"Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden": Funke-Zentralredaktion geht mit 50 Mitarbeitern an den Start

 

Nun steht das neue Reich von Ex-"Focus"-Chefredakteur Jörg Quoos: Die von ihm geführte Zentralredaktion der Funke Mediengruppe nimmt im "The Q"-Gebäude in der Berliner Friedrichstraße ihren Betrieb auf - mit rund 50 Mitarbeitern. Der bisherige Content Desk in Nordrhein-Westfalen wird aufgelöst, dafür entstehen in Essen zwei Kompetenzzentren für Sport und für Online NRW.

Nun steht das neue Reich von Ex-"Focus"-Chefredakteur Jörg Quoos: Die von ihm geführte Zentralredaktion der Funke Mediengruppe nimmt im "The Q"-Gebäude in der Berliner Friedrichstraße ihren Betrieb auf - mit rund 50 Mitarbeitern. Der bisherige Content Desk in Nordrhein-Westfalen wird aufgelöst, dafür entstehen in Essen zwei Kompetenzzentren für Sport und für Online NRW.

Die neue Redaktionseinheit unter Führung von Quoos soll zunächst die "Berliner Morgenpost" und das "Hamburger Abendblatt" mit überregionalen Inhalten beliefern - und zwar sowohl für Print als auch für Digital. Vorgesehen sind Berichte aus den Ressorts Politik, Wirtschaft, Ratgeber, Wissen, Vermischtes sowie TV & Medien.

Anschließend werden die nordrhein-westfälischen Zeitungen ("WAZ", "NRZ", "WP" und "WR" sowie "Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung"), in einem dritten Schritt die "Braunschweiger Zeitung" und die Titel der Mediengruppe Thüringen ("TA", "OTZ" und "TLZ") in die Inhalte-Belieferung eingebunden.

Sieben Tage pro Woche - jeweils von 5 bis 24 Uhr - im Einsatz

"Die neue Zentralredaktion wird sieben Tage die Woche, von 5 bis 24 Uhr, für die Leser der Funke-Titel arbeiten", verspricht Jörg Quoos. "Dabei werden wir nicht nur eigene Inhalte produzieren und damit starke Themen setzen, sondern auch die regionale Kompetenz aller Funke-Titel für die Mantelberichterstattung heranziehen."

Parallel zur Printredaktion soll die von Thomas Kloß geleitete zentrale Digital-Einheit themengleich und "beinahe rund um die Uhr", wie es bei Funke heißt, alle Online-Portale der Mediengruppe versorgen. Die Digitalberichterstattung aller Titel soll gestärkt werden. Unter dem "The Q"-Dach kommen auch die Einheiten Funke Digital und Funke Digital TV Guide unter.

Content Desk NRW wird aufgelöst

Im Zuge des Aufbaus der neuen Strukturen im Herzen von Berlin entfällt der bisherige Content Desk NRW, der bislang als Vollanbieter für die Mantelinhalte von "WAZ", "NRZ", "WP" und "WR" fungierte. Künftig beziehen die jeweiligen Titelredaktionen Mantelinhalte aus dem Quoos-Team, die Verantwortung für NRW-spezifische Inhalte soll bei der jeweiligen Titelredaktion liegen. 

Organisatorisch sollen sich Mitarbeiter des bisherigen Content Desks für eine neue Aufgabe bei der Zentralredaktion in Berlin bewerben können. Allerdings ist das auch vorgesehen für Tätigkeiten in der "WAZ"-Titelredaktion, wenn sie dort ihre Kompetenz in den Ressorts Politik, Wirtschaft und Kultur für NRW einbringen können.

"Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden", heißt es bei Funke. Am Content Desk arbeiten, wie Funke auf kress.de-Nachfrage bestätigte, rund 85 Mitarbeiter, davon circa 30 Onliner. Mediengestalter sind dabei nicht mitgezählt.

Zwei neue Kompetenzzentren in NRW - für Sport und lokale Online-Inhalte

Im Gegenzug baut die Gruppe zwei neue Kompetenzzentren in NRW auf - das Kompetenzzentrum Funke Sport NRW, in dem alle Sportaktivitäten der Funke-Titel gebündelt werden. "In NRW und der Metropolregion Niederrhein-Ruhr-Westfalen ist der Sport eine leserbindende und erfolgreich zu vermarktende Größe, sowohl in Print, als auch im Digitalen. Darüber hinaus gibt es mit dem Sportmagazin Reviersport eine starke Sportmarke, die sich vor allem durch Fußballkompetenz im Kern-Ruhrgebiet auszeichnet", sagt Matthias Körner, Verlagsgeschäftsführer NRW. Funke Sport NRW übernimmt die Produktion des Hauptsports als Dienstleister für die NRW-Titelredaktionen, die Produktion der Printausgaben von "Reviersport" sowie die Produktion aller digitalen Sportinhalte.

Zusätzlich wird es in NRW ein Online-Kompetenzzentrum geben. Die Aufgabe von Funke Online NRW wird es sein, die Markenauftritten der NRW-Titel bei ihrem Fokus auf lokale und regionale Nachrichten zu stärken. "Die Neuausrichtung unserer Newsmarken wird konsequent mobile getrieben sein. Darüber hinaus wird das Bewegtbild-Angebot ausgebaut. Dafür investieren wir in zusätzliches Personal am Standort NRW. Denn Ziel ist es, mit hochwertigem lokalem und regionalem Content die Basis für eine erfolgreiche Paid-Content-Strategie der NRW-Marken zu legen", gibt Costanze van Overdam, Verlagsgeschäftsführerin NRW zu Protokoll. 

Journalistenverband fürchtet Stellenabbau

Der DJV-NRW sieht die Entwicklung mit Sorge und warnt vor einem möglichen Stellenabbau - und Qualitätsverlusten. Außerdem sorgt man sich um eine etwaige Tarifflucht. "Verleger, die 920 Milliarden Euro für den Deal mit Springer ausgeben können, sollten sich konsequent ihrer Verantwortung stellen und ohne Ausnahme vernünftige Lösungen für alle Betroffenen finden", heißt es beim DJV-NRW.

"Einmal mehr gibt die Funke-Gruppe vor, mit ihren Umbauplänen den Journalismus zu stärken", sagt Frank Stach, Vorsitzender des DJV-NRW. "Stattdessen geben die Verleger damit die DNA ihrer Titel in NRW auf und sorgen einmal mehr für Einheitsbrei."

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