"HuffPo"-Chefs Sebastian Matthes und Chernoy Jobatey: "Deutschland ist ein Bloggerland"

 

Geburtstage sind etwas Feines - vor allem jene, die man einfach so mitfeiern darf: Sebastian Matthes, Chefredakteur der deutschen "Huffington Post", sowie deren Herausgeber Cherno Jobatey feiern derzeit in New York das zehnjährige Bestehen der US-"HuffPo". International steigt dazu eine weltweite Blog-Aktion, in der Prominente darüber spekulieren, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird. 

Geburtstage sind etwas Feines - vor allem jene, die man einfach so mitfeiern darf: Sebastian Matthes, Chefredakteur der deutschen "Huffington Post", sowie deren Herausgeber Cherno Jobatey feiern derzeit in New York das zehnjährige Bestehen der US-"HuffPo". International steigt dazu eine weltweite Blog-Aktion, in der Prominente darüber spekulieren, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird. 

Im kress.de-Interview ziehen die deutschen Macher eine erste Bilanz und verraten, was kurzfristig und in den nächsten zehn Jahren der "HuffPo" aus dem Hause Tomorrow Focus besser werden muss. An den Start ging der deutsche Ableger am 13. Oktober 2013.

kress.deHerr Matthes, Herr Jobatey, Gratulation zum "HuffPost"-Jubiläum. Wie lang sind die Schatten, die der Geburtstag der US-Mutter aufs deutsche Geschäft wirft? Ist so ein 10-Jahre-Jubiläum mehr Ansporn oder auch ein wenig einschüchternd?

Sebastian Matthes: Wir freuen uns unglaublich für die Kollegen. Vor zehn Jahren sind sie mit einem Team von fünf Leuten gestartet  - heute ist die Huffington Post ein global vernetztes Medienunternehmen. Dieser Pioniergeist spornt uns an.  

Cherno Jobatey: Was mich fasziniert ist, wie weit ein Team mit einer Idee und jeder Menge Ambitionen kommen kann. Das begeistert uns sehr. Jetzt feiern wir erst einmal mit den Kollegen. 

kress.de: Wie lange wird es Ihrer Meinung nach dauern, bis die deutsche "HuffPo" im öffentlichen Diskurs einen ähnlich hohen Stellenwert wie die US-Mutter haben wird?

Sebastian Matthes: Wir freuen uns, dass wir schon wenige Monate nach dem Start Bundesminister, Parteichefs, Ministerpräsidenten und Wirtschaftslenker für Interviews gewinnen konnten. Viele dieser Gespräche wurden wegen ihres Newswertes auch von Agenturen, TV-Sendern und Tageszeitungen aufgegriffen. 

kress.de: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie aus dem nicht immer ganz leichten Start Ihrer Publikation in Deutschland gezogen haben?

Cherno Jobatey: Dass Medien-Innovationen in Deutschland besonders kritisch gesehen werden, war uns klar. Wir haben das immer sportlich genommen. Und die alte Weisheit stimmt halt doch: Wenn es stürmt, bauen die einen Mauern. Die anderen setzen auf Windmühlen. Wir sind da eher norddeutsch geprägt.  

kress.de: Der anfängliche Wirbel um das Geschäftsmodell und die journalistischen Praktiken der deutschen "HuffPo" hat sich etwas gelegt. Ist das ein gutes Zeichen oder trügerische Ruhe, weil Ihre Zeitung im medialen Diskurs nicht mehr ganz zu den Aufregerthemen gehört?

Cherno Jobatey: Der mediale Diskurs ist uns gar nicht so wichtig. Für uns ist spannend, was unsere Leser und Blogger denken. Mehr als 2600 Gastautoren haben bereits für uns geschrieben - viele davon sogar regelmäßig. Eineinhalb Jahre nach unseren Start wissen wir ganz sicher: Deutschland ist ein Bloggerland - und wir freuen uns, Teil davon zu sein. Interessant ist übrigens, wie viele andere Medien inzwischen mit Bloggern zusammenarbeiten.

kress.de: Was wollen Sie bei der deutschen „HuffPost” kurzfristig noch besser machen bzw. welche Schwerpunkte wollen Sie intensivieren, um Ihre deutschen Leser stärker mitzureißen und neue Leserschichten zu erschließen?

Sebastian Matthes: Wir sind von null schon jetzt bis auf Platz 11 (Januar 2015) im AGOF-Ranking gestiegen. Das zeigt, dass die User unsere Art und Weise der Berichterstattung sehr schätzen. Einige traditionelle Marken haben für eine solche Reichweite 10 Jahre gebraucht. Wir sind unter den News-Seiten bereits jetzt eine echte Alternative und kümmern uns dabei auch um Themen, die von anderen vernachlässigt werden: Die Liberalisierung der Drogenpolitik etwa, die Ausplünderung der jüngeren Generation durch die Klientelpolitik der grauen Mehrheit, die Gleichberechtigung homosexueller Paare und die positiven Folgen der Flüchtlingswelle. Alles Themen übrigens, die auch für die anderen internationalen HuffPost-Ausgaben wichtig sind. Wir sind das Nachrichtenportal für eine neue, mobile Generation. Und wir sehen an unseren Zahlen, dass für diesen anderen Blick echter Bedarf herrscht. 

kress.deAuf welche Geburtstagsaktionen dürfen sich Ihre Leser der deutschen Ausgabe ganz besonders freuen?

Cherno Jobatey: Zum 10. Geburtstag haben wir unsere mobile Website überarbeitet. Gleichzeitig schreiben ein paar prominente Gastautoren darüber, was in den nächsten 10 Jahren wichtig wird. Aus Deutschland steuern wir für diese globale Aktion Bildungsministerin Johanna Wanka bei, den Ex-Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger und Daimler-CEO Dieter Zetsche. Die Themen: Forschung, Technologie und die Zukunft der Arbeit. 

kress.de: In den USA rühmt sich die "HuffPo" ihrer Journalistenpreise. In wie weit kann man Scoops erzwingen?

Sebastian Matthes: Scoops kann man nicht erzwingen, man kann nur hart arbeiten. Für eine Website, hinter der keine große Print- oder TV-Mutter steckt, schaffen wir es schon heute überdurchschnittlich oft in andere Medien und Nachrichtenagenturen. 

kress.de: Welche deutschen „HuffPost”-Geschichten kommen in Ihrer Rückschau einem solchen Volltreffer am Nächsten?

Cherno Jobatey: Unsere Seite ist jeden Tag ein Volltreffer. 

kress.de: Geburtstage sind gute Gelegenheiten für Nettigkeiten - und für konkrete Wünsche. Welche Art von Unterstützung würden Sie sich für Ihre eigene Zeitung von der US-Mutter wünschen?

Cherno Jobatey: Wir wünschen uns, dass die HuffPost den eingeschlagenen Internationalisierungskurs so begeistert weitergeht, wie er begonnen wurde. Doch da sind die Kollegen auf dem besten Weg. Schon heute werden von New York aus Themen geplant, Interviews koordiniert und Kooperationen zwischen verschiedenen Ausgaben angestoßen. Das ist ein unglaubliches Asset. Einer meiner Texte über die deutsche Außenpolitik lief etwa in Japan, Italien und den USA.

kress.de: Wann beginnen Sie mit den Planungen für die Zehn-Jahres-Feier der deutschen Ausgabe?

Sebastian Matthes: Was für eine Frage: Wir sind längst dran!

Cherno Jobatey: Heute strahlt das Empire State Buildung zu "HuffPost"-Ehren in grün. Wir werden das Brandenburger Tor dann in grün erleuchten lassen ...

Sebastian Matthes: ... und unser größter Kritiker Stefan Niggemeier wird die Geburtstagsrede halten... 

Cherno Jobatey: ... und vor Begeisterung singen. 

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