Kartellamtschef Andreas Mundt gibt grünes Licht: Warum Immonet und Immowelt ImmobilienScout24 gemeinsam jagen dürfen

 

Die Nummer 2 und die Nummer 3 bei Deutschlands Immobilienplattformen werden zukünftig gemeinsam Marktführer ImmobilienScout24 jagen. Das Bundeskartellamt und die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde haben nichts gegen einen Zusammenschluss von Immonet und Immowelt.

Die Nummer 2 und die Nummer 3 bei Deutschlands Immobilienplattformen werden zukünftig gemeinsam Marktführer ImmobilienScout24 jagen. Das Bundeskartellamt und die österreichische Bundeswettbewerbsbehörde haben nichts gegen einen Zusammenschluss von Immonet und Immowelt.

Hindernisse für Immowelt Holding AG aus dem Weg

Damit können die drei Unternehmen ihre Beteiligungen Immowelt und Immonet in die neue Immowelt Holding AG einbringen. Springer, bislang mit seinem Immonet auf dem dritten Platz der Immobilienportale in Deutschland, zahlt für die Mehrheit an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen 131 Millionen Euro.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, befürchtet durch den Zusammenschluss keine "erhebliche Behinderung", obwohl der Zusammenschluss die Anzahl der großen Immobilienplattformen in Deutschland reduziere. Mundt erklärt die Entscheidung so: "Es entsteht durch den Zusammenschluss auch die Möglichkeit, dass sich der Wettbewerb zum Marktführer intensivieren kann. Denn auf Plattformmärkten wirken Netzwerkeffekte, bei denen es entscheidend ist, beide Seiten - im vorliegenden Fall Immobilienanbieter und Immobiliennachfrager - gleichzeitig an Bord zu bekommen. Eine Vielzahl an kleineren Wettbewerbern führt bei Plattformmärkten eher dazu, dass vor allem der Marktführer von beiden Seiten - Immobilienanbieter und Immobiliennachfrager - gewählt wird. Mit dem Zusammenschluss steht den Nachfragern eine weitere große Plattform zur Verfügung."

Bislang wurden beide Unternehmen getrennt mit 420 Millionen Euro bewertet. Axel Springer Digital Classifieds wird zukünftig 55 Prozent an dem neuen Gemeinschaftsunternehmen halten und zudem die aktive Gesellschafterposition übernehmen. Die markt.gruppe, die Ippen und "Rheinische Post" mehrheitlich gehört und die bislang Immowelt in ihrem Portfolio führt, bleibt als strategischer Partner an Bord.

Für die Mediengruppen Rheinische Post und Ippen ist die Entscheidung, an Bord des neuen Unternehmens zu bleiben, taktisch klug: Sie behalten einen Fuß im lukrativen digitalen Immobilienanzeigengeschäft.

Trautmann geht zurück zu Döpfner

Die beiden Immonet-Geschäftsführer Christian Maar (49) und Clemens Trautmann (38) verlassen wie geplant Immonet zum 30. April 2015. Andreas Wiele, Vorstand Vermarktungs- und Rubrikenangebote der Axel Springer SE, lobt: "Ich danke Christian Maar und Clemens Trautmann für ihren entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung von Immonet. Ohne ihre Leistung wäre die Fusion nicht möglich gewesen. Für ihre künftigen Aufgaben wünsche ich ihnen viel Erfolg."

Laut Axel Springer will sich Christian Maar (49) "neuen beruflichen Herausforderungen" stellen. Maar ist seit Oktober 2010 Vorsitzender der Geschäftsführung von Immonet. Er verantwortet die Bereiche Strategie, Vertrieb und Mobile. Dagegen kehrt Clemens Trautmann zum 1. Juli 2015 zu Axel Springer zurück. Er soll zunächst erneut die Büroleitung von Konzernchef Mathias Döpfner übernehmen. Trautmann, bei Immonet als CFO tätig, war zuvor schon in verschiedenen Bereichen für Axel Springer zuständig.

Immobilienscout24: Keine Angst vor Wettbewerb

"Für die Entwicklung des Gesamtmarktes begrüßen wir einen gesunden Wettbewerb und scheuen diesen nicht", betont Marcus Drost von Immobilienscout24 gegenüber kress.de. "Letztlich wird uns die neue Marktsituation noch mehr anspornen, weiterhin Höchstleistungen zu bringen. Wichtig ist: Für den Zusammenschluss gilt 1 plus 1 ist nicht gleich 2, da es große Überschneidungen zwischen Immonet und Immowelt auf Nachfrager- und Anbieterseite gibt. Deshalb werden wir auch nach der Fusion klarer Marktführer sein", ist Drost überzeugt.

Die Scout24-Gruppe, zu der auch Immobilienscout24 gehört, befindet sich im Besitz der Private-Equity-Gruppen Hellman & Friedmann sowie Blackstone. Die restlichen 30 Prozent an dem Unternehmen hält die Deutsche Telekom. Vorstandsvorsitzender ist seit April 2014 Gregory Ellis.

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