FuPa-Gründer Michael Wagner: "Wir peilen 100 Millionen Klicks im Monat an"

29.04.2015
 

Geld her oder Videos - so geriert sich der Bayerische Fußball-Verband derzeit gegenüber Medien wie der "Mittelbayerischen Zeitung" oder dem "Nordbayerischen Kurier". Der Verband möchte so mitbestimmen, wer von den Amateurspielen berichten darf und wer nicht. Und auch etwas von möglichen Gewinnen abhaben, die sich die Medien mit Investitionen heute erarbeiten. Mit seinem Vorgehen schießt der BFV auch direkt gegen neue Medien wie FuPa, die über die unteren Spielklassen berichten.

Geld her oder Videos - so geriert sich der Bayerische Fußball-Verband gegenüber Medien wie der "Mittelbayerischen Zeitung" oder dem "Nordbayerischen Kurier". Der Verband möchte so an möglichen Gewinnen teilhaben und mitbestimmen, wer von den Amateurspielen berichten darf und wer nicht (kress.de berichtete). Der BFV schießt damit auch direkt gegen neue Medien wie FuPa, die über die unteren Spielklassen berichten. Alleine bei FuPa steigt das Interesse enorm, die Macher erwarten in nächster Zeit "100 Millionen Klicks im Monat bei zehn Millionen Besuchern". Kleinere Überschüsse, die Fupa jetzt schon macht, fließen direkt zurück in das Unternehmen.

In Deutschland gibt es nach offiziellen Zahlen des DFB 25.513 Fußball-Vereine mit insgesamt mehr als 6,8 Millionen Mitgliedern. Neben den offiziellen Webseiten des Verbandes gibt es auch immer wieder Fußballportale, wie FuPa, die den Amateurfußball stärken wollen. Die Besonderheit an FuPa: Es gibt kaum ein Portal, das den Amateurfußball fast bundesweit abdeckt.

Mit 16 Jahren FuPa gegründet

Vor neun Jahren gründete Michael Wagner das Internetportal FuPa. Damals war er 16 Jahre alt und vor allem eins: Fußballbegeistert. Heute ist er auch Geschäftsmann geworden und betreibt das Internetportal. Ziel: Immer aktuell über die deutschen Amateurklassen berichten. Dafür arbeiten in seiner Firma (Rechtsform: GmbH) mittlerweile 15 Mitarbeiter am Standort Fürstenstein in Niederbayern. Dort spielt Michael Wagner auch schon seit seiner Jugend selbst Fußball – bei der SV Fürstenstein.

Ziel: Zehn Millionen Besucher im Monat

FuPa bietet neben aktuellen Statistiken auch Liveticker, Fotogalerien und Spielberichte aus mittlerweile 35 FuPa-Regionen an, die sich an den regionalen Fußballverbandsgrenzen orientieren. Dabei geht FuPa häufig Partnerschaften mit regionalen Medien ein, unter anderem beispielsweise auch mit der "Rheinischen Post", "Neue Osnabrücker Zeitung", "Allgemeine Zeitung" Mainz oder "Sächsische Zeitung". Konkret verkauft FuPa Lizenzen an die regionalen Partner, bietet eine Marke und sein komplettes System an und erhält im Gegenzug eine regionale Anbindung in den jeweiligen FuPa-Regionen. "Die Partnerschaft mit den regionalen Medien ist sehr sehr intensiv“, sagt Gründer Michael Wagner.

Die Reichweite von FuPa ist enorm: 570.000 User bei sechs Millionen Klicks besuchen das Portal nach Angaben des Gründers täglich - Tendenz steigend: "Wir peilen im Laufe der nächsten Zeit 100 Millionen Klicks im Monat bei zehn Millionen Besuchern an." Seit zwei Jahren erwirtschaftet das Portal einen leichten Überschuss, der allerdings direkt wieder in das Unternehmen gesteckt wird. 2010 gab es dafür den Grimme Online Award in der Kategorie Information.

Um die Hartplatzhelden ist es ruhig geworden

Sollte der Bayerische Fußballverband mit seinem Vorstoß durchkommen, dass Videoteams nur noch unter bestimmten Voraussetzungen Spiele der Amateure filmen dürfen, hätte das auch Auswirkungen auf die Berichterstattung von FuPa. "Videoberichterstattung ist sehr kostenintensiv und die Projekte laufen in den meisten Gebieten maximal kostendeckend. Mit der fehlenden Exklusivität, das eigene Videomaterial auch kostenlos dem Verband zur Verfügung stellen zu müssen, fehlt den Medien ein weiteres wichtiges Argument, das derartig große Ausgaben rechtfertigen hätte könne", erklärte FuPa-Gründer Wagner in einem früheren Gespräch gegenüber kress.de

Ruhig geworden ist es in der Vergangenheit um Hartplatzhelden.de, das Video-Portal für den Fußball im Amateurbereich. "Wir haben nicht mehr die notwendige Zeit gehabt, um das Projekt mit der gleichen Intensität voranzutreiben, wie wir es vorher getan haben", sagt Gründer und Sportjournalist Oliver Fritsch zu kress.de. Das schlage sich auch in den Zahlen nieder, die "nicht der Rede wert seien", wie Fritsch zugibt. Aber es sei möglich, dass die Seite künftig wiederbelebt werde. Seit einer Weile arbeitet das Portal mit dem "Aktuellen Sportstudio" des ZDF zusammen. Jeden Monat wird das Tor des Monats gekürt, die User stimmen ab – und schicken schließlich mit ihrem Voting den Sieger des schönsten Tors direkt ins Studio, bei dem der Amateurfußballer gegen den Studiogast antreten darf. "Wir wollten damals dem Dorffußball mehr Prominenz und mehr Aufmerksamkeit verschaffen - und im Internet ist auch für Nischen Platz."

Vereine können auf ihr Hausrecht verweisen

Berühmtheit erlangten die Hartplatzhelden vor allem durch einen Streit mit dem Württembergischen Fußballverband, der sich über vier Jahren hinzog und letztlich 2011 vor dem Bundesgerichtshof entschieden wurde. Das Ergebnis: Die Hartplatzhelden durften weiterhin Videoaufnahmen von Amateurspielen im Internet veröffentlichen, die Fans zuvor bei Spielen gemacht hatten. Mit seiner Klage wollte der Fußballverband in der Folge nicht nur die "unerlaubte gewerbliche Verwertung" verbieten, sondern die ganze Plattform.

Die Hartplatzhelden um Oliver Fritsch sind damals vor Gericht gezogen. Die "Mittelbayerische Zeitung" und der "Nordbayerische Kurier" wollen es den Hartplatzhelden gleich tun – und für ihr Recht, für eine allumfassende Berichterstattung streiten. Eine Problematik verbindet jedoch beide: Die Vereine können mit dem Verweis auf ihr Hausrecht den Besuchern der Stadien verbieten, Filmaufnahmen zu machen.

Fußball ist ein konsumstarkes Zielgruppenumfeld

Dass der Fußballmarkt im Amateurbereich nach wie vor ein beliebtes Geschäftsfeld zeigt auch eine neuerliche Zusammenarbeit: Erst am Dienstag hat die Telekom-Tochter Interactive Media eine Kooperation mit Sportplatz Media bekannt gegeben. Künftig wollen beide Unternehmen bei der Vermarktung ihrer "digitalen Sportumfelder" zusammenarbeiten. Sportplatz Media erreicht unter anderem mit Portalen wie Rheinfußball und Dein Sportplatz.de nach eigenen Angaben mehr als 20 Millionen aktive Fußballer in ganz Deutschland und erzielt 34 Millionen Page Impressions im Monat: "Fußball ist das konsumstärkste Zielgruppenumfeld im Sport. Die Kombination unserer reichweitenstarken Premiumangebote mit den regionalen Reichweiten von Sportplatz Media schafft ein einzigartiges Mediennetzwerk in der Vermarktung von redaktionellen Fußballinhalten im Internet", erklärt Oliver Wolde, Senior Vice President Sales/Publisher der InteractiveMedia, in einer offiziellen Mitteilung.

Dein-Fußballportal.de - Transfermarkt für Amateurspieler


Einen etwas anderen Ansatz hat Dein-Fussballportal.de, ein Online-Transfermarkt für Amateurspieler, der den Austausch fördern und Spieler, Trainer und Scouts vernetzen soll. Die Spieler zeigen sich auf der Seite mit ihren Spielerdaten: "Und vielleicht wird das vorher unerkannte Talent dann doch entdeckt", sagt Geschäftsführer Marco Mayer, der das Portal 2006 gemeinsam mit Helmuth Reuscher aufgebaut hat. Geld verdienen die beiden damit nicht: "Wir machen das tatsächlich aus persönlichem Ehrgeiz in unserer Freizeit und auf eigene Kosten und haben hier und da mal eine Werbefläche, die gebucht wird." In Spitzenzeiten hat die Seite nach Angaben der Betreiber 1.000 Zugriffe pro Tag und ist damit eher ein kleineres, aber sicher nicht minder wirksames Portal.

Ihre Kommentare
Kopf

Andreas Raum

29.04.2015
!

in dem Zusammenhang würde mich interessieren wie die Vision des Bayr. Fußballverbandes in Sachen "Amateurfußball im Internet" aussieht. Die machen sich dort bestimmt schon seit Jahren Gedanken darüber, wie man das moderne Medium nutzen kann, um dem Amateurfußball mehr Sichtbarkeit zu geben und das Thema nach vorne zu bringen


job1806

29.04.2015
!

Es gibt übrigens ein Portal, das den Amateurfußball nicht fast, sondern wirklich komplett abbildet: FUSSBALL.DE. Reiner Zufall, dass ausgerechnet das größte Portal nicht erwähnt wird?


Andreas Raum

04.05.2015
!

nach längerem Nachdenken und einem Telefonat habe ich irgendwie den Verdacht, dass die Situation durchaus komplexer ist als hier und im anderen Beitrag dargestellt. Es fällt mir schwer, zu glauben, dass die Verlage die Guten sind und der Verband der Böse ist. Auch wenn das dem Klischee so herrlich entspricht


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