Kai Diekmann rät Vorstandsvorsitzenden: "Reden, reden, reden - und nicht die Presse bedrohen"

08.04.2015
 

Kai Diekmann gibt Vorstandsvorsitzenden in einem Interview mit Ursula Weidenfeld Tipps für ihren Umgang mit der (Boulevard-)Presse. Einem CEO, der gerade ins Amt gekommen ist, rät er "reden, reden, reden":  "Mein Rat ist immer, sich den Fragen und Erwartungen einer Öffentlichkeit offensiv zu stellen."

Kai Diekmann gibt Vorstandsvorsitzenden in einem Interview mit Ursula Weidenfeld Tipps für ihren Umgang mit der (Boulevard-)Presse. Einem CEO, der gerade ins Amt gekommen ist, rät er "reden, reden, reden": "Wenn ein neuer Chef an die Spitze der Deutschen Bank oder an die Spitze der Lufthansa tritt, wollen die Mitarbeiter, die Kunden wissen, wohin die Reise geht. Wofür steht der Neue, wohin führt er das Unternehmen? Mein Rat ist immer, sich diesen Fragen und Erwartungen einer Öffentlichkeit offensiv zu stellen."

Wirtschaftsführern empfiehlt der "Bild"-Chefredakteur a priori eine gewisse Distanz, was das Privatleben angeht: "Ich kann nicht die Scheinwerfer der Öffentlichkeit anknipsen, wenn ich mich darin sonnen will, und ausknipsen, wenn ich was zu verbergen habe."

Chefs von deutschen Unternehmen müssten sich mit der medialen Berichterstattung hierzulande schon auseinandersetzen, um zu verstehen, was die Menschen bewege. Ansonsten könne es zu großen Missverständnissen kommen. Diekmann nennt das Beispiel Josef Ackermann. Der ehemalige Vorstandschef der Deutschen Bank habe anfangs geglaubt, er könne das Unternehmen kommunikativ aus London führen. Das funktioniere natürlich nicht: "Aus der Londoner Perspektive kriegst du kein Gefühl dafür, wie Deutschland tickt", so Diekmann.

Lob für Bahn-Boss Grube

"Klug nach außen" verhält sich seiner Meinung nach Deutsche-Bahn-Boss Rüdiger Grube: "Der ist in der Form, wie er kommuniziert, gut. Er ist ruhig, geht auf seine Gesprächspartner zu, sucht einen echten Austausch. Die Leute vertrauen ja am Ende nicht unbedingt dem, der am lautesten ist oder den größten Unterhaltungswert in der Talkshow hat."

Sich mit Chefredakteuren anzufreunden, sei für einen Spitzenmanager keine gute Idee. Eine "strategische Freundschaft" nutze im Ernstfall nichts: "Ich werde keine Geschichte verhindern, die ins Blatt gehört, nur weil ich jemanden kenne und schätze. Ich empfehle immer: Redet direkt mit meinen Kollegen. Was ich meine, ist: Kommuniziert doch! Bei Vorstandsvorsitzenden ist es sehr hilfreich, wenn sie mit den Redaktionen sprechen: Redaktionsbesuche, Blattkritiken, Hintergrundgespräche. Am besten, bevor es ernst wird."

Der schlimmste Fehler ...

Was ist der schlimmste Fehler, den ein CEO im Umgang mit den Medien begehen kann? Diekmann: "Uns zu bedrohen. In dem Moment, wo ein Anwaltsschreiben von wem auch immer kommt, bin ich nicht mehr erreichbar. Ab dann geht alles an die Rechtsabteilung. Dann ist da mit mir nicht mehr zu reden. Egal, ob ich mit jemandem befreundet bin oder nicht."

Das Interview stammt aus dem Buch "Der CEO im Fokus - Lernen von den Besten für den richtigen Umgang mit der Öffentlichkeit" von Ursula Weidenfeld und Jan Hiesserich. "WirtschaftsWoche"-Redakteurin Claudia Tödtmann dokumentiert den Auszug im "WiWo"-Management-Blog.

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