Investigativjournalist ohne Handy: Warum Marvin Oppong auf Telefonzellen setzt

 

Zahlreiche Preise hat der Investigativjournalist Marvin Oppong abgeräumt. Gegen den WDR ist er mit Verweis auf das Informationsfreiheitsgesetz bis vor das Bundesverwaltungsgericht gezogen - und bekam Recht. Jetzt macht der gebürtige Münsteraner in anderer Sache von sich reden -

Zahlreiche Preise hat der Investigativjournalist Marvin Oppong abgeräumt. Gegen den WDR ist er mit Verweis auf das Informationsfreiheitsgesetz bis vor das Bundesverwaltungsgericht gezogen - und bekam Recht. Jetzt macht der gebürtige Münsteraner in anderer Sache von sich reden - er hat kein Handy, nicht mal ein privates.

Oppongs Weigerung, sich ein mobiles Telefon zuzulegen, hat mehrere Gründe.

"Der Hauptgrund für meine Handyverweigerung: Ich habe den Verdacht, dass Handystrahlung nicht gesund ist", schreibt der freie Journalist in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe von kress.de-Schwesterblatt "Wirtschaftsjournalist".

Stressfreier leben

Zudem, so Oppong, hätten lange Zeit die Kosten gegen das Mobiltelefon gesprochen: "Drittens finde ich Mobiltelefone nervig. Ich sage immer, dass ein Handy meistens klingelt, wenn man gerade an der Supermarktkasse steht. Und wenn man es mal ausgeschaltet hat, muss man sich später auch noch dafür rechtfertigen, dass man nicht permanent erreichbar ist. Ohne Mobiltelefon lebt man deutlich stressfreier", so Marvin Oppong.

Frage des Datenschutzes

Für Oppong ist es inzwischen aber auch eine Frage des Datenschutzes, kein Mobiltelefon einzusetzen: "Der vierte Grund ist der Datenschutz: Es ist zwar sehr kompliziert, aber nicht unmöglich, selbst bei herausgenommenem Akku das Mikrofon eines Handys zu aktivieren. Manche Smartphone-Apps spionieren unbemerkt Nutzer aus. Mir kann das nicht passieren. Informanten, mit denen ich mich treffe, dürfte das entgegenkommen, auch weil ich nicht ständig mittels sogenannter 'stiller SMS' zu orten bin. Bei den jüngsten Enthüllungen des Chaos Computer Clubs zu den Schwachstellen des UMTS-Netzes habe ich mir ehrlich gesagt ins Fäustchen gelacht. Man könnte sogar so weit gehen zu fragen, ob man als Journalist, der Datenschutz ernst nimmt, überhaupt ein Mobiltelefon haben darf."

Und wie arbeitet er dann, so ganz ohne ständige Erreichbarkeit?

Suche nach nächster Telefonzelle

Oppong gesteht, dass die Arbeit und das Leben ohne Handy anders verläuft - sein bester Freund ist da die Telefonzelle: "Wenn ich zum Beispiel einen Termin habe, muss ich pünktlich sein, da ich mich sonst nicht schnell genug melden kann und mein Gegenüber im Regen stehen lasse. Es ist schon einige Male vorgekommen, dass ich zu spät dran war und dann ein echtes Problem hatte, weil keine Telefonzelle in der Nähe war oder ich kein Kleingeld parat hatte."

So ganz günstig ist Oppongs Telefonlosigkeit übrigens nicht. So kostet der Anruf von der Telefonzelle aufs Festnetz inzwischen 50 Cent, aufs Handy sogar ein Euro, auch vom Festnetz sieht es nur wenig besser aus: "Da Anrufe auf Handys bei den meisten Handyverträgen viel preiswerter sind als über einen normalen Festnetzanschluss, habe ich inzwischen Hunderte, wenn nicht Tausende Euros für Anrufe auf Handys vom Festnetz aus ausgegeben."

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