Schlechte Redaktionsleitung, Stress Familie und Job, Burnout: Von Journalistinnen wird zu viel erwartet

 

Journalistinnen sind öfter von Burnout betroffen als ihre männlichen Kollegen. Weil sie versuchen, perfekt in Job und Familie zu funktionieren, steigt die Gefahr, weder im Beruf noch im Privatleben zufrieden zu sein. Hinzu kommen Zukunftsängste und die Sorge, der Arbeit im Verlag, dem ständigen Wandel nicht mehr zu genügen.

Journalistinnen sind öfter von Burnout betroffen als ihre männlichen Kollegen. Weil sie versuchen, perfekt in Job und Familie zu funktionieren, steigt die Gefahr, weder im Beruf noch im Privatleben zufrieden zu sein. Hinzu kommen Zukunftsängste und die Sorge, der Arbeit im Verlag, dem ständigen Wandel nicht mehr zu genügen.

Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftler Scott Reinardy, an der 1.600 Journalisten teilgenommen haben.

Das Team um Reinardy, Journalistik-Professor der University of Kansas in den USA, hat die Journalisten, davon über 500 Frauen, nach Stresslevels, Zufriedenheit im Berufsalltag, Zukunftssicherheit und Pläne, den Beruf zu wechseln, befragt.

Eine ähnliche Studie hat der Wissenschaftler bereits 2009 durchgeführt. Der Vergleich der beiden Ergebnisse zeigt, dass die Burnout-Gefahr bei Journalistinnen zugenommen hat. 2009 hatten 62 Prozent der befragten Journalistinnen angegeben, Zukunftsängste zu haben oder sich um das eigene Vorwärtskommen im Beruf zu sorgen. Heute liegt die Zahl bei 67 Prozent. Bei Journalisten gab jeder Zweite an, verunsichert zu sein.

Von Journalistinnen wird zu viel erwartet

Reinardy untersuchte die Zahlen hinsichtlich der Gender Socialization Theory, die besagt, dass Frauen mit der gesellschaftlichen Erwartung überladen werden, sich um die Erziehung und den Haushalt zu kümmern, während sie mit beiden Beinen weiterhin im Berufsleben stehen. Von Männern hingegen werde erwartet, dass sie die Familie finanziell unterhalten - so die Theorie. In der aktuellen Studie fällt auf, dass Frauen, die das Berufsfeld verlassen wollen, deutlich höhere Anzeichen für Erschöpfung aufweisen und den gesellschaftlichen Druck des Geschlechtsstandards nur bedingt vom Arbeitgeber ausgeglichen sehen. "Diese Gruppe von Frauen, die neben der beruflichen Tätigkeit im Journalismus ihre Kinder großziehen, sind oft klassische Burnout-Fälle", erklärt Scott Reinardy. "Wenn eine Frau sich durch ihren Alltag erschöpft fühlt und wenig Unterstützung erhält, ist die einzige Lösung oft ein Wechsel in ein weniger zeitaufwändiges Berufsfeld."

Massive Auswirkungen auf Redaktionen

Der Wissenschaftler warnt vor massiven Auswirkungen auf die Redaktionen. Je mehr Frauen sich für andere Berufe entscheiden würden, so Reinardy, desto männlicher würden die Redaktionen und desto seltener Frauen in Führungsaufgaben: "Wenn weniger Frauen in Newsrooms arbeiten, steigen auch weniger in die Führungsebene auf, was nicht im Interesse des Newsrooms sein kann. In einer traditionell von Männern dominierten Branche ist es wichtig, dass Frauen Einfluss auf Entscheidungen nehmen", erklärt Reinardy.

Ein weiteres Problem sieht der Wissenschaftler aus den USA im Nachwuchs: Immer mehr Frauen sehen, dass der Aufstieg im Journalismus äußert beschwerlich wird. Sie steigen erst gar nicht in den Wettstreit um gut bezahlte Jobs ein, gehen lieber direkt in andere Berufe, als sich im Journalismus verheizen zu lassen.

Das vollständige Ergebnis seiner Studie will Scott Reinardy Ende Mai im Rahmen der International Communications Association Conference veröffentlichen.

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