Deutschlands Zeitungen und die Paywall-Debatte: Mathias Döpfner will keine Lektionen erteilen

 

Retten Paywalls im Netz die Tageszeitungen? Sind sie die Rettung für den Journalismus und die Verlage? Kress.de hat sich umgehört. Welchen Ratschlag Springer-Chef Mathias Döpfner Zeitungsmanagern anderer Häuser gibt,

Retten Paywalls im Netz die Tageszeitungen? Sind sie die Rettung für den Journalismus und die Verlage? Kress.de hat sich umgehört. Welchen Ratschlag Springer-Chef Mathias Döpfner Zeitungsmanagern anderer Häuser gibt, von wem Daniel Schöningh vom Ippen-Verlag lernen will und wie die "Mittelbayerische Zeitung" sich im Netz gerade neu erfindet.

Daniel Schöningh: "Rauf und runter diskutiert"

"Wir haben das Thema Paywall bei uns schon rauf und runter diskutiert", sagt Daniel Schöningh, Gesellschafter und Geschäftsführer der Ippen-Gruppe. Zu den Ippen-Zeitungen gehören unter anderem "Westfälischer Anzeiger" Hamm ( Chefredakteur: Martin Krigar, Geschäftsführer: Hans Sahl); Kreiszeitung Syke (Chefredakteur: Hans Willms), "Offenbach-Post" (Chefredakteur: Frank Pröse) "Hessische/Niedersächsische Allgemeine" Kassel (Chefredakteur: Horst Seidenfaden) oder "Münchner Merkur" (Chefredakteurin: Bettina Bäumlisberger).

Daniel Schöningh: "Lernen gerne von großen und erfolgreichen Verlagen"

Dabei wollen die Entscheider um Verleger Dirk Ippen jeden Markt genau untersuchen, bevor über eine Paywall nachgedacht wird. "In Märkten mit munteren Wettbewerb im gleichen Segment wie beispielsweise Raum München oder Rhein-Main-Gebiet sehen wir es als außerordentlich schwierig an", erklärt Daniel Schöningh gegenüber kress.de.

In Regionen wie zum Beispiel Kassel, in denen ein nicht so starker Wettbewerbsmarkt im Onlinebereich bestehe, sei eine Bezahlschranke schon eher vorstellbar: "Kurzum wir haben es in dem Bereich nicht so eilig. Wir letztendlich noch unsicher und lernen gerne von den großen und erfolgreichen Verlagen", so Daniel Schöningh bescheiden.

"Mittelbayerische Zeitung" erfindet sich neu

Auf dem Weg zur Bezahlschranke befindet sich die in Regensburg erscheinende "Mittelbayerische Zeitung" (Chefredakteur: Manfred Sauerer, Herausgeber: Peter Esser, Vorsitzender der Geschäftsführung: Martin Wunnike).

Herzstück der am 16. März digitalen Offensive des mittelständischen Medienhauses ist das neu gestaltete Online-Portal www.mittelbayerische.de. Bei der Neugestaltung stand die mobile Nutzung im Mittelpunkt, viel Wert hat der Verlag auch auf das Angebot Mittelbayerische Maps gelegt, in dem die "MZ"-Redaktion zehntausende von Daten aus der Region gebündelt hat.

Zwei Jahre von der Idee bis zur Umsetzung

So schlicht und modern und einfach neu gestaltete Webangebote wirken - so lange dauerte es von der Idee bis zur tatsächlichen Umsetzung. Bei der "Mittelbayerischen" hat ein großes Team fast zwei Jahre an dem Projekt gearbeitet, sagt Holger Schellkopf. Der stellvertretende "MZ"-Chefredakteur leitete das Gesamtprojekt. "Für uns war wichtig, ein möglichst schlüssiges Angebot zu entwickeln. Dazu gehört natürlich zwingend die Marktforschung mit Befragung der Leser. Das ist in mehreren Wellen von der Sinus-Studie bis zu Gesprächen mit Fokus-Gruppen geschehen. Ebenso wichtig ist die gründliche Analyse des Nutzerverhaltens auf technologischem Weg", so Schellkopf zu kress.de.

Holger Schellkopf: "Verlage können voneinander profitieren"

Laut Schellkopf hat die "MZ" (verkaufte Printauflage laut IVW 4/2014: 111.371 Exemplare) auch Wert darauf gelegt, wie andere Häuser den digitalen Umbau stemmen. Intensiven Austausch gab es da mit den Kollegen in Osnabrück, Augsburg, Würzburg und Bayreuth. "Wir haben gelernt, dass es viele Dinge gibt, in denen sich Verlage gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren können. Da gibt es erstaunliche viele Gemeinsamkeiten - in denen übrigens auch oft Kooperationschancen stecken. Trotzdem ist es natürlich ganz entscheidend, seine eigenen Markt zu analysieren und entsprechend zu reagieren", macht Holger Schellkopf deutlich.

Die neuen digitalen Produkten des Mittelbayerischen Verlags werden künftig kostenpflichtig sein. Nach einer mehrwöchigen Testphase greift auf der Website ein Bezahlmodell, das auf dem so genannten Metered Model basiert. Dann werden für Nicht-Abonnenten nur noch vier Artikel pro Monat frei verfügbar sein. Hat Schellkopf keine Sorge, dass damit auch Reichweite verloren geht und Werbekunden sich anders orientieren? "Für die Werbekunden ist eine qualitative Reichweite entscheidend, soll heißen: Möglichst viele Menschen, die zum potentiellen Kundenkreis gehören. Wir glauben, dass wir jetzt viele neue Möglichkeiten geschaffen haben, um diese Ziele zu erreichen."

BDZV-Präsident Heinen: Entwicklung von Bezahlmodellen "vielversprechend"

Als "vielversprechend" empfindet BDZV-Präsident Helmut Heinen die Entwicklung von Bezahlmodellen im Netz bei Tageszeitungen. Eine "Patentlösung" gebe es aber nicht, betont Heinen: "Jeder Verlag hat andere Bedingungen und muss seine eigene Vorgehensweise finden. Dazu gehört, strategische Ziele festzulegen und sich im Klaren darüber zu sein, wie das Produkt positioniert werden soll, auch in Beziehung zur gedruckten Zeitung. Konsens in der Branche ist: Hochwertiger Journalismus darf nicht verschenkt werden. Ob aber eine Bezahlpflicht ohne Ausnahmen oder ein Metered-, Freemium- oder Spenden-Modell zum Erfolg führt - das muss jeder Verlag selbst entscheiden." Heinen führt seit dem Jahr 2000 den Zeitungsverlegerverband, er ist Herausgeber der "Kölnischen/Bonner Rundschau" und Mitgesellschafter der Berliner Verlag GmbH. Dazu gehören unter anderem "Berliner Zeitung", "Berliner Kurier" und die Anzeigenzeitung "Berliner Abendblatt".

Mathias Döpfner will "keine Lektionen erteilen"

Absoluter Verfechter von Bezahlmodellen ist Mathias Döpfner. Welchen Rat hat der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE für die Zeitungsverleger im Land? "Den Verlagen würde ich ungerne Lektionen erteilen", sagt Mathias Döpfner gegenüber kress.de bei der Springer-Bilanzpressekonferenz in Berlin. "Sie wissen selber ganz gut, wie sie in ihren Märkten operieren können." Den vielen Zeitungsverlagen im Land sendet Döpfner aber aufmunternde Worte: "Die Branche hat wenig Grund zu verzagen. Ich sehe viel mehr Anlässe, sehr zupackend die Möglichkeiten zu gestalten, die sich durch diese neuen Distributionsplattformen ergeben. Da allerdings spielt die Frage, ob sich Bezahlmodelle erfolgreich durchsetzen werden, eine absolut fundamentale Rolle. Gerade für Regionalzeitungen, die einen sehr spezifischen Inhalt anzubieten haben, entstehen durch die Digitalisierung große Chancen", so Mathias Döpfner.

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