"Frontal21"-Moderatorin Ilka Brecht: "Gerade heute ist vertiefender Journalismus wichtig"

 

Angst vor Konfrontation? Kennt die Redaktion von "Frontal 21" nicht. Woche für Woche schauen die Journalisten den Mächtigen auf die Finger, hinterfragen Entscheidungen, decken Missstände auf. "Wir können in Bild und Ton ausführlich zeigen, wie die Wirklichkeit beschaffen ist.

Angst vor Konfrontation? Kennt die Redaktion von "Frontal 21" nicht. Woche für Woche schauen die Journalisten den Mächtigen auf die Finger, hinterfragen Entscheidungen, decken Missstände auf. "Wir können in Bild und Ton ausführlich zeigen, wie die Wirklichkeit beschaffen ist. Gerade heute, in Zeiten der schnellen Online-Meldungen, ist so ein vertiefender Journalismus wichtig und aus meiner Sicht immer noch ein Traumjob", sagt Moderatorin Ilka Brecht zu kress.de.

An diesem Dienstagabend wird die 500. Sendung ausgestrahlt. Die erste Sendung lief am 3. April 2001. "Frontal 21" knüpfte an das Vorgängerformat "Frontal" an, die 21 steht für die Sendezeit und für das 21. Jahrhundert.

Ilka Brecht moderiert die Sendung seit März 2014, seit einem Jahr ist sie auch stellvertretende Redaktionsleiterin bei "Frontal 21". Redaktionsleiter ist seit Februar 2014 Christian Dezer. Erster, prägender Moderator der Sendung war Theo Koll (bis Januar 2009), ihm folgte Hilke Petersen. Erster Redaktionsleiter und Vorgänger von Christian Dezer war Claus Richter.

Erfahrene Fernsehmacherin

Brecht ist eine erfahrene Fernsehmacherin. Die gebürtige Hamburgerin war erst Redakteurin bei Spiegel TV, bevor sie ab 1997 als NDR-Reporterin Beiträge für "Panorama", "Extra drei", "Tagesschau", "Tagesthemen" oder "Weltspiegel" lieferte. Zwischen 2000 und 2005 war die studierte Geisteswissenschaftlerin Redakteurin und Chefin vom Dienst bei "Panorama" und berichtete aus den ARD-Studios in London und Stockholm. 2005 kam sie zu "Frontal 21".

Andere Magazine "Ansporn" - keine "Bedrohung"

Brecht betrachtet die Investigativ-Magazine anderer Sender vor allem als "Ansporn", nicht als Bedrohung. "Die Konkurrenz hat es vom ersten Sendetermin an gegeben, schließlich haben auch andere Sender zeitkritische Magazine. Die sind zum Teil schon seit Jahrzehnten auf Sendung", so Investigativ-Journalistin Brecht zu Kress.de. "Frontal21 hat schon allein deswegen ein eigenes Profil, weil die Sendung - anders als zum Beispiel die ARD-Magazine - 45 Minuten lang ist und im Wochenrhythmus erscheint. Dadurch bieten wir mehr Themen, haben längere Analysen und Hintergründe und können unsere Themen nachhalten und immer wieder auf neue Entwicklungen eingehen. Außerdem haben wir unsere Frontal21-typischen Rubriken: von Anfang an die politische Satire in "Toll", "Nachgehakt", in der wir Entwicklungen melden und neuerdings "Die Zahl", eine Art Kommentar zu Themen, die sich auf den Punkt bzw. auf eine Zahl bringen lassen."

Primetime für das Investigativ-Magazin

Im Gegensatz zu anderen Sendern legt das ZDF besonderen Wert darauf, dass sein investigatives Flaggschiff auch im linearen Fernsehen das Publikum erreicht. 21 Uhr ist die absolute Primetime, eine bessere Sendezeit für ein Investigativ-Magazin gibt es kaum. Bei anderen Sendern werden die Magazine teilweise im Spätprogramm versteckt - so kommt es zumindest vor.

"Inhalt deutlich vor Ästhetik"

Für Brecht kommt in der Sendung immer "Inhalt deutlich vor Ästhetik", Wert lege die Redaktion auf Klarheit und Schlagkraft der Beiträge. "Frontal 21" habe sich in den vergangenen Jahren aber natürlich weiterentwickelt, "so filmen wir inzwischen überwiegend mit den modernen digitalen Spiegelreflexkameras, die sich durch einen ganz besonders filmischen Look auszeichnen und so Bilder wie beim 35mm-film erzeugen. Wir sind auch im grafischen Bereich, gerade für Erklärformen und für bestimmte Rubriken, neue Wege gegangen, arbeiten mit Computeranimationen oder mit 2-D und 3-D-Grafiken. Wir sind offen für weitere technische Entwicklungen, wie zuletzt dem Einsatz von Drohnenaufnahmen, die oftmals einen besonderen Blick auf das Geschehen werfen können." In der 500-sten Sendung heute Abend setze das Magazin zudem auf die "hidden camera".

"Sehr viele Anfragen von jungen Journalisten"

Fernsehjournalismus, so ZDF-Frau Brecht, sei heute immer noch attraktiv. "Wir können in Bild und Ton ausführlich zeigen, wie die Wirklichkeit beschaffen ist. Gerade heute, in Zeiten der schnellen Online-Meldungen, ist so ein vertiefender Journalismus wichtig und aus meiner Sicht immer noch ein Traumjob", so die erfahrene Journalistin. Nachwuchsmangel gebe es in der Redaktion der ZDF-Sendung übrigens nicht. Ilka Brecht zu kress.de: "Und wenn ich das verraten darf, haben wir sehr viele Anfragen von jungen Journalisten, die gerne den Beruf des kritischen, investigativen Reporters ergreifen würden."

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