Michl Müller vor seinem ersten ARD-Comedy-Einsatz: "Eine rundum manipulierte Ranking-Show"

 

Die Frankenwelle rollt weiter: Nach dem grandiosen ARD-Einstand für das Nürnberger "Tatort"-Team fordert nun Michl Müller die Dialekttoleranz der TV-Republik ein. In der Ex-"Beckmann"-Donnerstagnacht, in der mittlerweile gelacht werden darf/soll, hält Michl Müller den Programmverantwortlichen den Zerrspiegel vor - mit einer Abzählshow. "Ich führe durch die erste rundum manipulierte Ranking-Show", so der BR-Komiker im kress.de-Interview.

Die Frankenwelle rollt weiter: Nach dem grandiosen ARD-Einstand für das Nürnberger "Tatort"-Team fordert nun Michl Müller die Dialekttoleranz der TV-Republik ein. In der Ex-"Beckmann"-Donnerstagnacht, in der mittlerweile gelacht werden darf/soll, hält Michl Müller den Programmverantwortlichen den Zerrspiegel vor - mit einer Abzählshow. "Ich führe durch die erste rundum manipulierte Ranking-Show", so der BR-Komiker im kress.de-Interview.

Salz in die Wunden der "Deutschlands Beste"-Verantwortlichen

"Ranking-Shows", so Müller, "gibt’s im Ersten schon mehr als genug – nur so eine nicht." Natürlich sucht er mit "Drei. Zwo. Eins. Michl Müller" die Provokation und streut gerne noch mal Salz in die Wunden der Verantwortlichen für den ZDF-Skandal um "Deutschlands Beste" oder die umgestellten Ranglisten von "schönen Talsperren" & Co. in den ARD-Dritten. Deswegen ist er regelrecht stolz auf seine "manipulierte Ranking-Show", sagt Müller. "Das Besondere dabei ist nur: Jeder weiß, dass sie frisiert wurde – und zwar von mir."

Beiläufig führt er natürlich vor, wie einfallslos so die Idee der Abzähl-Sendungen, die Moderatoren wie Oliver Geissen oder Sonja Zietlow in Lohn und Brot halten. Trotz Beliebigkeit und Stumpfsinn entfalten sie auf widerstandsarme Zuschauerschichten eine Sogwirkung. "Man schaut sich so was ja an, auch wenn man’s eigentlich nicht sehen will – nur um zu erfahren, wer auf der Eins gelandet ist", sagt Michl Müller zu kress.de.

Immer wieder nervt Frau Nahles

Fast tagesaktuell arbeitet sich der bekennende "Dreggsagg", der sonst auf Kabarett- und Kleinkunstbühnen unterwegs ist und sein Markenzeichen auf der T-Shirt-Brust trägt, am Weltgeschehen und am Berliner Betrieb ab. "Auf jeden Fall Politik – und alles, was sich sonst anbietet", lautet Müllers Auswahl-Devise. "Es kommt nicht so oft vor, dass mir etwas durch die Lappen geht." Dabei gibt es im Negativ-Ranking auch gerne Wiedergänger und alte Bekannte. "Frau Nahles ist doch jede Woche für einen Knaller gut."

Häufig würde Müller in der Vorbereitungsphase die Uhr gerne mal anhalten - wenn sich besonders "dankbare" Meldungen ergeben. "Helmut Schmidt wird mit 94 Jahren zum Womanizer", war so ein Thema. "Meine erste Reaktion: Was, der kommt neben dem Rauchen noch zu was anderem?", so Müller. Dafür arbeitet er täglich einen Stoß Zeitungen durch. Notizen muss er sich angeblich keine machen. "Wenn ich was vergessen habe, dann war’s nicht so gut", sagt er gegenüber kress.de zur Themenfindung.

"Regionalproporz hochhalten"

Mit dem Franken auf der Mitternacht-Comedy-Schiene möchte die ARD Farbe bekennen. "Ich sehe schon, dass ich das Fränkische hochhalten soll", erklärt Müller, der auch beim BR oft als Ausgleich gegen allzu viel Altbayerisches programmiert wird. "Es wird schon einiges getan, um den Regionalproporz hochzuhalten", so der Lakoniker aus Bad Kissingen. "Die Franken wird’s freuen."

Gleichzeitig hat ihn auch die Quotenversessenheit der Programmverantwortlichen ins ARD-Hauptprogramm gespült. Immerhin ist Michl Müller seit Jahren eines der Zugpferde der BR-Kabarettsendung "Fastnacht in Franken", die zuletzt 3,90 Mio Zuschauer bundesweit bei Laune hielt. "Veitshöchheim war für mich ein Sprungbrett", so Michl Müller. "Rund 50 Prozent der Bayern sitzen an dem Abend ja vor dem Fernseher. Dort aufzutreten, hat sich schon rentiert."

Hochgeschnellt übers Sprungbrett Franken-Fastnacht

Auf seine Rolle als Karnevalist möchte er natürlich nicht reduziert werden. Er will die ARD-Chance nutzen, seine Visitenkarten breiter zu verteilen. "Ich bin Vollzeitkabarettist und stehe das ganze Jahr über auf der Bühne", so Müller. "Jetzt soll der Rest der Bundesrepublik wissen, dass ich Kabarett und nicht nur Fastnacht kann."

Ob ihn die erhöhte Aufmerksamkeit in der ARD - raus aus der BR-Nische - ein wenig einschüchtert? "Eigentlich nicht", so Michl Müller. "Wenn ich erst mal auf der Bühne draußen bin, denke ich nicht mehr darüber nach, ob da jetzt ein paar Millionen zusehen." 

Plant die ARD neue feste Comedy-Reihen?

Auch wenn bislang nicht alles wirklich komisch war, was donnerstags gesendet wurde, verknüpfen alle Testläufer - zuletzt aus dem BR-Stall auch Hannes Ringlstetter - natürlich Hoffnungen mit dem Sendeplatz. "Das Erste probiert derzeit sehr viel aus, vielleicht entwickelt sich daraus ja eine regelmäßige Sendung", so Michl Müller. "Ich will die Sendungen gut hinbekommen – dann wird man sehen."

"Drei. Zwo. Eins. Michl Müller" wird vier Mal donnerstags, am 16., 23. und 30. April sowie am 5. Mai im Ersten ausgestrahlt.

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