Fernsehmacher Friedrich Küppersbusch: Bedarf an "erwachseneren" journalistischen Angeboten fürs Web steigt

 

Der Journalist und Produzent Friedrich Küppersbusch entwickelt mit seiner TV-Produktion Probono immer mehr Online-Formate. Geld verdient Küppersbusch damit noch nicht, aber er genießt seine Freiheit. Er setzt darauf, dass der Bedarf an journalistischen Formaten im Internet wächst

Der Journalist und Produzent Friedrich Küppersbusch entwickelt mit seiner TV-Produktion Probono immer mehr Online-Formate. Geld verdient Küppersbusch damit noch nicht, aber er genießt seine Freiheit. Er setzt darauf, dass der Bedarf an journalistischen Formaten im Internet wächst und lobt die Online-Strategie von Axel Springer.

Als Moderator des legendären TV-Magazins "ZAK" gewann er einen Grimme-Preis, mit der mehrmals wöchentlich ausgestrahlten Sendung "Tagesschaum" verkürzte er 2013 die Wartezeit auf die Bundestagswahl. Küppersbusch arbeitet bis heute als Kolumnist für das Nordwestradio und die "taz", sein Unternehmen Probono stand und steht hinter Erfolgsformaten wie "Der großen Deutschtest" mit Hape Kerkeling (2003-2006), "Raus aus den Schulden" (2007–2010) oder "Bauernfeind" (seit 2009).

Immer auf der Suche nach neuen TV-Ideen

Küppersbusch ist immer auf der Suche nach neuen TV-Ideen und viele davon verwirklicht er mittlerweile online. Angefangen hat alles mit "Tagesschaum": "Mit 'Tagesschaum'", sagt Küppersbusch, "haben wir 2013 für den WDR ein erfolgreiches Rundum-Projekt produziert: Vorveröffentlichung bei YouTube, Ausstrahlung bei 1Festival, im WDR-Fernsehen, am nächsten Morgen bei Spiegel.de. Dabei hat sich sowohl unser eigenes Studio 'im Büro' technisch sehr bewährt als auch die hohe Autonomie des Produzenten, die Shows zur Lizensierung anzubieten."

Auf dem YouTube-Kanal von "Tagesschaum" sind die ersten Experimente zu sehen: "Lucky&Fred", ein Videocast von Küppersbusch mit dem ehemaligen "Bildblog"-Macher Lukas Heinser oder der "Nachschaum" als kurze Videokommentare zur Politik nach dem Ende von "Tagesschaum". Mittlerweile wurde das Angebot ausgeweitet: "Das 'Probono-Magazin' kommt wöchentlich mit Nachrichten und Kommentaren; dazu bieten wir derzeit alle paar Tage den 'Armutsbericht' des Obdachlosen Harald aus Köln. Pfarrer Mörtter spricht einmal im Monat, und dazu plündern wir unser Archiv mit hochwertigen Interviews, zuletzt Udo JürgensBlacky FuchsbergerKurt GoldsteinUdo Lattek. Alle Mitarbeiter nutzen es auch, Experimente vorzustellen, etwa Whiteboards mit Roger Willemsen und Heiner Bremer."

"Refinanzierungszwänge töten Ideen"

Geld verdient Probono damit nicht, finanziert werden die Online-Formate aus den Rücklagen: "Refinanzierungszwänge", sagt Küppersbusch, "töten Ideen, jedenfalls in diesem Stadium." Wichtig seien zurzeit "völlige Autonomie in Themen und Gestaltung und Haltungen. Kein Quotendruck. Unendlich viel zu lernen über Nutzer, Zielgruppen, unsere eigenen Möglichkeiten." Die Arbeit sei für Probono zentral und so etwas wie ein "unbezahltes Praktikum im Wilden Westen".

Bedarf an "erwachseneren" Angeboten steigt

Irgendwann in der Zukunft könnte sich das Engagement von Probono lohnen. Küppersbusch sieht eine Chance für journalistische Video-Angebote: "Je älter die Zielgruppen, die ins Netz abwandern, desto mehr steigt der Bedarf an 'erwachseneren' journalistischen Angeboten."

Aber die Entwicklung werde noch Zeit brauchen: "Was an werthaltigem Journalismus in klassischen Medien stirbt - Zeitungen, Radio, Fernsehen - entsteht nicht im gleichem Umfang neu im Netz. In der Kluft dazwischen gibt es großartige Bewegtbildangebote, auch Vlogs und vor allem Blogs, die sich an recht junge Zielgruppen richten. Sie werden teils schamlos ausgebeutet oder sehr schnell werblich unterwandert." Dass die öffentlich-rechtlichen Sender unter diesen Umständen die Einschränkungen, die ihnen bei ihrem neuen Jugendkanal von der Politik auferlegt wurde nicht als Chance begreifen, kann Küppersbusch nicht verstehen: "Die Öffentlich-Rechtlichen haben sich jetzt, eine einmalig skurrile Szene, von der Politik zum Glück zwingen lassen: Mit dem 'online only' - Jugendkanal wird das absurde 'Depublizieren' abgeschafft werden. Und sie werden genuin und nur fürs Netz produzieren dürfen. Dafür gucken sie ganz schön traurig. Die Privatsender haben teils Lehrgeld bezahlt, bei dem Versuch, YouTube nochmal neu zu erfinden. n-tv ist sehr erfolgreich bei mobilen Anwendungen. Das interessanteste Experiment scheint mir derzeit die Springer/Welt/N24 – Unternehmung zu sein." Küppersbusch gefällt es, dass bei Axel Springer die Grenzen zwischen Print, Online und TV aufgehoben und die Inhalte auf allen Kanälen veröffentlicht werden.

Klassisches Fernsehen wird im Hause Küppersbusch übrigens nur noch selten geschaut, zumindest solange man es nicht als Arbeit deklarieren kann: "Meine Liebste schaut endlose britische Serien auf DVD, meine Tochter gar kein Fernsehen mehr, mein Sohn und ich Fußball und ich dazu ab und an alles als berufliche Weiterbildung."

Ein TV-Produzent der kein TV schaut – das ist auch heute wohl noch nicht vorstellbar.

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.