"Zeit"-Chef Esser zur "Digital News Initiative": "Gute Plattform, um Google die europäischen Interessen zu vermitteln"

28.04.2015
 

Google nimmt 150 Millionen Euro in die Hand, um mit einer Initiative für digitale Nachrichten das angespannte Verhältnis zur europäischen Verlagsbranche zu verbessern. Der Internetkonzern wird dabei von renommierten Zeitungen wie der "Zeit" unterstützt.

Google nimmt 150 Millionen Euro in die Hand, um mit einer Initiative für digitale Nachrichten das angespannte Verhältnis zur europäischen Verlagsbranche zu verbessern (kress.de berichtete am späten Montagabend). Der Internetkonzern wird dabei von renommierten Zeitungen wie der "Zeit" unterstützt. "Die 'Digital News Initiative' kann eine gute Plattform sein, um auf europäischer Ebene in einen Dialog zu treten und Google die europäischen Interessen zu vermitteln", erklärt "Zeit"-Geschäftsführer Rainer Esser. 

Tony Danker, der internationale Geschäftsführer der Zeitung "Guardian", hofft, dass die Diskussionen in Europa auch zum Google-Hauptquartier in Kalifornien durchdringen werden. Maßstab für den Erfolg sei, ob es tatsächliche Veränderungen gebe, um Journalismus im digitalen Zeitalter zu unterstützen.

Bei der Kooperation unter dem Namen "Digital News Initiative" sind neben der "Zeit" und dem britischen "Guardian, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die "Financial Times", "El País", "Les Echo", "La Stampa" und der Verlag NRC Media aus den Niederlanden beteiligt. Drei internationale Journalisten-Vereinigungen sind ebenfalls mit im Boot. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe will Google direkt mit den Medienmachern sprechen.

Der Arbeitsgruppe gehören zunächst die acht Gründungsmitglieder der Initiative an. Es soll ein Austausch darüber stattfinden, wie Bedürfnisse von Verlegern stärker in den Produkten des Internet-Konzerns berücksichtigt werden können. Zudem soll es Weiterbildungen für Journalisten geben.

Die Initiative soll auch für andere Medien offen sein. Für den Innovationsfonds könne sich jeder bewerben, auch reine Online-Medien oder Startups, sagte Carlo D'Asaro Biondo, Googles President of Strategic Partnerships, Europe, auf einer Rede bei der FT Media Conference in London. Die Google-Rede zu "Digital News Initiative" gibt es hier im Wortlaut

Auf die Frage, ob es Google nur darum gehe, die Medien digital fit zu machen, oder ob das Unternehmen bereit sei, seine eigenen Dienste zu verändern, erklärte D'Asaro Biondo in einem Interview mit der "Financial Times": "Es geht um beides." Google könne mehr für die Medien tun.

Ein ähnliches Programm zur Finanzierung von Innovation im Journalismus legte Google bereits in Frankreich auf. Dort stellte der US-Konzern 60 Millionen Euro bereit. Sie sollen unabhängig von der europaweiten Initiative weiterhin ausgezahlt werden.

Springer findet Initiativen, die digitale Innovationen in der internationalen Medienwelt fördern, "grundsätzlich begrüßenswert"

Dass Google jetzt den europäischen Medien entgegenkommt, ist auch zwei deutschen Medien zu verdanken, die zum Start der "Digital News Initiative" keine Partnerschaft mit dem Suchmaschinen-Konzern eingehen. Ohne den Druck, den Axel Springer und Hubert Burda Media auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen ausgeübt haben, hätte Google die Kritik aus Europa wohl nicht so schnell angenommen und aus Sorge ums Geschäft ein solches Eingeständnis gemacht.

Bei Axel Springer erklärte Edda Fels, Leiterin der Unternehmenskommunikation, auf kress.de-Nachfrage zu den aktuellen Entwicklungen bei Google: "Wir finden Initiativen, die digitale Innovationen in der internationalen Medienwelt fördern, grundsätzlich begrüßenswert. Wir haben aber noch keine abgeschlossene Bewertung der angekündigten 'Digital News Initiative' von Google vornehmen können."

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