"The Flash" und "Gotham" im kress-Check: Proto-Fledermäuse und feurige Flitzer

 

Superheldenfans haben oft Superheißhunger. Gut möglich, dass am Dienstagabend die Kartoffelchipstheken in heimischen Supermärkten noch superschnell leergefuttert werden. ProSieben hofft gleich mit zwei Free-TV-Serienpremieren auf Sofahock-Superausdauer. "The Flash" dürfte die jungen Hibbeligen mitreißen, die auch schon "Arrow" mochten.

Superheldenfans haben oft Superheißhunger. Gut möglich, dass am Dienstagabend die Kartoffelchipstheken in heimischen Supermärkten noch superschnell leergefuttert werden. ProSieben hofft gleich mit zwei Free-TV-Serienpremieren auf Sofahock-Superausdauer. "The Flash" dürfte die jungen Hibbeligen mitreißen, die auch schon "Arrow" mochten. Die "Batman"-Frühgeschichte "Gotham" macht es selbst treuen Traditionalisten nicht ganz leicht.

Vielleicht dürfte es ja auch kurzfristige Engpässe beim Stofftaschentücher-Nachschub geben. Denn wie in den oft grellbunt skizzierten dysfunktionalen Helden-Haushalten üblich, müssen erst einmal die Eltern grausam aus dem Leben scheiden, bevor die jungen Hoffnungsträger die Welt retten können. 

Als erstes müssen natürlich die Superhelden-Eltern daran glauben

Mit eiskalter Brutalität erschießt ein Maskenmann die Eltern von Bruce Wayne (David Mazouz) vor den Augen des kleinen Jungen. Natürlich ist der traumatisiert, als Batman kann er später einige Rechnungen begleichen. Das berühmte Fledermaus-Cap muss aber erstmal im Kostümfundus bleiben. Denn nicht davon erzählt die "Gotham"-Vorgeschichte, die ProSieben zunächst um 21:45 Uhr, später dann jeweils auf der 22:10-Uhr-Schiene anlaufen lässt.

Die von vielen Fans mit leidenschaftlicher Vorfreude erwartete Prequel-Geschichte verkneift sich den üblichen Der-Held-wächst-heran-Zeitsprung und bleibt im Sündenbabel Gotham City. Dort gibt es dann gar keine Superhelden, dafür aber Superschurken, diese allerdings auch noch ohne Superkräfte.

Altmodisch und rustikal: Verbrecherjagd im Sündenbabel

Außerdem dreht sich die Serie, die sich in ihrem teuer inszenierten, düsteren Gossen-Look nicht hinter den "Batman"-Kinofilmen verstecken muss, im Kern um einen jungen Ermittler, der den Eltern-Mord aufnimmt: Detective James Gordon (Ben McKenzie, "O.C. California") hat im späteren Helden-Universum eine Zukunft. Er beackert die Unterwelt von Gotham zusammen mit Harvey Bulllock (Donal Logue).

Zu tun bekommen es die beiden mit Jung-Formen der späteren Groß-Schurken, darunter Oswald Cobbleplot (Robin Lord Taylor), dem späteren "Pinguin". Lasziv und undurchsichtig schlängelt sich auch Fish Mooney durchs Bild - gespielt von Jada Pinkett Smith.

"Gotham" legt furios, optisch edel, blutig und angemessen ernst los, allerdings verheddern sich rasch einige Handlungsstränge. Und für die Super-Ungeduldigen passiert über kurz oder lang zu wenig. 

Ganz anders "The Flash", die Starkstrom-Serie, mit der ProSieben schon um 21:15 Uhr (ab Woche zwei jeweils um 21:10 Uhr) die Jüngeren einfangen möchte: Hier verliert Barry Allen (Grant Gustin), den die Aufmerksamen durch einen Mini-Auftritt in der zweiten "The Arrow"-Staffel bereits kennen dürften, zunächst standesgemäß seine Mutter. 

Rasant, aber auch unfreiwillig komisch: Barry, der Flitzer

Dann trifft auch ihn der Schlag. Aber natürlich nicht einfach so. "Der Blitz hat dich ausgesucht", verrät ihm später der Bogenschützen-Held, der sich ebenfalls in Central City herumtreibt. Barry fällt ins Koma und verändert sich in den handelsüblichen neun Monaten in einen neuen Menschen - einen superfixen Helden.

Und weil die Serie rasch vom Fleck kommen muss, dauert es auch nicht lange, bis er seine fantastische Supereigenschaft entdeckt: Der knackige junge Mann, der sich selbst bald völlig zurecht "The Flash" nennt, frisst Staub ohne zu murren. Er beschleunigt auf mehrere hundert Stundenkilometer aus dem Stand und kann so natürlich böse Buben schnell fangen. Gelegentlich wirkt das unfreiwillig komisch. Vor allem wenn man schon mal den Animations-Schneckenspaß "Turbo" gesehen hat.

Zwei Einstiege in die Comic-Welt - mit völlig konträrem Stil

Während "The Flash" also zum fantastischen Dienstagabend-Einstieg die aufgekratzte Schaulust derjenigen bedient, die auf der Wohnzimmer-Sitzlandschaft auch mal großzügig Popcornbrösel verteilen, kühlt "Gotham" die Stimmung danach rasch wieder runter.

Vorteil der zweiten Serie: Wer auf grelle Comic-Dramaturgie samt der üblichen Superbösewichten keine Lust hat, kann bei "Gotham" ein wenig die Augen zusammenkneifen und von ganz fern an weitaus ambitioniertere, dichtere Ausstattungsserien wie "Boardwalk Empire" denken.

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