Funke Mediengruppe: Bis zu 25 Redakteure sind "übrig"

 

Der Kampf von Deutschlands Medienhäusern um die eigene Existenz wird nirgends stärker deutlich als bei der Funke Mediengruppe. Was die Unternehmensleitung um Co-Geschäftsführer Manfred Braun (Foto) aber für die Zukunft hält, ist nichts anderes als das Ziel, mit möglichst wenigen Mitarbeitern auf Dauer möglichst viel Ertrag zu machen. Das bedeutet aber auch - für 20 bis 25 Redakteure vom Essener Contentdesk wird es in einer Funke-Welt, in der die Zentralredaktion in Berlin aufgebaut wird, keinen Platz mehr geben.

Der Kampf von Deutschlands Medienhäusern um die eigene Existenz wird nirgends stärker deutlich als bei der Funke Mediengruppe. Was die Unternehmensleitung um Co-Geschäftsführer Manfred Braun (Foto) für die Zukunft hält, ist nichts anderes als das Ziel, mit möglichst wenigen Mitarbeitern auf Dauer möglichst viel Ertrag zu machen. Das bedeutet aber auch - für bis zu 20 bis 25 Redakteure vom Essener Contentdesk wird es in einer Funke-Welt, in der die Zentralredaktion in Berlin aufgebaut wird, keinen Platz mehr geben. Das erfuhr kress.de aus Unternehmenskreisen.

Wie verträglich sieht eine "verträgliche Lösung" aus?

Der Contentdesk in Essen wird aufgelöst. Die etwa 85 Mitarbeiter werden verteilt auf bestehende und drei neu zu gründende Gesellschaften. Für etwa 20 bis 25 Mitarbeiter aber, so munkelt man, werden keine Stellen da sein. Sie bleiben "übrig"; zwar will die Geschäftsführung auch innerhalb des Medienhauses keine konkreten Zahlen nennen, für die betroffenen Mitarbeiter werde aber nach einer "verträglichen Lösung" gesucht. Betriebsbedingte Kündigungen schließt die Geschäftsführung ausdrücklich nicht aus.

"Wir verstehen nicht, dass die Kollegen nicht auf alle Titel verteilt werden und der Personalabbau nicht über ein zwei Jahre gestreckt beispielsweise über Altersteilzeitmodelle erfolgen kann, wie es in der Vergangenheit üblich war", heißt es aus Kreisen der konsternierten Belegschaft gegenüber kress.de. Die Geschäftsführung will offenbar die Sozialauswahl auf die Contentdesk GmbH beschränken; damit entfiele die Verpflichtung, Mitarbeiter auf anderweitige Stellen in der Funke-Gruppe zu setzen. Die Geschäftsführung will die "übrig bleibenden" Mitarbeiter auf jeden Fall kurzfristig los werden; die Finanzlage lasse keine andere Lösung zu.

Die in Gründung befindliche Zentralredaktion in Berlin soll mit 50 Mitarbeitern (inklusive aller, auch nichtredaktioneller Kräfte) an den Start gehen und den Contentdesk weitestgehend ersetzen. Sie wird den überregionalen Content in fertig produzierten Seiten liefern. Ab 1. September an "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost", ab Oktober oder November an die vier Titel in Nordrhein-Westfalen. Später sollen die drei Thüringer Titel dazukommen; langfristig auch Braunschweig. Die können allerdings vorerst aufatmen - ihr Redaktionssystem ist mit dem Funke-Programm Eidos nicht kompatibel, zudem lebt das Blatt konsequent ihr Modell der "Bürgerzeitung"; da braucht es nicht viel Zulieferung aus Berlin.

Eine Handvoll Mitarbeiter des Contendesks in Essen soll in eine kleine Produktions-GmbH übergehen, die die NRW-Titel mit den Seiten versorgt, die keinen nationalen oder internationalen Content haben. Das sind die NRW-spezifischen Berichte aus der Wirtschaft und die NRW-Landespolitik. Hier werden auch Layout und Tabellendienst angesiedelt.

Zehn Stellen wandern vom Contentdesk zur "WAZ"

Diejenigen Redakteure des Contentdesks, die NRW-spezifische Inhalte produzieren, sollen zur "WAZ" übergehen. Das betrifft Politik, Wirtschaft und Kultur und summiert sich auf rund zehn Stellen. Contentdesk-Mitarbeiter, die zur WAZ wechseln wollen oder in die Produktionsgesellschaft nach Berlin, müssen sich bewerben. Die Stellen werden auch extern ausgeschrieben, nach kress.de-Infos vermutlich in den nächsten zwei bis drei Wochen. Das gleiche gilt für die Zentralredakton. Die Bewerbungen seien nötig, weil es weniger Stellen als Mitarbeiter gebe, so die Geschäftsführung.

Die Onliner im Contentdesk sollen komplett in eine Online-GmbH übernommen werden und im Zweifel die lokale Berichterstattung verstärken. Sie behalten alle ihre Verträge (sie gehen über) und werden auch künftig tarifliche Anpassungen mitnehmen. Aber: Auch die neue Online-GmbH ist nicht tarifgebunden, so dass neue Mitarbeiter wieder ohne Tarif eingestellt werden würden. Vor wenigen Monaten noch hatte sich die FMG dafür gefeiert, dass sie die Onliner in den Redakteurstarif der tarifgebundenen WAZ integriert hatte. Das wird jetzt wieder zurückgedreht.

Die dritte neue Gesellschaft wird ein Sport-Kompetenzzentrum, die Funke Sport NRW. Sie geht mit 18 Mitarbeitern an den Start und fasst die Mitarbeiter aus dem Sport des Contentdesk sowie des "Reviersports" zusammen. Sie beliefern die NRW Titel und auch die NRW-Online-Auftritte mit Content und machen eigene Produkte.

Konzernsprecher Korenke: "Haltungskrise bei den Journalisten"

Die Entscheidung, auf Zentralismus in Berlin zu setzen, spiegelt im Unternehmen das wieder, was Konzernsprecher und Vordenker Tobias Korenke im Januar öffentlich in Erfurt gesagt hat. Korenke sagte über Journalisten und Betriebsräte unter anderem: "Ich sehe eine Haltungskrise bei den Journalisten. Die Zeiten der selbstherrlich gelebten Arroganz ist vorbei; sie sind beleidigt, dass es offenbar keine Lebensstellung mehr ist und sie ihre Deutungshoheit verloren haben; ihre Texte können plötzlich im Internet gemessen werden." Zudem fügte er hinzu: "Wie viele Journalisten arbeiten wie Beamte, das macht mich manchmal ratlos. Neugier, Interesse am Leser, Lust am Wandel, all das ist gar nicht so häufig zu sehen." Für Korenke steht zudem fest: "Ein Phänomen für mich sind Betriebsratswahlen: Journalisten wählen die Betriebsräte, die mit Wandel überhaupt nichts am Hut haben – obwohl die Artikel, die sie schreiben, meistens ganz fortschrittlich sind."

Bei seiner Rede kritisierte Korenke, und dass muss der Vollständigkeit halber hinzugefügt werden, aber auch die heutigen Eigentümer von Zeitungsverlagen: "Ich sehe auch eine Krise der Eigentümer. Das ist natürlich ein ganz rutschiges Parkett, auf dem ich mich bewege. Aber ich finde, darüber muss man reden. Können nicht auch Gewinne zurückfließen? Das ist jetzt nicht Populismus, sondern hat mit Verantwortung für das Medium zu tun."

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