Artikel im Wirtschaftsteil gegen Anzeigen? Schwere Vorwürfe gegen "Die Welt"

 

Schwere Vorwürfe gegen Axel Springer: Sollten werbefreudige Unternehmen bei mehreren Artikeln im Wirtschaftsressort der "Welt" mitreden dürfen?

Schwere Vorwürfe gegen Axel Springer: Sollten werbefreudige Unternehmen bei mehreren Artikeln im Wirtschaftsressort der "Welt" mitreden dürfen? Beim Verkaufsgespräch mit Kunden soll sogar ein Journalist der überregionalen Zeitung mit am Tisch gesessen haben.

Kein Medienhaus, das keine neue Erlösquelle sucht. Einige erarbeiten mit ihren Redaktionen neue Themenfelder, bündeln ihre besten Artikel, entwickeln neue Magazine; andere gehen einen Weg, der das Ende des unabhängigen Journalismus bedeutet - Gegengeschäft.

Du gibst mir deine Anzeige, ich gebe dir Redaktion

Markus Wiegand, Chefredakteur von kress.de-Schwesterblatt "Wirtschaftsjournalist", beschäftigt sich in der aktuellen Titelstory mit "Geschäften in der Grauzone". Dabei hat Markus Wiegand aufgeschrieben, "wie Qualitätsmedien ihre Anzeigenkunden immer stärker dazu einladen, Werbung und Redaktion zu vermischen" - und beleuchtet dabei unter anderem Vorgänge beim "Handelsblatt" (Chefredakteure: Sven Afhüppe, Hans-Jürgen Jakobs (Print), Oliver Stock (Online); Herausgeber: Gabor Steingart), der "Süddeutschen Zeitung" (Chefredakteur: Kurt Kister, Geschäftsführer: Detlef Haaks, Karl Ulrich), "Der Tagesspiegel" (Chefredakteure: Stephan-Andreas Casdorff, Lorenz Maroldt (Print), Markus Hesselmann (Online), Herausgeber: Giovanni di Lorenzo, Sebastian Turner), "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Herausgeber: Werner D'Inka, Jürgen Kaube, Berthold Kohler, Holger Steltzner, Chefredakteur Online: Mathias Müller von Blumencron; Geschäftsführer: Thomas Lindner, Burkhard Petzold) - sowie bei "Die Welt" von Axel Springer (Chefredakteur: Jan-Eric Peters, Herausgeber: Stefan Aust, Geschäftsführer: Stephanie Caspers, Torsten Rossmann).

"Artikel gegen Buchung der Titelseite"

"Ähnlich wie andere Verlage sucht man bei Axel Springer nach neuen Erlösquellen. 2013 bot der Verlag Unternehmen etwas Neues an. Auf der Titelseite sollten Kunden eine Werbe-Banderole buchen. Im Gegenzug sollte die Ausgabe an Abgeordnete und das politische Berlin gehen. Der Clou: Die Werbekunden sollten auch bei zwei, drei Themen im Wirtschaftsteil mitreden dürfen, die in der betreffenden Ausgabe von der Redaktion recherchiert werden. Daher saß bei den Gesprächen auch ein Journalist mit am Tisch, als man das Angebot besprach. Der potenzielle Kunde war überrascht über die offenherzige Option, am Ende wurde aus der Sache jedoch nichts", schreibt der "Wirtschaftsjournalist".

Springer-Sprecherin Friedrich: "Legen Wert auf Trennung Redaktion und Anzeigen"

"Fakt ist, dass wir unterschiedliche Vermarktungsangebote anbieten - beispielsweise im täglichen Anzeigengeschäft oder im Rahmen von Konferenzangeboten", hält Springer-Sprecherin Svenja Friedrich fest. "Diese können verschiedene Bestandteile umfassen wie unter anderem Anzeigen in der Printzeitung oder Zielgruppenversand. Im Sinne unserer Leitlinien zur Sicherung der journalistischen Unabhängigkeit legen wir größten Wert auf eine Trennung von Anzeigen und Redaktion und verfahren streng nach diesem Prinzip."

Auf den vom "Wirtschaftsjournalist" genannten Fall, Redaktion gegen die entsprechende Anzeigenbuchung anzubieten, kann Svenja Friedrich aber nicht konkret eingehen. Am kress.de-Telefon bedauert Friedrich: "Wir nehmen grundsätzlich jeden Hinweis sehr ernst und gehen Zweifelsfällen nach. Über die erwähnten Andeutungen hinaus wurden uns bislang leider keine konkreten Hinweise übermittelt."

Laut Media Daten kostet die Ummantelung der "Welt" (Titelseite, 1. Buch) in der Gesamtausgabe übrigens unter der Woche 239.500,80 Euro.

kress.de-Tipp: Die aktuelle "Wirtschaftsjournalist"-Ausgabe gibt es hier zu kaufen. Das Schwesterblatt von Kress.de ist auch digital - über die App "iKiosk" erhältlich.

Ihre Kommentare
Kopf

JackAubrey

25.03.2015
!

Das ist nun wirklich kein Spezialgebiet der Welt. In der FAS sind in der letzten Ausgabe über vier Seiten die Vorteile des Reisens mit dem Wohnmobil besprochen worden - und siehe da, es gab die passenden Anzeigen der Wohnmobilverleiher gleich dazu, ein Schelm wer dabei an unabhängigen Journalismus denkt.


piet

25.03.2015
!

Ich finde es ok, wenn die Redaktion 4 Seiten übers Reisen mit dem Wohnmobil bringen und parallel dazu die Kollegen vom Anzeigenverkauf potentielle Anzeigenkunden kontaktieren. Das machen doch fast alle. Bedeutet ja nicht unbedingt, dass dem Anzeigenkunden versprochen wird, dass er im redaktionellen Teil namentlich genannt u positiv bewertet wird.


Verber

25.03.2015
!

Och, das ist doch gängige Praxis, und zwar seit Jahrzehnten! Nur hat es lange niemanden interessiert. Wer sollte jetzt plötzlich etwas dagegen haben? Die Redakteure etwa? Die sind vielfach längst zu willfährigen Handlangern des eigenen Hausherren geworden, allein schon deswegen, weil sie auf diese Weise den eigenen Arbeitsplatz sichern ...müssen.


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