Handelsblatt wehrt sich gegen Drohungen von Ex-dapd-Chef: "Herr Löw definiert nicht die Pressefreiheit in Deutschland"

05.05.2015
 

Das "Handelsblatt" will sich durch eine Drohkulisse von Ex-dapd-Chef Peter Löw nicht einschüchtern lassen. Am Dienstag ging die Zeitung mit einem Bericht auf Seite 3 in die Offensive. Seit Monaten versuche Löw, "drei Journalisten des 'Handelsblattes' ins Gefängnis zu bringen. Ihr 'Verbrechen' nach Meinung von Peter Löw: Sie berichteten unangenehme Details aus dem Geschäftsgebaren von Peter Löw", heißt es dort.

Das "Handelsblatt" will sich durch eine Drohkulisse von Ex-dapd-Chef Peter Löw nicht einschüchtern lassen. Am Dienstag ging die Zeitung mit einem Bericht auf Seite 3 in die Offensive. Seit Monaten versuche Löw, "drei Journalisten des 'Handelsblattes' ins Gefängnis zu bringen. Ihr 'Verbrechen' nach Meinung von Peter Löw: Sie berichteten unangenehme Details aus dem Geschäftsgebaren von Peter Löw", heißt es dort.

"Handelsblatt"-Investigativ-Chef Sönke Iwersen und "Handelsblatt"-Reporter Jan Keuchel schilderten 2014 in mehreren Artikeln "Löws dubioses Verhalten" im Zusammenhang mit Aktienverkäufen des Unternehmens Gigaset und beim Börsengang der Adler Modemärkte. Löw soll dies als illegale Attacke gewertet haben. Er engagierte dem "Handelsblatt" zufolge Bub Gauweiler & Partner, die Kanzlei des ehemaligen stellvertretenden CSU-Vorsitzender Peter Gauweiler.

Die Kanzlei habe zunächst das Presserecht bemüht: Sie soll in sechs einstweiligen Verfügungsverfahren an verschiedenen Gerichtsstandorten versucht haben, Passagen aus den "Handelsblatt"-Artikeln untersagen zu lassen. Ohne Erfolg.

Löw wolle sich aber mit dem Presserecht nicht begnügen, schreibt das "Handelsblatt" in seiner Dienstagsausgabe. Löw sehe in der Berichterstattung des "Handelsblattes" ein "handfestes Verbrechen, für das die 'Täter' ins Gefängnis sollen". Löw betreibe deshalb nicht nur gegen Iwersen und Keuchel, sondern auch gegen Wolfgang Reuter ein strafrechtliches Privatklageverfahren wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung. Reuter leitete bis vor kurzem das "Handelsblatt"-Ressort Unternehmen & Märkte, in dem die Artikel von Iwersen und Keuchel erschienen. Dem "Handelsblatt" zufolge soll Löws Anwalt ein hohes Strafmaß fordern - von mehreren Jahre Gefängnis für die "Handelsblatt"-Redakteure soll die Rede sein. 

Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs gibt sich kämpferisch: "Herr Löw definiert nicht die Pressefreiheit in Deutschland. Wir berichten über ihn genauso kritisch wie über jeden anderen auch. Ich habe vollstes Vertrauen in meine Redakteure."

Iwersen und Keuchel erhielten zuletzt den Wächterpreis der deutschen Tagespresse.

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