Twitter-TV-Chef: Was Michael Kollatschny deutschen Produzenten rät

 

Michael Kollatschny, lange Jahre in Diensten von Brainpool und zuletzt Endemol, kennt die Nöte der TV-Macher. In seiner Funktion als Head of TV bei Twitter streckt er nun den Produzenten die Hand zur Zusammenarbeit aus. "Die fettesten Jahre liegen noch vor uns - aber gemeinsam", sagte er auf dem Audiovisual Media Day in München.

Michael Kollatschny, lange Jahre in Diensten von Brainpool und zuletzt Endemol, kennt die Nöte der TV-Macher. In seiner Funktion als Head of TV bei Twitter streckt er nun den Produzenten die Hand zur Zusammenarbeit aus. "Die fettesten Jahre liegen noch vor uns - aber gemeinsam", sagte er auf dem Audiovisual Media Day in München. 

Tweet-Wellen machen auch vor klassischen Medien nicht Halt

"Ein Tweet hat das Potenzial, die ganze Welt zu erreichen - auch wenn die ganz Welt noch nicht auf Twitter ist", sagte Kollatschny und führte als Paradebespiel einmal mehr das Oscar-Selfie von Ellen DeGeneres an, das aus einem TV-Moment heraus entstand, danach 3,4 Mio Mal re-tweetet wurde und so rund 3,3 Mrd Impressions generierte. "Das hat fast die halbe Menschheit erreicht", so der Head of TV. Allerdings machte der Siegeszug des Fotos dort nicht Halt, Twitter schätzt die Gesamt-Reichweite auf 4,2 Mrd, da das Selfie auch breit in der Presse abgedruckt wurde.

"Setzt Eure Executive Producer auf die Social Media-Baustellen"

"Wer als Fernsehmacher relevant sein möchte, muss social denken", folgerte der Twitter-Mann und riet den Produzenten entsprechende, emotional dichte Momente in der Vorplanung und gegebenenfalls in der Inszenierung der Sendung mit zu berücksichtigen. "Setzt Eure Executive Producer auf die Social Media-Baustelle an", riet Kollatschny. Einen mitteilungsfreudigen Praktikanten fürs Twittern zur laufenden Sendung abzustellen, sei nicht die Lösung.

Der ebenfalls weltweit beachtete Sturz der mittlerweile 56-jährigen Sängerin Madonna anlässlich der Verleihung der Brit Awards 2015 habe es ebenfalls sprunghaft in die Trending Topics bei Twitter geschafft. Allerdings quasi von selbst. "Warum hat der Veranstalter nicht sofort die Szene als Clip eingefangen und über die sozialen Netzwerke Zuschauer zu den Brit Awards gelockt?", fragt sich Kollatschny im Rückblick. 

Joko und Klaas treffen den Twitter-Ton mit am besten

Entscheidend sei auf Produzenten- und Veranstaltersicht, den richtigen Moment (Modell DeGeneres), die richtige Inhalte und die richtige Tonalität zu treffen. Im deutschen Raum gelingt letzteres - so der Twitter-Manager mit der großen TV-Erfahrung - vor allem den "Circus Halligalli"-Stars Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Sie gehen etwa beim vielbeachteten "Shitstorm Roulette" spielerisch mit Twitter-Phänomenen um.

Show-Produzenten seien demnach gut beraten, geschickte Twitter-Anknüpfungsstrategien zu verfolgen - etwa wie dies weltweit die erfolgreiche "The Voice"-Casting-Familie tut. "Was bei Social Media funktioniert, sind polarisierende Inhalte", so Michael Kollatschny. Notfalls müsse man die eben inszenieren. 

Reitet die Kavallerie siegreich voran - oder fällt sie als erstes?

"Wir als Social Media sind die Kavallerie", schlussfolgerte er. "Wir sind die Truppe, die helfen will", wandte er sich an Sender und Produzenten, die höhere Reichweiten, vor allem bei den Jüngeren, erreichen wollen.

Einen kleinen Seitenhieb aufs geschickte Selbstvermarkten konnte sich sein Nachredner Christian Seifert - kress.de berichtete - trotzdem nicht verkneifen. Er verwies auf die alten "Winnetou"-Filme. Dort seien die Reiter, die in der Kavallerie ganz vorne ritten, immer diejenigen gewesen, die als erstes erschossen wurden.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Kressköpfe dieses Artikels
  • Noch kein kresskopf?

    Logo
    Dann registrieren Sie sich kostenlos auf kress.
    Registrieren
Inhalt konnte nicht geladen werden.