Trotzdem 9,5 Millionen Euro für Gesellschafter: SWMH zieht auch Medien Union 2013 ins Minus

14.04.2015
 

Verluste sind bei der Medien Union eigentlich nicht vorgesehen. Der Großverlag aus Ludwigshafen, der hinter der dort verlegten Regionalzeitung "Rheinpfalz" steht, aber auch die Chemnitzer "Freie Presse" sowie jede Menge Radiosender und Anzeigenblätter zu seinen Vertriebskanälen zählt und sich jetzt auf der anderen Rheinseite den "Mannheimer Morgen" einverleiben will, konnte ein Minus im Jahr 2013 dennoch nicht vermeiden.

Verluste sind bei der Medien Union eigentlich nicht vorgesehen. Der Großverlag aus Ludwigshafen, der hinter der dort verlegten Regionalzeitung "Rheinpfalz" steht, aber auch die Chemnitzer "Freie Presse" sowie jede Menge Radiosender und Anzeigenblätter zu seinen Vertriebskanälen zählt und sich jetzt auf der anderen Rheinseite den "Mannheimer Morgen" einverleiben will, konnte ein Minus im Jahr 2013 dennoch nicht vermeiden.

Das geht aus der jetzt im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernbilanz hervor, die sich kress.de angeschaut hat.

SWMH zieht Medien Union in die Miesen

Mehr als 90 Tochterunternehmen gehen in das Ergebnis der Medien Union ein, darunter so bekannte wie der Westermann Schulbuchverlag aus Braunschweig (Geschäftsführer: Ralf Halfbrodt). Eines hat gereicht, damit 2013 unter dem Strich ein Minus von 5,63 Millionen Euro steht: Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), zu 47,5409 Prozent im Besitz des Ludwigshafener Konzerns. Geschäftsführer dort sind Richard Rebmann und Alexander Paasch.

Noch 2012 hatte die Medien Union 34,5 Millionen erwirtschaftet, 2011 waren es sogar 40,6 Millionen gewesen.

Die SWMH ist der eigentlich noch größere Medienkonzern, dessen Geschäfte zwar ähnlich breit aufgestellt sind wie bei den Ludwigshafenern, der aber ganz überwiegend sein Kerngeschäft in der Zeitung hat. Zur Südwestdeutschen Medienholding gehören unter anderem "Stuttgarter Zeitung" (Chefredakteur: Joachim Dorfs), "Stuttgarter Nachrichten" sowie "Sonntag Aktuell" (Chefredakteur: Christoph Reisinger), "Schwarzwälder Bote" (Chefredakteur: Hans-Peter Schreijäg), Zeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl (Chefredakteur "Frankenpost" und "Neue Presse" Coburg: Johann Pirthauer; Chefredakteur "Freies Wort", "Südthüringer Zeitung" und "Meininger Tageblatt": Walter Hörmann) und schließlich die "Süddeutschen Zeitung" (Chefredakteure: Kurt Kister, Wolfgang Krach). Die SWMH hat 2013 mit einem Fehlbetrag von 71,4 Millionen abschlossen, also ein noch weitaus größeres Minus produziert als die Pfälzer. Deshalb musste die Medien Union verdreifachte "Aufwendungen an assoziierten Unternehmen" verbuchen. Dafür sei, so heißt es im Jahresabschluss unmissverständlich, "ganz überwiegend die SWMH" verantwortlich. Ansonsten formuliert man dort Geschäftsentwicklung weit weniger deutlich.

Umsatzminus bei Anzeigen- und Druckereigeschäft

Wie sich die Strukturkrise der Zeitungsbranche im Ergebnis des Konzerns aus Ludwigshafen niederschlägt, lässt sich deshalb nur sehr beschränkt erkennen. Klar ist: Die insgesamt 2-prozentige Umsatzsteigerung bis auf 562,9 Millionen Euro geht auch auf das Konto eines Zukaufs, der die Verlags- und Vertriebserlöse um 6,1 Prozent ansteigen ließ. Im Anzeigen- und Druckereigeschäft verbuchte die Medien Union dagegen ein Umsatzminus von 2 Prozent.

Die Südwestdeutsche Medienholding büßte 2013 dagegen insgesamt 84 Millionen Euro Umsatz zum Vorjahr ein (auf 871 Millionen), doch die Dramatik täuscht, weil der Löwenanteil des Rückgangs seine Ursache in der noch Ende 2012 verkauften Beteiligung an der "Märkischen Oderzeitung" (Chefredakteur: Frank Mangelsdorf) hat. Auf vergleichbarer Basis fielen die Umsatzerlöse um 3,1 Prozent, wie der Abschluss der Stuttgarter ausweist. Eine solche Vergleichsgröße liefert die Medien Union nicht. Dort heißt es lediglich: "Die Umsatzrückgänge im Anzeigen-, Druckerei- und Schulbuchbereich ... konnten durch Verlagsumsätze aus einer Firmenübernahme überkompensiert werden."

Strukturwandel setzt sich fort

Die SWMH dagegen konzediert "deutlich unter Vorjahr" liegende Werbeerlöse bei der "Süddeutschen" und sinkende Anzeigenumsätze bei den Regionalzeitungen. Der Schwund der Leserschaft immerhin sei mit Preiserhöhungen annähernd aufgefangen worden. Doch der Strukturwandel wird sich fortsetzen: Die Wende für 2014 erwarten die Schwaben nicht. Unabhängig von weiteren Restrukturierungen sei mit einem operativen Ergebnis "deutlich unter dem Niveau" von 2013 zu rechnen. Die Medien Union rechnet dagegen mit stetigen Betriebsergebnissen bis in das laufende Geschäftsjahr 2015 hinein.

Der Konzernfehlbetrag der SWMH von 2013, der auf außerplanmäßige Abschreibungen zurückzuführen war, soll ein Ausrutscher bleiben. Es besteht also begründete Hoffnung, dass die Medien Union für 2014 wieder schwarze Zahlen präsentieren kann. Die Tilgung der Schulden, die die Schwaben mit der Mehrheitsübernahme der SZ angehäuft haben, werden die SWMH wohl noch einige Zeit begleiten. Mit Portfoliobereinigungen soll frisches Geld hereinkommen, dass die Zeitungen derzeit nur bedingt abwerfen.

Medien Union steht besser da

Finanziell zumindest steht die Medien Holding besser da. Während ihre Stuttgarter Beteiligung Ende 2013 auf eine Nettoverschuldung von 273,5 Millionen Euro kommt, standen bei der Medien Union zum gleichen Zeitpunkt "sonstigen Verbindlichkeiten" (die auch latente Steuern enthalten) von 184,5 Millionen Euro einem Kassenbestand von 295,7 Millionen Euro gegenüber - mit der Übernahme des "Mannheimer Morgens" (Chefredakteur: Dirk Lübke) dürfte sich das allerdings ändern.

Die Anteilseigner der "Rheinpfalz" (Chefredakteur: Michael Garthe) und "Freie Presse" Chemnitz (Chefredakteur: Torsten Kleditzsch) haben ihren Gürtel 2013 nur wenig enger geschnallt. Trotz Verlustes genehmigten sie sich eine Ausschüttung von knapp 9,5 Millionen Euro - 11,1 Millionen waren es im noch profitablen Jahr 2012 gewesen.

Mehrheitsgesellschafter der Medien Union sind Dieter Schaub und seine Söhne Thomas Schaub sowie Michael Schaub. Weitere Gesellschafter sind die Erben der weiteren Gründerfamilien Lenk, Wipprecht, Resch und Nagel.

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