"Es wird noch Jahre dauern": Wie schwer der "Mannheimer Morgen" mit dem Strukturwandel zu kämpfen hat

17.04.2015
 

Die Medien Union aus Ludwigshafen hat Interesse an der Übernahme des "Mannheimer Morgen". Dessen Mutterkonzern aber leidet massiv unter dem Strukturwandel der Zeitungsbranche. 2013 haben die Zeitungen der Dr. Haas-Mediengruppe vor Steuern gerade noch 1,1 Millionen Euro Ertrag erwirtschaftet, knapp ein Drittel des Betriebsgewinns der Gruppe. Der Konzern räumt in seiner Bilanz ein, die kress.de sich angeschaut hat, es werde Jahre dauern,

Die Medien Union aus Ludwigshafen hat Interesse an der Übernahme des "Mannheimer Morgen". Dessen Mutterkonzern aber leidet massiv unter dem Strukturwandel der Zeitungsbranche. 2013 haben die Zeitungen der Dr. Haas-Mediengruppe vor Steuern gerade noch 1,1 Millionen Euro Ertrag erwirtschaftet, knapp ein Drittel des Betriebsgewinns der Gruppe. Der Konzern räumt in seiner Bilanz ein, die kress.de sich angeschaut hat, es werde Jahre dauern, bis eine Strategie "zur Erhaltung der Ertragskraft der Gruppe" greife.

Strukturkrise hat "Mannheimer Morgen" voll im Griff

Dass Banken und Versicherungen als größter Einzelgesellschafter eines privaten Medienkonzerns auftreten, noch dazu solche, die sich ganz oder teilweise im Staatsbesitz befinden, ist eher ungewöhnlich. Vielleicht will die Beteiligungsgesellschaft BWK ja auch deshalb aus der Dr. Haas-Mediengruppe (Geschäftsführer: Björn Jansen) aussteigen, die hinter dem "Mannheimer Morgen" (Chefredakteur: Dirk Lübke) steht. 21 Prozent hält derzeit das Vehikel BWK, das unter anderem zwei Versicherungen des Wüstenrot-Konzerns, der LBBW und der staatlichen Förderbank L-Bank gehört.

Für Aufsehen sorgte jüngst aber die Nachricht vom potenziellen Käufer ihrer Anteile: Die Medien Union (Geschäftsführer: Thomas Schaub, Oliver C. Dubber) aus dem unmittelbar benachbarten Ludwigshafen wollen die "Mannheimer Morgen"-Anteile übernehmen. Auf der anderen Rheinseite gibt der Konzern unter anderem die "Rheinpfalz" (Chefredakteur: Michael Garthe; Geschäftsführer: Holger Martens) heraus. Wenn das Bundeskartellamt zustimmt und die Familiengesellschafter des Morgen ihr Vorkaufsrecht nicht wahrnehmen, dann ist der ungleich größere Konkurrent aus der BASF-Stadt bald mit knapp unter 30 Prozent beteiligt.

In ein Wachstumsunternehmen würden sich die Pfälzer nicht einkaufen. Die Muttergesellschaft des "Mannheimer Morgen", die publizistisch Teile des Rhein-Neckar-Dreiecks kontrolliert, kämpft seit Jahren mit sinkenden Anzeigenerlösen. Um 7 Prozent gingen diese Einnahmen alleine 2013 zurück, wie aus der jetzt im Bundesanzeiger veröffentlichten Bilanz hervorgeht. 2012 hatte das Minus gar bei 7,7 Prozent gelegen. Dem Strukturwandel im Zeitungsgeschäft als Folge der Digitalisierung - der Konzern erwähnt ihn in seiner Bilanz explizit als Risiko - will man mit einer langfristigen Strategie "zur Erhaltung der Ertragskraft der Gruppe" begegnen. Die aber wird nach eigener Einschätzung erst mittelfristig greifen.

Allen bisherigen Sparmaßnahmen zum Trotz, ließen sich die Kosten 2013 nicht in dem Maße drücken, wie die Erlöse sinken. Ein Blick in die Zahlen zeigt das Problem: So sank der Gesamtumsatz um 3,3 Prozent auf 97,98 Millionen Euro, und unter dem Strich blieben davon 2,25 Millionen, ganze 44 Prozent weniger als noch im Jahr zuvor. Dabei war der Materialaufwand um 3,3 Prozent gesenkt und die Belegschaft verkleinert worden. Als Sondereffekt belastete allerdings, dass die "Financial Times Deutschland" Ende 2012 ihr Erscheinen eingestellt und die Druckerei damit einen Großauftrag verloren hatte, der sich mit Einsparungen nicht kompensieren ließ.

Erstmals Vertriebserlöse höher als Anzeigenerlöse

Nach wie vor rückläufig entwickeln sich die Abozahlen der Dr. Haas-Mediengruppe, zu der neben dem "Mannheimer Morgen" auch die "Fränkischen Nachrichten" (Tauberbischofsheim, Chefredakteur: Dieter Schwab, Gesamtredaktionsleiter: Jürgen Strein; Geschäftsführer: Michael Grethe), die "Schwetzinger Zeitung" (Schwetzingen, Chefredakteur: Jürgen Gruler) und "Bergsträßer Anzeiger" (Bensheim, Publizistische Leitung: Karl-Heinz Schlitt) gehören. Doch gelingt es dem Konzern, den Auflagenverlust mit erhöhten Kaufpreisen überzukompensieren. Die Strategie wird seit Jahren gefahren und verschiebt die Gewichte der beiden Erlösquellen Anzeigenverkauf und Zeitungsvertrieb. Erstmalig 2013 machte die Mediengruppe aus Mannheim im Zeitungsgeschäft jetzt mehr Umsatz mit dem Verkauf der Blätter als mit dem Verkauf von Anzeigen.

Gleichwohl läuft das Zeitungsgeschäft der Haas-Mediengruppe nicht gut: Gerade 1,1 Millionen Euro steuerte es 2013 noch zum Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit bei, das im Konzern mit 3,62 Millionen angegeben wurde. 2012 waren es noch 3,3 Millionen gewesen, damals mehr als die Hälfte des gesamten Betriebsgewinns. Dass sich die Geschäftsführung Sorgen um die langfristige Ertragskraft des Medienunternehmens aus Mannheim macht, ist angesichts der Renditeentwicklung verständlich. Nicht nur der Umsatz sinkt, sondern im Verhältnis auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit: 2013 lag es bei 3,5 Prozent - nach 5,3 Prozent 2012 und 5,7 Prozent 2011.

Die Marge der benachbarten Medien Union hat im vorvergangenen Jahr allerdings noch mehr gelitten: Ein Verlust der Südwestdeutschen Medienholding (Geschäftsführer: Richard Rebmann, Alexander Paasch), an der die Medien Union mit 47,5409 Prozent beteiligt ist, drückte sie bis auf 3,0 Prozent. 2012 - und das war in den Vorjahren die Regel - warf das Geschäft der Medien Union 10,3 Prozent des Umsatzes als Ertrag ab.

Dass LBBW & Co ihre Anteile versilbern wollen, kann an der Renditeentwicklung nicht liegen. Die Gesellschafter des Mannheimer Morgens genehmigten sich ungeachtet der schwachen Zahlen eine Ausschüttung von 3,8 Millionen Euro - wie im Jahr zuvor. Finanziell solide steht der Mutterkonzern des Morgen dennoch da: Bankkrediten im Volumen von 11,4 Millionen Euro standen Ende 2013 liquide Mittel von 13,4 Millionen gegenüber.

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