Michael Backhaus am kress.de-Telefon: "Es war 'ne geile Zeit, es tut mir leid, es ist vorbei"

 

Michael Backhaus gilt als einer der politischsten Köpfe des deutschen Journalismus. Zum 1. Mai 2015 wechselt der 58-Jährige, Autor für "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag", die Seiten. "Ich will etwas Neues wagen", verriet der profilierte Journalist kress.de.

Michael Backhaus gilt als einer der politischsten Köpfe des deutschen Journalismus. Zum 1. Mai 2015 wechselt der 58-Jährige, Autor für "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag", die Seiten. "Ich will etwas Neues wagen", verriet der profilierte Journalist kress.de.

Christian Deutschländer, Chefkorrespondent vom "Münchner Merkur", hatte den prominenten Wechsel zur CSU am Samstag zuerst gemeldet. Backhaus übernimmt beim bayerischen Finanzminister Markus Söder (48) die Stabsstelle "Kommunikation und Planung", ab Mai koordiniert Backhaus die "Social-Media-Auftritte, Öffentlichkeitsarbeit und die Pressestelle", zudem könne Backhaus "über den Tag hinaus planen", schreibt Christian Deutschländer und zitiert da CSU-Kronprinz Markus Söder persönlich. Laut Deutschländer wird Backhaus in seiner neuen Position rund 9.000 Euro monatlich verdienen (Besoldung nach B6, eine Gehaltsstufe mit Ministerialdirigent, Präsident der Lotterieverwaltung oder Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz).

"Richtiger Zeitpunkt für Wechsel"

Am kress.de-Telefon wirkt Michael Backhaus ausgeglichen, sagt über seine neue Aufgabe in München: "Ich beobachte als Journalist seit mehr als 30 Jahren die deutsche und die bayerische Politik. Der Gedanke, Politik einmal von der anderen Seite kennen zu lernen, reizt mich seit längerem. Als das Angebot von Minister Söder kam, dachte ich mir: Du bist 58 Jahre alt, das ist der richtige Zeitpunkt, etwas Neues zu wagen", betont Michael Backhaus.

"Münstersche Zeitung", Reuters, "stern" oder "Passauer Neue Presse"

Der Vollblut-Journalist, geboren im westfälischen Münster, kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken.1975 volontierte Michael Backhaus bei der "Münsterschen Zeitung", die 1980er Jahre arbeitete er als Redakteur und Korrespondent für den deutschsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur Reuters, bevor er 1990 zuerst als Redakteur, dann als Leiter des Hauptstadtbüros des Magazins "stern" in Bonn tätig war. 1997 ging er als Chefkorrespondent zur "Berliner Morgenpost", bevor er zum stellvertretenden Chefredakteur der "BZ Berlin" berufen wurde (Chefredakteur damals: der heutige "Bild"-Kolumnist Franz-Josef Wagner).

Im Jahr 2000 übernahm Michael Backhaus die Chefredaktion der "Passauer Neuen Presse", 2005 ging er dann als stellvertretender Chefredakteur der "Bild am Sonntag" zurück nach Berlin.

Diesen Posten verließ er im Herbst 2014 "auf eigenen Wunsch", wie es damals in einer Presseaussendung hieß. Axel Springer blieb er aber als Autor für politische Stücke für "Bild am Sonntag" und "Welt am Sonntag" verbunden, berichtete direkt an Marion Horn sowie Jan-Eric Peters ( Beiträge u.a. "Keine Pippi-Außenpolitik!", "Pegida ist die neue Apo", "Ich bin bereit, für meine Ziele zu sterben", "Frauen sind häufig die besseren Männer", "Horoskope lese ich nicht mehr" oder das Insider-Stück "Aufsteiger, Asphaltier und "Alleiner"" über Markus Söder).

"Bayern wichtigstes Bundesland in Deutschland"

"Bayern ist für mich das wichtigste Bundesland in Deutschland. Und die CSU spielt bei der politischen Gestaltung Deutschlands eine wichtige Rolle", freut sich Michael Backhaus über seine neue Aufgabe, die er Anfang Mai antritt.

Bei der "Bild am Sonntag" hat Michael Backhaus mit drei Chefredakteuren zusammengearbeitet; die Spitzenposition bei der Sonntagszeitung blieb ihm aber verwehrt. Zuerst war da Claus Strunz, der am 1. August 2008 Platz für Walter Mayer machte. Mayer übergab im Oktober 2013 an Marion Horn, die aus Europas auflagenstärkster Sonntagszeitung ein Blatt für die ganze Familie formt. Michael Backhaus hält es zum Abschied von der "Bild am Sonntag" kurz: "Um es mit der deutschen Band Juli zu sagen: Es war 'ne geile Zeit, es tut mir leid, es ist vorbei".

Erfahrung und Kontakte

Der Wechsel eines Top-Journalisten in die Politik ist nicht neu. So war Ulrich Meyer früher Mitglied der Chefredaktion der eingegangenen Nachrichtenagentur dapd; seit Oktober 2013 verantwortet er erfolgreich die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag.

Politiker setzen bei der Verpflichtung von Journalisten nicht nur auf das Wissen ihrer neuen Mitarbeiter; mindestens so wertvoll sind für sie die Kontakte direkt in die Redaktionen, die Seitenwechsler mitbringen.

Ihre Kommentare
Kopf
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.