Nachrichtenverbreitung in Social Media: Facebooks Marktanteil steigt auf über 90%

09.02.2015
 

Forscher der TU Darmstadt und der TU Dresden untersuchen in einer Langzeitstudie die Nachrichtenverbreitung in Social Media. Nun teilten die Wissenschaftler mit, dass sich die Zahl der Nachrichten-Empfehlungen gegenüber 2013 mehr als verdoppelt hat. Twitter hat bei der Nachrichtenweitergabe weiter an Boden verloren, während Facebook seinen Marktanteil ausbauen konnte.

Forscher der TU Darmstadt und der TU Dresden untersuchen in einer Langzeitstudie die Nachrichtenverbreitung in Social Media. Nun teilten die Wissenschaftler mit, dass sich die Zahl der Nachrichten-Empfehlungen gegenüber 2013 mehr als verdoppelt hat. Rund 83 Mio Mal (2013: knapp 40 Mio Mal) reichten Nutzer Artikel weiter. Die beliebteste Quelle war mit 19,3 Mio Empfehlungen "Bild.de", das die Konkurrenz von "Spiegel Online" (17 Mio Empfehlungen) damit von Platz 1 verdrängte. Es folgen "Zeit.de" (8,7 Mio), "Focus Online" (8,1 Mio) und "Welt.de" (7,6 Mio). Zum ersten Mal schaffte es auch die Special-Interest-Seite "Sport1.de" (2,2 Mio) unter die zehn bestplatzierten Internet-Medien.

"Wie schon im Vorjahr haben wir für die zehn beliebtesten Internet-Medien eine Zunahme in der absoluten Zahl der Empfehlungen beobachtet", sagt Benjamin Schiller, Mitarbeiter an der Professur Datenschutz und Datensicherheit der TU Dresden.

Obwohl "Spiegel Online" seinen Spitzenplatz einbüßte, ist die Seite in der Ressortauswertung bei drei von fünf Kategorien weiter vorn: Geht es um Nachrichten aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, verbreiten Nutzerinnen und Nutzer am liebsten Meldungen von "Spiegel Online". "Bild.de" ist führend im Bereich Sport, im Ressort Technik behauptete "Heise.de" seine Marktführerschaft aus dem Vorjahr.

"Monopol für Facebook bei der Nachrichtenweitergabe"

Für die Studie berücksichtigten die Forscher im Jahr 2014 Artikel aus den beliebtesten 15 Internet-Seiten, etwa 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Leser gaben diese 476.000 Beiträge 75,4 Mio Mal über Likes auf Facebook weiter, 5,7 Millionen Mal über Tweets auf Twitter und 1,9 Millionen Mal über One ups auf Google+. Dabei setzten sich grundsätzliche Trends fort, die sich bereits seit 2012 in der Studie abzeichnen: "Twitter hat bei der Nachrichtenweitergabe an Boden verloren, während Facebook seinen Marktanteil ausbauen konnte", so Professor Thorsten Strufe von der Fakultät Informatik der TU Dresden. Rund 91 Prozent der empfohlenen Nachrichten wurden über Facebook weitergereicht (2013: 84,8 Prozent), nur noch 6,9 Prozent über Twitter (2013: 12,4 Prozent) und beinahe konstante 2,6 Prozent über Google+ (2013: 2,8 Prozent). "Diese Entwicklung könnte zu einem Monopol für Facebook bei der Nachrichtenweitergabe in Sozialen Netzen führen", sagt Professor Oliver Hinz, Fachgebietsleiter im Bereich Electronic Markets an der TU Darmstadt.

"Wir erwarten, dass Google+ Twitter angreift"

Je nach Thema haben die Nutzer nicht nur ihre Lieblingsquellen für Nachrichten, die sie teilen, sondern auch starke Vorlieben für die gewählte Social-Media-Plattform, über die sie dies tun. Google+ wird mehr und mehr die Plattform der Wahl bei technikaffinen Nutzerinnen und Nutzern, stellten die Forscher in ihrer Studie fest. Twitter verliert hier weiter an Boden: "Wir erwarten, dass Google+ Twitter mit seiner Funktionalität und Zielgruppe angreift", sagt Oliver Hinz, Fachgebietsleiter im Bereich Electronic Markets an der TU Darmstadt. Unter den am meisten über Facebook geteilten Berichten fanden sich vergleichsweise viele über Gewalttaten und Verbrechen; politische Themen liefen verstärkt über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Hintergrund: Die kontinuierliche Datensammlung zur Studie "Development of the Social Network Usage in Germany since 2012" begann Anfang 2012. Den Forschern der TU Darmstadt und der TU Dresden geht es vor allem darum, verlässliche Zahlen für die Nutzung der Sozialen Netzwerke zu gewinnen. Die reinen Nutzer-Statistiken seien wenig aussagekräftig, da viele User beispielsweise mehrere Accounts anlegten. Die wirkliche Nutzungs-Aktivität, die sich zum Beispiel am Teilen von Nachrichtenartikeln festmachen lasse, sei dagegen verlässlicher, so Oliver Hinz.

Ihre Kommentare
Kopf
Carsten Haueis

Carsten Haueis

PROC-Guerilla
Inhaber

10.02.2015
!

Ein sehr spannender Artikel über die "Macht" von Facebook. Vor allem interessant aufgrund der Diskussion, Facebook würde langsam sterben! Scheinbar ist das soziale Netzwerk immer noch ein wertvolles Tool, um Botschaften zu transportieren. Ebenfalls sehe ich persönlich der Entwicklung von Google+ gespannt entgegen. Liegt dieses Netzwerk scheinbar noch immer im Dornröschenschlaf.

Eines ist aber deutlich für mich: Facebook ist auch kein Allheilmittel und ebenso kein absolutes Muss für alle KMUs.


Markus Lochmann

10.02.2015
!

Ich finde die Methode der Studie ziemlich fragwürdig - schließlich teilen Twitter-User oft Primärquellen per RT - und eben nicht Artikel von Webseiten. Ich denke, die Annahme, man erhielte News primär von den 15 größten Websites ist mittlerweile überholt. Für mich die einzige Erkenntnis: Bild- und Spiegel-Leser nutzen Facebook. Masse nutzt Massenprodukt. Aber wie mein Kommunikationswissenschaftsprofessor Maletzke es einst unsterblich ausdrückte: Auch Trivialitäten müssen ausgesprochen werden.


Markus Jähnig

10.02.2015
!

Die Studie berücksichtigt meines Erachtens nicht den Einmaleffekt der WM 2014. Wenn BILD führend bei den geteilten Beiträgen ist und dies vorwiegend beim Thema Sport, dann erklärt allein der WM-Titel, dass sich die Zahl der Nachrichten-Empfehlungen auf sozialen Netzwerken gegenüber 2013 verdoppelt (!) hat.


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