Zeitungen ziehen gegen Fußball-Verband vor Gericht: Wer darf beim Amateurfußball filmen?

21.04.2015
 

Es könnte so einfach sein: Videoteams filmen die Fußballspiele der Amateure, kooperieren mit regionalen Medien und stellen die Beiträge ins Internet - und alle sind glücklich und zufrieden, Vereine, Medien und Betreiber von Internetportalen. Den Spielverderber gibt in Süddeutschland der Bayerische Fußball-Verband. Der will die Berichterstattung kontrollieren,

Es könnte so einfach sein: Videoteams filmen die Fußballspiele der Amateure, kooperieren mit regionalen Medien und stellen die Beiträge ins Internet - und alle sind glücklich und zufrieden, Vereine, Medien und Betreiber von Internetportalen. Den Spielverderber gibt in Süddeutschland der Bayerische Fußball-Verband. Der will die Berichterstattung kontrollieren, die Medien laufen Sturm.

Tatort Bayern

In Bayern sollen Videoteams künftig nur noch unter bestimmten Voraussetzungen am Spielfeldrand der Amateure filmen dürfen. Denn der BFV möchte die Berichterstattung über Regional, Bayern-und Landesliga kontrollieren und Lizenzen verteilen. Konkret heißt das: Medien dürfen nur dann noch filmen, wenn sie dafür zahlen oder dem BFV die Videos kostenlos und ohne Quellenangabe zur Verfügung stellen. Eine Forderung, die der Fußballverband, der jährlich eine halbe Million an Fördergeldern vom Freistaat Bayern erhält, nicht stellen darf.

Nutzt BFV Monopol aus?

"Der Bayerische Fußball-Verband ist insbesondere für die Organisation des Breitensports Fußball zuständig. Dafür bekommt er nicht zuletzt vom bayerischen Innenministerium viel Geld. Jetzt setzt er aber die Möglichkeiten seiner gemeinnützigen Verbandstätigkeit unrechtmäßig für eigene kommerzielle Interessen ein", sagt Presserechtsanwalt Johannes Weberling gegenüber kress.de. Dass der Bayerische Fußball-Verband ernst macht, zeigt auch das Zulassungsverfahren für die nächste Saison für die Bayern- und Landesligen: Dort müssen Vereine unter anderem einer Medienvereinbarung zustimmen sowie einen Medienverantwortlichen und einen Live-Tickerer stellen, sonst gibt es keine Lizenz.

Die Pflichten für die Vereine nehmen zu: "Es macht mich sauer, dass der Bayerische Fußballverband seine Monopolstellung, die er bei der Vergabe von Spiellizenzen hat, derart ausnutzt und die Fußballvereine erpresst", sagt Joachim Braun zu kress.de. Braun ist Chefredakteur vom "Nordbayerischen Kurier" in Bayreuth, einem der betroffenen Medienhäuser. "Ich denke, dass Bayern das Testfeld für den DFB ist. Hier probiert der Verband aus, wie weit er gehen kann", so Braun. Die Videoberichterstattung sei dabei ein guter Testballon, weil Bewegtbild etwas Neues ist und in vielen Vereinen noch keine so große Rolle spielt. "Als nächstes trifft es dann womöglich die Fotoberichterstattung. Da aber wäre der Aufschrei noch größer."

Vor zwei Jahren habe der Bayerische Fußballverband angefangen "komisch" zu werden, sagt auch Holger Schellkopf, stellvertretender Chefredakteur der "Mittelbayerischen Zeitung" in Regensburg. "Hier missbraucht jemand seine Macht als Sportverband, um auch wirtschaftlich Profit zu schlagen." Für die Vereine bedeute das, so Schellkopf zu kress.de, "Telefonterror", wenn sie nicht von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und den Videoteams den Zugang zum Spiel verwehren. Sie werden bei Spielansetzungen benachteiligt, oder Spielerpässe kommen zu spät an - eine "Häufung, die über Zufälle hinausgeht", sagt Schellkopf.

Videoberichterstattung ist kostenintensiv - wird aber immer beliebter

"Der BFV organisiert den Fußball in Bayern und müsste aus meiner Sicht froh sein, dass es Medienhäuser und andere Portale gibt, die Amateurspiele per Videoberichterstattung pushen wollen. Aber die Forderung zu stellen, das Videomaterial kostenlos weitergeben zu müssen oder eben 500 Euro pro Video zu zahlen, das funktioniert nicht", erklärt Michael Wagner, Initiator und Geschäftsführer der Internetplattform FuPa.

Das Portal aus dem niederbayerischen Fürstenstein widmet sich der Berichterstattung aus den deutschen Amateurklassen und umfasst mittlerweile 35 Fußballverbände deutschlandweit. Dabei geht FuPa häufig Partnerschaften mit regionalen Medien ein, unter anderem beispielsweise auch mit der "Rheinischen Post", "Neue Osnabrücker Zeitung", "Allgemeine Zeitung" Mainz oder "Sächsische Zeitung". Die Reichweite von FuPa ist enorm.

"Videoberichterstattung ist sehr kostenintensiv und die Projekte laufen in den meisten Gebieten maximal kostendeckend. Mit der fehlenden Exklusivität, das eigene Videomaterial auch kostenlos dem Verband zur Verfügung stellen zu müssen, fehlt den Medien ein weiteres wichtiges Argument, das derartig große Ausgaben rechtfertigen hätte könne", erklärt FuPa-Gründer Wagner. Es geht in dem Streit aber nicht nur um das Internetportal FuPa, sondern um alle Medienhäuser, betont Schellkopf.

BFV: Kein finanzielles Interesse

Der Bayerische Fußball-Verband sieht das anders: Er verbiete weder die Videoberichterstattung noch will er sich mit der Videovermarktung "eine goldene Nase" verdienen, heißt es in einer Stellungnahme. Er wolle auch kein Monopol des Verbandes, sondern sei für eine breite Amateurfußballberichterstattung, auch durch Portale wie FuPa, und verfolge mit Blick auf die Videorechte auch keine eigenen wirtschaftlichen Interessen. Im Gegenteil, er investiere in Videoberichterstattung im Sinne und zum Vorteil der Vereine. "Verlagshäuser/Portale können völlig unentgeltlich filmen und statt eines Entgelts dem Verband das Bildmaterial für das vom BFV für die Vereine produzierte und finanzierte Videoportal BFV.TV zur Verfügung stellen. Alternativ können sie das Videorecht gegen Entgelt erwerben, das dann vom BFV zu 90 Prozent an die Vereine verteilt wird. Ist diese Regelung unfair oder eine Regelung zu Lasten der Vereine oder im Sinne eines Verbandsmonopols? Ich denke nicht!", heißt es in der Stellungnahme von BFV-Pressesprecher Thomas Müther weiter. Es müsse ein vernünftiges Miteinander zwischen BFV, Vereinen und den Medienhäusern geben, dies biete der Verband mit nochmal vereinfachten Richtlinien für die Zusammenarbeit ausdrücklich an.

"Hartplatzhelden" zogen bis vor BGH - und bekamen Recht

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Landesverband versucht, in die Berichterstattung einzugreifen und verhindern wollte, dass Filmszenen von Amateurspielen im Internet veröffentlicht werden: Damals klagte der Württembergische Fußballverband gegen die Internetplattform "Hartplatzhelden". In dritter Instanz gewann Gründer Oliver Fritsch vor dem Bundesgerichtshof. Das Urteil: Ein Fußballverband müsse es hinnehmen, wenn kurze Filmausschnitte von Amateurfußballspielen seiner Mitglieder im Internet öffentlich zugänglich gemacht werden. Deshalb wollen bayerische Medienhäuser, wie unter anderem der "Nordbayerische Kurier" und die "Mittelbayerische Zeitung", vor Gericht ziehen. Dabei berufen sie sich auf das Kartellrecht: "Was der Bayerische Fußball-Verband macht, ist eine verbotene Wettbewerbsbeschränkung. Er handelt damit nicht nur unseriös, sondern auch rechtswidrig", sagt Presserechtler Johannes Weberling.

Ihre Kommentare
Kopf

Thomas Müther, BFV

21.04.2015
!

Die Behauptung, Vereine würden bei Spielansetzungen benachteiligt oder Spielerpässe verspätet verschickt, ist unwahr und frei erfunden. Der BFV setzt im Interesse und im Zusammenwirken mit den Vereinen 1:1 die Vorgaben des BGH-Urteils "Hartplatzhelden" um.

Thomas Müther, Bayerischer Fußball-Verband


Lutz Becker

22.04.2015
!

Wie sollten Sie als Pressesprecher auch anders reagieren als diese Behauptung zu dementieren.Sie wären sonst längste Zeit Pressesprecher gewesen.


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