort sagte er: "Ja, der Herr Böhmermann. Wenn er ein Shiny Floor-Format um 20:15 Uhr bekäme, würde er wahrscheinlich die ganze Sendezeit über nur auf dem Boden knien und sein Spiegelbild betrachten." 

Die Ehre, Himmler namentlich zu erwähnten, gönnte der ZDF-Mitternachtsmoderator seinem Chef nicht, dafür band er lieber gleich den ZDF-Intendanten Thomas Bellut in die Sendung ein. Prominent auf dem Show-Schreibtisch platziert fand sich eine gelborange Baustellen-Warnleuchte. Die sollte angeblich immer dann aufleuchten, wenn sich der ZDF-Grande tatsächlich mal in die Sendung zuschalten sollte. Das Licht blieb dunkel. "Sollen wir jetzt warten, bis er zuschaut", rätselte Böhmermann. 

Vieles bleibt brillant, das Neue überzeugt noch nicht

Gut möglich, dass Bellut wohl gar nicht so viel verpasste: Allzu viel hat sich am "Royale"-Magazin gegenüber dem bisherigen "Neo Magazin" nicht geändert. Und das ist eine sehr gute Nachricht. Böhmermann teilt aus wie immer und füttert die Klatsch-Verfressenen der Medienszene an. Nachteil: Was bislang selten gelang, klappt auch im neuen Setting nicht: Das "Studiogespräch" mit Porky und Philipp von Deichkind war eine läppische Farce. 

Hinzu kommt verschlimmernd: Im jetzt tatsächlich deutlich größeren Studio - samt Bühnen-Vorhang ("Für den Fall, dass ich nicht mehr kann, steht dahinter Walter Freiwald") - wirkt Böhmermann ungewohnt verloren. Weil er "Neo Magazin Royale" ja als Late-Night-Show versteht und Harald Schmidt immer noch bewundert, darf dabei auch eine Stand-up-Witzbegrüßung nicht fehlen. Selten sah Böhmermann schlanker und einsamer aus. Und auch die Gags (über Microsoft-Kondome und vegetarisches Köttbullar) zogen nicht. 

Was genau hat Dendemanns Band im Studio verloren?

Auch mit der neuen Studioband - angeführt von Rapper Dendemann - konnte Böhmermann zumindest in der ersten neuen Ausgabe noch nichts anfangen. Dafür vermisste man die schlagfertigen Wortwechsel mit Bass-Titan Cohn, der diesmal sträflich vernachlässigt wurde. 

Kein Wunder, dass vieles ungewohnt kühl und hölzern wirkte, hat sich das neue Konzept doch erkennbar noch nicht eingespielt. Selbst Routinier Böhmermann wirkt gelegentlich so, als wüssste er noch nicht, wo die Kamera steht. Einige der Schwenks wirkten - unironisch - unbeholfen. Und den wie üblich sehenswert respektlosen Bildundtonfabrik-Porträt-Einspieler zu Deichkind hätte man fast vergessen.

Bei Intendant Thomas Bellut geht die Warnleuchte an

Erst im Abspann leuchte die Intendanten-Warnlampe doch noch auf und gezeigt wurde tatsächlich eine Bellut-Figur am Schreibtisch. "Wegen so was machen die so einen Presserummel? Verstehe ich nicht", fragte Bellut sich.

Böhmermann weiß, wie man Wirbel inszeniert. Seine "Royale"-Show wird er sicher schnell besser machen.

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