Franken-"Tatort"-Kommissar Fabian Hinrichs: "Die Quote sollte abgeschafft werden"

 

Forscher Dienstantritt: Vor seinem Einstand als Ermittler in der BR-"Tatort"-Reihe aus Franken legt sich Fabian Hinrichs mit der ARD-Programmdirektion an. "Das Publikum ist nicht so dämlich und schlicht, wie man es sich in manch anderen Redaktionen so vorstellt", sagt er im kress.de-Interview. "Die Öffentlich-Rechtlichen sollten weniger Sport, weniger Kochen, weniger Volksmusikreihen und Boulevardmagazine zeigen, sondern mehr gute fiktionale Reihen und Filme", so Hinrichs.

Forscher Dienstantritt: Vor seinem Einstand als Ermittler in der BR-"Tatort"-Reihe aus Franken legt sich Fabian Hinrichs mit der ARD-Programmdirektion an. "Das Publikum ist nicht so dämlich und schlicht, wie man es sich in manch anderen Redaktionen so vorstellt", sagt er im kress.de-Interview. "Die Öffentlich-Rechtlichen sollten weniger Sport, weniger Kochen, weniger Volksmusikreihen und Boulevardmagazine zeigen, sondern mehr gute fiktionale Reihen und Filme", so Hinrichs.

"Fast Food" verdirbt den feinen Publikumsgeschmack

"Deswegen sollte auch die Quote abgeschafft werden, weil sie für ARD und ZDF nicht relevant sein darf", legte der aus Hamburg stammende Wahl-Berliner nach. Er plädiert leidenschaftlich dafür, die öffentlich-rechtlichen Zuschauer nicht absichtlich zu unterfordern. "Wenn man den Leuten 20 Jahre lang Fast Food auftischt, dann können sie richtig feine Küche oftmals gar nicht mehr richtig schmecken", sagte er zu kress.de.

Nachdenklich gemacht hatte ihn zuletzt selbst die starke Resonanz auf den BR-"Tatort: Der tiefe Schlaf", in der Hinrichs bereits als Assistent der von Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec gespielten Münchner Kommissare zu sehen war. Der Film - Hinrichs "Gisbert" kam darin auf brutale Weise ums Leben - löste einen Sturm der Fan-Begeisterung aus. Eine Online-Petition machte sich damals sogar dafür stark, "Gisbert" zum "Tatort" zurückkehren zu lassen.

"Es war ein ungewöhnlicher Film, ein ungewöhnlicher 'Tatort'. Die Rolle war viel extremer – im positiven Sinn – als das was man als Zuschauer für gewöhnlich vorgesetzt bekommt", sagt Hinrichs im Rückblick. "Den Rummel habe ich erst mit Verspätung mitbekommen und mich dann unglaublich darüber gefreut, auch wenn ich das zunächst nicht ernst nehmen konnte."

"Man kann das Publikum mehr fordern"

Allerdings sah Hinrichs sich darin bestätigt, dass auch spröde, anspruchsvolle Stoffe gut angenommen werden können. "Die enorme Begeisterung der Gisbert-Fans war für mich ein Hinweis darauf, dass man das Publikum mehr fordern kann", so der Schauspieler. Den Programm-Verantwortlichen rät er zu Mut. "Shakespeare hat ja nicht die Zeiten überlebt, weil Professoren das so beschlossen haben, sondern weil er die Zuschauer noch immer erreicht."

Die Zusage, neben Dagmar Manzel als neuer "Tatort"-Kommissar ins Nürnberger Team zu stoßen, hat er sich nicht ganz leicht gemacht. "Ich habe mich sehr gefreut – und dann etwas überlegen müssen. Früher hätte ich vielleicht länger nachdenken müssen. Denn es gab ja nur wenige 'Tatort'- Kommissare, daher war die Gefahr, auf diese Rolle festgelegt zu sein, deutlich grösser als heute", so Hinrichs.

Wichtig ist ihm, dass ihm seine Verpflichtung Luft lässt. "Heute sind größtenteils renommierte Schauspieler im Einsatz, die aber auch andere Filme drehen können. Mein Engagement lässt Platz für andere Sachen", sagt Fabian Hinrichs. Gut gefällt ihm die Aufmerksamkeit, die "Tatort"-Filme auf sich ziehen - auch auf Sender- und Produzentenseite. "Die Reihe ist in Deutschland am besten dafür geeignet, gute Filme entstehen zu lassen."

Protest gegen die fortschreitenden Drehtage-Kürzungen

Allerdings forderte er eine bessere Ausstattung und solidere Rahmenbedingungen für die "Tatort"-Drehs. "Ich würde mir sehr wünschen, dass man Gelder woanders abzieht und in den fiktionalen Bereich steckt, so dass man wieder 28 Drehtage für einen 'Tatort' oder einen anderen anspruchsvollen Fernsehfilm zur Verfügung hätte und nicht wie jetzt häufig 21", sagt Fabian Hinrichs. "Beim BR hatten wir zumindest 23, das ist im bundesweiten Vergleich schon viel mittlerweile. Aber meiner Ansicht nach sollte man sich nicht damit zufriedengeben. Es ist ja nicht weniger Geld im System vorhanden, im Gegenteil. Es ist nur anderes verteilt worden im Laufe der Zeit."

"Ein im guten Sinne konservativer Sender"

Beim BR hat man den ersten Fall "Tatort: Der Himmel ist ein Platz" aufwändig entwickelt. Fabian Hinrichs sieht der Reihe optimistisch entgegen - auch mit Blick auf mögliche horizontale Erzählversuche. "Auch wenn jeweils der Fall im Vordergrund steht, kann man im Laufe der Zeit der Rolle Tiefe geben", sagt er zu kress.de. Beim Sender - und der zuständigen Redakteurin, der bisherigen BR-"Heimatkrimi"-Entwicklerin - fühlt er sich gut aufgehoben. "Stephanie Heckner ist eine wunderbare Redakteurin und bei einem im guten Sinne konservativen Sender beschäftigt, der für Nachhaltigkeit und Wertigkeit steht. Er ist einfach nicht modisch."

In Franken, wo häufig argwöhnisch auf die Altbayern-Dominanz im Bayerischen Fernsehen geschielt wird, lösten die Vorbereitungen für die neue "Tatort"-Reihe viel Presserummel und große Anteilnahme in der Bevölkerung aus. Hinrichs sah das stets gelassen. "Dadurch dass ich in der Figur neu nach Nürnberg komme, muss ich mich – was mögliches Method Acting angeht – nicht eigens mit der Stadt beschäftigen", sagt er. "Man muss nicht unbedingt Franke sein, um Leiter der Mordkommission in Nürnberg zu werden."

Presserummel nicht persönlich nehmen

Die erhöhte Aufmerksamkeit versuchte er so gut es ging zu ignorieren. "Ich freue mich, wenn sich die Franken freuen. Soweit es geht, versuche ich aber, mediales Interesse nicht zu beachten und sogar aktiv auszublenden", sagt Hinrichs. Presse-Aufmerksamkeit dürfe die persönliche Eitelkeit befeuern. "Jeder, der in der Öffentlichkeit steht, sollte sich bewusst sein, dass nicht er gemeint ist, sondern seine Funktion", sagt Hinrichs.

"Nürnberg hat eine 'hohe Spannkraft' – auf der einen Seite die hohe Arbeitslosigkeit, die tristen 60er-Jahre Bauten, auf der anderen die restaurierte lauschige Altstadt", sagt er über seine Einsatzort. "Die Stadt steht für mich paradigmatisch für die deutsche Geschichte an sich." Und dann ist er doch noch warm geworden in der Stadt. "Ich bin soweit das die Zeit zuließ mit dem Rad herumgefahren. Während der Dreharbeiten hatte ich eine schöne Dachwohnung in der Nordstadt."

"Tatort: Der Himmel ist ein Platz auf Erden" wird am Sonntag, 12. April, um 20:15 Uhr in der ARD erstausgestrahlt.

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