4,2 Millionen Euro: Was die Funke-Manager verdienen

 

Massenentlassungen, die Schließung einer kompletten Zeitungsredaktion - und im Sommer dann die Ankündigung, von Axel Springer Zeitungen und Zeitschriften zu übernehmen. 2013 war ein Jahr der Umbrüche für die Funke Mediengruppe -

Massenentlassungen, die Schließung einer kompletten Zeitungsredaktion - und im Sommer dann die Ankündigung, von Axel Springer Zeitungen und Zeitschriften zu übernehmen. 2013 war ein Jahr der Umbrüche für die Funke Mediengruppe - für die Geschäftsführer sogar ein Lohnendes.

Direkt im Januar 2013 kündigte die Geschäftsführung die Schließung der Redaktion der defizitären "Westfälischen Rundschau" an, 120 Arbeitsplätze gingen für immer verloren, sollten "sozialverträglich" abgebaut werden. Der damalige und heutige Geschäftsführer Manfred Braun sagte: "Wir wissen, dass das für die Betroffenen und ihre Familien sehr hart ist, aber wir sehen im Interesse des gesamten Unternehmens leider keine andere Möglichkeit."

Sommer 2013: Kauf von Springer-Titeln

Im Sommer erfolgte dann die Ankündigung, von Axel Springer die Zeitungen und Zeitschriften zu erwerben. Springer-Chef Mathias Döpfner erklärte in einem Schreiben an die Springer-Belegschaft, warum sich Springer von den Traditionstiteln wie "Hamburger Abendblatt" (Chefredakteur: Lars Haider), "Berliner Morgenpost" (Chefredakteur: Carsten Erdmann), "Hörzu" (Chefredakteur: Christian Hellmann) und "Bild der Frau" (Chefredakteurin: Sandra Immoor) trennt: "Die Regionalzeitungs- und die Zeitschriftenmärkte stehen vor einem großen Konsolidierungsprozess. Nur große Gruppen und Einheiten können es schaffen, dauerhaft zu überleben, weil in diesen Verbünden die nötigen gemeinsamen Strategien erarbeitet und Kosteneffekte erzielt werden können. Das wird dazu führen, dass einige Verlage Titel verkaufen, andere werden hinzukaufen. Wir haben viele Jahre geprüft, ob wir Zeitungen und Zeitschriften dazukaufen können. Das ging häufig deshalb nicht, weil wir aus Sicht des Kartellamtes allein schon mit Bild eine zu starke Marktstellung besitzen."

Sogar Axel-Springer-Witwe Friede Springer sagte später in einer ihren seltenen Interviews in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", der Verkauf sei "unumgänglich": "Das Alte ist vergangen, wirklich vergangen."

Umsatz 2013: 929 Millionen Euro

2013 betrug der Umsatz der Funke Mediengruppe 929 Millionen Euro, das EBITA 105,6 Millionen Euro. Das geht aus dem Konzernabschluss 2013 hervor, der im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde.

4,2 Millionen Euro für Manfred Braun und Co.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, was Funke-Manager Manfred Braun und seine damaligen Co-Geschäftsführer Thomas Ziegler und Christian Nienhaus verdient haben: "Die Gesamtbezüge der Mitglieder der Gruppengeschäftsführung einschließlich der Wahrnehmung ihrer Aufgaben in Tochterunternehmen betragen 4,2 Millionen Euro", heißt es in der Veröffentlichung.

Wenn man davon ausgeht, dass mindestens ein Drittel der Bezüge in diesen Managementpositionen variable Lohnbestandteile sind, gehört das Grundgehalt der Funke-Manager mit fast einer Million Euro zu den Top-Positionen in der deutschen Verlagslandschaft - mal abgesehen von Axel Springer und Geschäftsführern, denen die Zeitung auch persönlich gehört.

Interessant an der Veröffentlichung ist übrigens auch, wie hoch die Bezüge früherer Mitglieder der Gruppengeschäftsführung sowie deren Hinterbliebenen betragen: 2,1 Millionen Euro. Zudem wurden insgesamt 29,3 Millionen Euro für Pensionsverpflichtungen zurückgestellt. Frühere Geschäftsführer waren unter anderem Günther Grotkamp und der ehemalige Bundesminister und SPD-Politiker Professor Bodo Hombach, Träger des Ordens Mérite Européen, Beirat unter anderem von ProSiebenSat.1 und Deloitte Deutschland.

Auf Nachfrage wollte die Funke-Pressestelle die Zahlen gegenüber kress.de nicht kommentieren.

Hintergrund

Am 1. Mai 2014 hatte Funke von Springer für 920 Millionen Euro ein Paket aus Frauen- und TV-Zeitschriften sowie Tageszeitungen übernommen. Der Kauf war bereits im Sommer 2013 vereinbart worden, konnte aber wegen Auflagen des Bundeskartellamts erst im Frühjahr vollzogen werden.

Seit Anfang 2012 hat sich das Medienhaus mit Sitz in Essen stark verändert. Petra Grotkamp hatte damals den 50-Prozentanteil der Erben des Verlags-Mitgründers Erich Brost übernommen und war damit Mehrheitsgesellschafterin geworden. Geschäftsführer Hombach schied aus, Christian Nienhaus übernahm die Unternehmensführung alleine. Ab August 2012 gab es vorübergehend eine Dreierspitze aus Nienhaus, Braun und Thomas Ziegler, bis Nienhaus im Februar 2014 ausschied. Seit Anfang 2015 ist Christian Nienhaus wieder bei Axel Springer fest im Sattel.

Auch redaktionell gab es Veränderungen, nicht nur durch die Übernahme der Springer-Titel. 2009 hatte der Verlag bei seinen NRW-Titeln "WAZ", "Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung" (Chefredakteur: Manfred Lachniet, Herausgeber: Heinrich Meyer), "Westfalenpost" (Chefredakteur: Jost Lübben) und "Westfälische Rundschau" (Chefredakteur: Malte Hinz) 290 Stellen abgebaut. Zum Unternehmen gehört in Nordrhein-Westfalen unter anderem auch noch das Traditionsblatt "Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung" (Chefredakteur: Thomas Reunert).

2013 war dann die Redaktion der "Westfälischen Rundschau" mit 120 Stellen komplett geschlossen worden. 2014 verließ der langjährige "WAZ"-Chefredakteur Ulrich Reitz Funke - er ist heute Chefredakteur des "Focus". Sein Nachfolger bei der "WAZ" ist Andreas Tyrock, stellvertretender Chefredakteur ist Alexander Marinos.

Heute verlegt die Funke Mediengruppe Zeitungen in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Berlin, Niedersachsen ("Braunschweiger Zeitung", Chefredakteur: Armin Maus, Geschäftsführer: Harald Wahls) und Thüringen ("Thüringer Allgemeine", Chefredakteur: Paul-Josef Raue; "Thüringische Landeszeitung", Chefredakteur: Bernd Hilder; "Ostthüringer Zeitung", Chefredakteur: Jörg Riebartsch).

Funke-Mehrheitsgesellschafterin Petra Grotkamp, eine Tochter des Verlags-Mitgründers Jakob Funke, ist seit Anfang 2015 Vorsitzende des Aufsichtsrates. An der Spitze des Unternehmens steht neben dem Zeitschriften-Experten Manfred Braun nun der Zahlenexperte Michael Wüller, ein enger Vertrauter von Petra Grotkamp und ihren drei Kindern; sein Vorgänger Thomas Ziegler verließ das Haus Ende 2014 in Richtung Aldi Süd.

Den Konzernabschluss 2013 hat übrigens RLT Ruhrmann Wüller & Partner WPG/StBG verantwortet. Das Honorar für die Abschlussprüfer betrug 1,8 Millionen Euro - aus dem Prüfer Wüller wurde der Geschäftsführer Wüller. Auch eine ungewöhnliche Karriere.

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