Malte Hinz verlässt Funke Mediengruppe: "Westfälische Rundschau" jetzt auch ohne Chefredakteur

 

Für die Gewerkschaften ist die "Westfälische Rundschau" nur noch die "Zombie-Zeitung". Jetzt verliert die Tageszeitung mit Stammsitz Dortmund auch ihren Chefredakteur. Am Mittwochmorgen hat die Funke Mediengruppe die exklusive kress.de-Personalie von Dienstagabend bestätigt.

Für die Gewerkschaften ist die "Westfälische Rundschau" nur noch die "Zombie-Zeitung". Jetzt verliert die Tageszeitung mit Stammsitz Dortmund auch ihren Chefredakteur. Am Mittwochmorgen hat die Funke Mediengruppe dann die exklusive kress.de-Personalie von Dienstagabend bestätigt.

Seit 1977 bei "WR"

Malte Hinz, Jahrgang 1953, kam 1977 zur "WR". Damals gehörte das frühere SPD-Blatt bereits zum "WAZ"-Reich, eine Erfindung von Zeitungs-Manager Günther Grotkamp. Dessen schlichtes, aber Jahrzehnte erfolgreiches Rezept - Ellenbogen raus, Preise für Abos runter. In den 1970er Jahren war der Preiskampf unter den Ruhrgebiets-Zeitungen mörderisch, alleine wäre die "Westfälische Rundschau" (Auflage zum 1. Januar 1975: 223.000 Exemplare) schon damals nicht mehr überlebensfähig gewesen und hätte wohl eingestellt werden müssen. Nur der Unterschlupf bei der "WAZ" Mitte der 1970er Jahre, die damals alleine eine verkaufte Auflage 754.000 Exemplaren hatte, ermöglichte ihr Weiterleben.

Seit dem 2. Februar 2013 erscheint die "Westfälische Rundschau" als Zeitung, deren Inhalt fast ausschließlich mit Fremdstücken bestückt wird. Lokalausgaben geben neben der Funke Mediengruppe inzwischen auch Fremdverlage heraus, die sich dafür die Titelrechte in ihrem Verbreitungsgebiet gesichert haben. Die komplette Redaktion wurde vor die Tür gesetzt, nur ein kleines Team um Chefredakteur Malte Hinz sorgte für einige eigene "WR"-Inhalte.

Nach Informationen von kress.de ist Malte Hinz nun nicht mehr Chefredakteur der "Westfälischen Rundschau", die er seit dem 5. Dezember 2008 führte.

Hintergrund: Funke Mediengruppe

Seit Anfang 2012 hat sich die Funke Mediengruppe (früher: WAZ Mediengruppe) mit Sitz in Essen stark verändert. Petra Grotkamp hatte damals den 50-Prozentanteil der Erben des Verlags-Mitgründers Erich Brost übernommen und war damit Mehrheitsgesellschafterin geworden. Geschäftsführer Professor Bodo Hombach schied aus, Christian Nienhaus übernahm die Unternehmensführung alleine. Ab August 2012 gab es vorübergehend eine Dreierspitze aus Nienhaus, Manfred Braun und Thomas Ziegler, bis Nienhaus im Februar 2014 ausschied. Er kehrte Anfang 2015 zurück zu Axel Springer.

Veränderungen bei den Tageszeitungen

2009 hatte der Verlag bei seinen NRW-Titeln "WAZ", "Neue Ruhr Zeitung / Neue Rhein Zeitung" (Chefredakteur: Manfred Lachniet, Herausgeber: Heinrich Meyer), "Westfalenpost" (Chefredakteur: Jost Lübben) und "Westfälische Rundschau" 290 Stellen abgebaut. Zum Unternehmen gehört in Nordrhein-Westfalen unter anderem auch noch das Traditionsblatt "Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung" (Chefredakteur: Thomas Reunert).

2013 war dann die Redaktion der "Westfälischen Rundschau" mit 120 Stellen komplett geschlossen worden; der Journalismus in der Region verlor eine wichtige, unabhängige Stimme. 2014 verließ der langjährige "WAZ"-Chefredakteur Ulrich Reitz die Funke Mediengruppe - er ist heute Chefredakteur vom "Focus" (Herausgeber: Uli Baur, Helmut Markwort; Geschäftsführer: Burkhard Graßmann, Andreas Mayer). Nachfolger von Reitz bei der "WAZ" ist Andreas Tyrock, stellvertretender Chefredakteur ist Alexander Marinos.

Am 1. Mai 2014 übernahm Funke von Springer für 920 Millionen Euro ein Paket aus Frauen- und TV-Zeitschriften sowie Tageszeitungen; der Kauf war bereits im Sommer 2013 vereinbart worden, konnte aber wegen Auflagen des Bundeskartellamts erst im Frühjahr 2014 vollzogen werden.

Heute verlegt die Funke Mediengruppe Tageszeitungen in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Berlin, Niedersachsen ("Braunschweiger Zeitung", Chefredakteur: Armin Maus, Geschäftsführer: Harald Wahls) und Thüringen ("Thüringer Allgemeine", Chefredakteur: Paul-Josef Raue; "Thüringische Landeszeitung", Chefredakteur: Bernd Hilder; "Ostthüringer Zeitung", Chefredakteur: Jörg Riebartsch). Zum Unternehmen gehören auch "Hamburger Abendblatt" (Chefredakteur: Lars Haider) und "Berliner Morgenpost" (Chefredakteur: Carsten Erdmann).

Lob von Funke-Geschäftsführer Manfred Braun

Am Mittwochmorgen bestätigte die Funke Mediengruppe dann die kress.de-Berichterstattung offiziell.

Hinz, heißt es in der offiziellen Mitteilung des Essener Verlagshauses, werde zum 1. Mai 2015 ausscheiden, um sich künftig neuen Aufgaben in Lehre, Beratung und Publizistik zu stellen. Funke-Geschäftsführer Manfred Braun findet viele lobende Worte für Hinz, der von 1984 bis 2008 Betriebsratsvorsitzender bei der WR war und von 2004 bis 2008 sogar Bundesvorsitzenden der Deutschen Journalisten-Union (dju) in ver.di.

Manfred Braun: "Malte Hinz hat die Führung der Westfälischen Rundschau in schwerer Zeit übernommen. Er hat sich mit ganzer Kraft für sein Blatt eingesetzt. Insbesondere die Ausbildung junger Kollegen lag ihm am Herzen. Für sein Engagement danken wir ihm sehr und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute."

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