Eurosport-CEO Peter Hutton im kress.de-Interview: "Wir brauchen mehr Hochqualitätsinhalte"

 

Peter Hutton, erst seit Mitte Januar neuer CEO der Eurosport-Gruppe, will sportlich in die Zweikämpfe um attraktive neue TV-Rechte gehen. "Ich freue mich auf neue Investitionen in den Motorsport", gab er zum Start der neu eingekauften Moto-GP-Saison bekannt. Ein Deal mit Vorbildcharakter: "Wir brauchen mehr Hochqualitätsinhalte, mit denen sich die Leute wirklich identifizieren", sagte er im exklusiven Gespräch mit kress.de.

Peter Hutton, erst seit Mitte Januar neuer CEO der Eurosport-Gruppe, will sportlich in die Zweikämpfe um attraktive neue TV-Rechte gehen. "Ich freue mich auf neue Investitionen in den Motorsport", gab er zum Start der neu eingekauften Moto-GP-Saison bekannt. Ein Deal mit Vorbildcharakter: "Wir brauchen mehr Hochqualitätsinhalte, mit denen sich die Leute wirklich identifizieren", sagte er im exklusiven Gespräch mit kress.de. 

"Unser Kauf der Moto-GP-Rechte für Deutschland war in dieser Hinsicht ein Schritt in die richtige Richtung. Wir müssen aber auch sehr darauf achten, was wir am unteren Ende der Qualitätsskala zeigen", sagte der gebürtige Brite, der Eurosport vom Firmenhauptsitz in Paris aus führt. 

"Weil Sponsoren es sehen wollten, wurde das Programm eben ausgestrahlt"

"Die Leute erinnern sich aus genau zwei Gründen an Sportkanäle – wegen der Momente, die sie in ihrem tiefsten Herzen für immer emotional bewegt haben, und für die schlimmsten Inhalte, die sie dort jemals gesehen haben", sagt Peter Hutton. "Wenn man sich die Inhalte auf Eurosport ansieht, gibt es vieles, was historisch gesehen von Sponsoren unterstützt auf Sendung kam. Weil die Sponsoren es sehen wollten, wurde das Programm eben ausgestrahlt. Solche Inhalte sehen wir uns derzeit sehr genau an. Vielleicht bringen sie kurzfristig Erlöse – aber langfristig beschädigen sie die Marke."

Außerdem möchte Hutton sich nicht nur "oben" in der Premium-Klasse verbessern, sondern auch "unten" ausmisten. "Traditionellerweise zeigen wir die WWE Magazin-Shows mit Higlights von Events, die zehn Tage zuvor wo anders zu sehen waren", führt Hutton als Negativ-Beispiel an. "So etwas hilft uns wirklich nicht weiter. Das ist nur ein Methode, Sendezeit billig zu füllen", gesteht er ein. "WWE hat großartige Inhalte. Deswegen sollten wir sagen: Lassen wir uns über genau die reden – und nicht über billigsten."

"Der Ankauf großer Rechte wird realistischer für uns"

Seit der Anbindung an die weltweit agierende Discovery-Gruppe, die Eurosport Anfang 2014 aufgekauft hatte, ist nicht nur die Kriegskasse gut gefüllt. Auch die Strategie bei Eurosport soll sich ändern. "Es geht nicht um kurzfristige Investitionen in Sportrechte, sondern darum etwas über einen längeren Zeitraum hinweg aufzubauen", sagt Peter Hutton. "Das ist für mich der große Unterschied zwischen dem, wo Eurosport früher stand, und dem, wohin wir uns jetzt bewegen."

Nun hat er mehr Freiräume, die er nutzen will. "Wir achten nicht auf kurzfristige Erlöse – deswegen wird der Aufkauf großer Rechte immer realistischer für uns." Dabei setzte er auf länger angelegte Kooperationen - mit gegenseitigen Abstrahleffekten. "Nur so kann man wirklich als Partner arbeiten und gemeinsam eine Sportart wertvoller machen." 

"Es gibt viele tolle Sachen bei Eurosport - wir brauchen nur mehr davon"

Die Bestandsaufnahme ist abgeschlossen, nun geht es um die Premium-Entwicklung der europaweit agierenden Gruppe. "Es gibt viele tolle Sachen bei Eurosport, auf die ich sehr stolz bin – French Open, USA Open, Tour de France - wir brauchen nur mehr davon", sagt Hutton. "Wir müssen dahin, dass die Leute die besten Inhalte, die es in ihrer Lieblingssportart gibt, als erstes bei Eurosport finden."

Die Anbindung an die Discovery-Welt - in Deutschland über die Free-Sender TLC und DMAX sowie die Pay-Kanäle - möchte er stark ausbauen. "Es ist wichtig, dass wir mit der Discovery-Gruppe zusammenarbeiten. Wir sind kein eigenständiges Stand-Alone-Angebot mehr – wir müssen auf den Kanälen der Discovery-Welt promotet werden", so Hutton. "Es geht mir darum, dass wir mit Partner zusammenarbeiten – auch mit Sky -, damit wir ausgehend von dem, was wir haben, eine größere Geschichte erzählen können."

Eurosport und DMAX sollen Schulter-an-Schulter laufen

Vor allem der Austausch mit dem Männersender DMAX ist in Deutschland entscheidend. "DMAX ist ein sehr wertvolles Glied in unserer Verwertungskette. Nicht nur für Crosspromotion, sondern auch für kürzere Sport-Inhalte. Wenn wir gemeinsam auftreten, verbessert das unsere Beziehungen zu Rechte-Inhabern", sagt der neue Eurosport-Chef.

"Ich möchte nicht, dass DMAX ein reiner Sportsender wird. Aber seine Anhängerschaft ist so nah an der eines Sportsenders, dass wir uns gut überlegen können, wie wir uns gegenseitig ergänzen und wo wir uns inhaltlich überschneiden." Die Arbeit mit zwei Free-TV-Sender erhöht auch die Chancen, Events breit auszuwerten. "Das Schlimmste am Sportrechte-Geschäft ist doch, wenn man etwas kauft – und es dann nicht im vollen Umfang ausstrahlen kann, weil man dafür nicht genug Sendefläche hat."

Eurosport wird allerdings durch Programmaustausch nicht geschwächt - im Gegenteil. "Der Sportsender ist das natürliche Zuhause für die Live-Events", so Hutton, "aber wir können flexibel zusammenarbeiten, wenn es um die Aufteilung der Rechte geht, so dass wir möglichst viele Sportfreunde unter den Zuschauern glücklich machen." 

Live-Sport als TV-Königsdisziplin

Live-Events hält er - gerade in Zeiten von Binge-Watching und Multiplattform-Strategien, die Discovery und Eurosport natürlich auch verfolgen - für entscheidend - nicht nur als Fernseh-Lagerfeuer-Erlebnis, sondern auch in strategischer Hinsicht. "Live-Sport war für die Leute da draußen schon immer ein ausschlaggebender Faktor dafür, für welche Art von Fernsehangebot sie sich entscheiden", sagt Hutton. "Deswegen ist es für die Discovery-Gruppe sehr attraktiv, jetzt eine Sport-Waffe in ihrer Rüstkammer zu haben – um in vielen Märkten eine oder mehrere Positionen höher zu rutschen."

Für Hutton, der lange selbst Sport-Kommentator war und lange von der Bundesliga berichtete, war Sport natürlich immer weit mehr als nur ein Geschäft. "Ich habe bereits den Großteil meines Lebens rund um Sportereignisse zugebracht. Wenn ich mit meiner Familie in Urlaub fahre, ahnt meine Frau meistens schon recht schnell, dass ich vor Ort ein bestimmtes Sportereignis im Hinterkopf hatte", scherzt er.

So sieht er auch die Stärken von Eurosport - mit einem kleinen Seitenhieb auf die Discovery-Welt. "Rund um die großen Sport-Events herum plant man als Fan sein Leben", so Hutton. "Von sehenswerten Dokumentarreihen kann man das nicht so ganz sagen. Bei denen wird man immer einen Weg finden, sie doch noch zu dem Zeitpunkt zu sehen, wenn es eben am besten passt."

Bundesliga und "Formel 1" im Visier

Als Ziel hat er sich etwas recht Ehrgeiziges gesetzt. "Meine Aufgabe ist es, die Art, wie die Leute draußen Eurosport sehen, wirklich zu revolutionieren. Der Schlüssel dazu ist die Unterstützung durch Discovery", sagt er. Deswegen sitzt er jetzt mit am Spieltisch bei den Großen. In Großbritannien hatte Eurosport zuletzt sogar um die Premier League mitgeboten. Nun wird offenbar auch die Bundesliga oder die "Formel 1" zumindest zum Thema.

"Die Großereignisse werden immer größer, die kleineren werden kleiner"

"Wir schauen uns alle Rechte an – im Kontext der wirtschaftlichen Realitäten", so Hutton. Ähnlich hatte zuletzt der weltweite Discovery-Boss David Zaslav im kress.de-Interview argumentiert. "Wir müssen die entscheidenden marktbestimmenden Rechte im Auge behalten", sagt Peter Hutton. "In der Fernsehwelt von heute werden die Großereignisse immer größer, die kleineren werden kleiner."

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