Abschied von der Deutschen Presse-Agentur: "Jürgen Hein geht nicht von dpa weg, sondern geht woanders hin"

 

Die Deutsche Presse-Agentur verliert eine wichtige Stimme im Westen. Jürgen Hein, bis Ende 2014 dpa-Landesbüroleiter in Nordrhein-Westfalen, verlässt nach über 20 Jahren die Nachrichtenagentur. Das bestätigte dpa-Pressesprecher Christian Röwekamp auf Anfrage von kress.de.

Die Deutsche Presse-Agentur verliert eine wichtige Stimme im Westen. Jürgen Hein, bis Ende 2014 dpa-Landesbüroleiter in Nordrhein-Westfalen, verlässt nach über 20 Jahren die Nachrichtenagentur. Das bestätigte dpa-Pressesprecher Christian Röwekamp auf Anfrage von kress.de. Hein geht von Köln zurück nach Düsseldorf.

Jürgen Hein kam zur Deutschen Presse-Agentur, da führte Wilm Herlyn dpa noch von Hamburg aus, das Internet hatte noch lange nicht die Bedeutung, dafür führten Deutschlands Tageszeitungen, Rückgrat und Hauptgesellschafter der dpa, ein einvernehmliches Nebeneinander mit Hörfunk und Fernsehen.

Hein arbeitete für die Deutsche Welle (DW-Intendant damals: Dieter Weirich), wo er auch volontiert hatte, und war für ARD-Radiosender tätig, als er 1994 zur dpa kam; hier leitete der Journalist unter anderem den Dienst in Stuttgart, arbeitete als Korrespondent im fernen Neu Delhi und als Regionalbüroleiter in Köln.

Zum 1. Oktober 2006 löste Jürgen Hein Heinz-Rudolf Othmerding als Landesbüroleiter in Düsseldorf ab, der als Auslandschef in die Chefredaktion der Nachrichtenagentur eintrat. Bei dpa leitete Hein später das Projekt für den multimedialen Newsroom in Berlin, verantwortete ein dpa-Videoprojekt und entwickelte Videoformate für die digitalen Angebote.

Heins Steckenpferd: Medienthemen

Hein galt als versierter Vorgesetzter, bestimmte Themen mussten stets über seinen Tisch, bevor sie im Dienst veröffentlicht werden durften. Zu Heins Steckenpferden gehörten auch Medienthemen, mit persönlichem Interesse begleitete er die Digitale Transformation in Zeitung, Radio und Fernsehen.

Ende 2014 gab Völkerkundler Hein diesen Posten auf - laut Presseaussendung "auf eigenen Wunsch"; Hein trat wieder ins Glied, blieb der Deutschen Presse-Agentur als Autor in Köln verbunden.

Chefredakteur Sven Gösmann fand für den langjährigen Leiter des Landesbüros lobende Worte, freute sich Hein als "exzellenten Kenner der Medienszene" zu halten.

In Düsseldorf übernahm Martin Oversohl, zuvor dpa-Landesbüroleiter in Frankfurt und verantwortlich für die Berichterstattung aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, die Verantwortung in der wichtigen Metropole am Rhein.

Wiedersehen in Düsseldorf

Die Freude von Chefredakteur Sven Gösmann hielt nur kurz. Jürgen Hein, in diesem Jahr unter anderem mit der freien Journalistin Heike Hupertz und "WAZ"-Redakteur Lars L. von der Gönna Mitglied der Jury Information und Kultur 2015 beim Grimme-Preis, verlässt nun auf eigenen Wunsch die Nachrichtenagentur.

Christian Röwekamp, Pressesprecher der Deutschen Presse-Agentur, präzisiert am kress.de-Telefon: "Herr Hein geht nicht von dpa weg, sondern geht woanders hin." Hein, so Röwekamp, habe den Wunsch verspürt, etwas anderes zu machen.

Nach Informationen von kress.de wechselt Jürgen Hein in die NRW-Staatskanzlei, in das Ministerium für BundesangelegenheitenEuropa und Medien. Hein wird dort für Staatssekretär Marc Jan Eumann tätig sein, der im vergangenen Jahr eine Dissertationsaffäre überstand. Eumann selbst gilt als Nachrichtenagentur-Experte, die Dissertationsschrift des SPD-Politikers lautete "Der deutsche Presse-Dienst. Nachrichtenagentur in der Britischen Zone 1945-1949. Die Geschichte einer Medieninstitution im Nachkriegsdeutschland."

Den Wechsel offiziell bestätigen wollte Nina Heil, Pressesprecherin von Angelica Schwall-Düren, der Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien in Nordrhein-Westfalen, gegenüber kress.de noch nicht: "Wir kommunizieren Personalentscheidungen erst, wenn die personalrechtlichen Verfahren abgeschlossen sind", so Heil zu kress.de. Aus dem Haus heißt es aber - reine Formsache.

Deutsche Presse-Agentur: Behutsamer Umbau

Behutsam baut Sven Gösmann, der am 1. Januar 2014 die Chefredaktion von Wolfgang Büchner übernahm, sein Führungsteam um. So übernimmt Martin Bialecki am 1. August 2015 das Regionalbüro Nordamerika mit Sitz in Washington D.C. von Peer Meiner, seit dem 1. Februar führt Martin Romanczyk die dpa-Sportredaktion. Sein Vorgänger Sven Busch hat dpa bereits Ende 2014 verlassen. Neuer Chef in Frankfurt am Main wird Jörg Fiene, der von der "Braunschweiger Zeitung" zur dpa wechselt und Martin Oversohls Nachfolger wird. Seit dem 1. Dezember 2014 führt Annette Reuther das Regionalbüro Südwesteuropa mit Sitz in Rom; Jürgen Bätz verließ für dpa Associated Press, um das Regionalbüro südliches Afrika in Johannesburg zu führen (kress.de berichtete). Sein Vorgänger Laszlo Trankovits verließ nach über 37 Jahren die Redaktion.

Innovationstreiber für deutsche Medienlandschaft

Erst im Februar erschien ein dpa-Whitepaper zu den Chancen von Liveblogs, für das unter anderem Horst Seidenfaden, Chefredakteur der "Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen" (HNA), Joachim Dreykluft, Chefredakteur Online des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags shzRoland Schmitt-Raiser, Leiter der "Main-Post"-Multimedia-Redaktion, Nicklas Larson, Leiter Digitale Medien bei der Nachrichtenagentur TT in Stockholm sowie Süleyman Artiisik und Christoph Dernbach von dpa Beiträge lieferten.

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