Dabei könnte es so einfach sein: Was PR-Agenturen im Umgang mit Bloggern falsch machen

18.05.2015
 
 

"In unserer agenturinternen Liste der besten Brathähnchenblogger bist Du auf jeden Fall ganz oben" - solche Mails an den Autor und Blogger Maximilian Buddenbohm sind an der Tagesordnung. Buddenbohm kennt sie alle - und fragt sich, warum es die PR-Branche sich und den Bloggern so schwer macht.

"In unserer agenturinternen Liste der besten Brathähnchenblogger bist Du auf jeden Fall ganz oben" - solche Mails an den Autor und Blogger Maximilian Buddenbohm sind an der Tagesordnung. Buddenbohm kennt sie alle - und fragt sich, warum es die PR-Branche sich und den Bloggern so schwer macht.

Natürlich kenne ich die PR-Branche gar nicht, das gleich vorweg. Wie könnte man auch eine Branche kennen? Sie besteht aus zigtausend Menschen in irrsinnig vielen Firmen. Es wäre vermessen, eine Branche kennen zu wollen. Nur Consultants behaupten so etwas regelmäßig von sich, das ist auch so ein Thema, aber darum geht es hier gerade nicht.

Fehler beim Anschreiben der Blogger

Ich kenne von der PR-Branche fast nur die Mails, die mich erreichen, weil ich ein Blog führe. Mein Blog hat einen Sponsor, ich schließe auch andere Kooperationen ausdrücklich nicht aus, man kann das auf meiner Seite nachlesen. Es ist also gar nicht verkehrt, mich anzuschreiben. Sie machen es nur verkehrt. Diese Leute aus der PR-Branche, die dazu verdonnert sind, Blogger anzuschreiben. Ich stelle sie mir immer als Opfer des Berufsalltags vor, die bei der aktuellen Aufgabenverteilung leider gerade verloren haben. "Wer schreibt diesmal die Blogger an?" "Oh nein, nicht schon wieder ich!"

Und dann sitzt da jemand, klickt sich lustlos bis apathisch durch Blogrolls, Google-Ergebnisse und uralte Medienberichte über "Unsere schönsten Blogentdeckungen 2005" und so weiter. Und tippt sich mühsam eine Liste zusammen, bis er endlich seine Sollzahl voll hat. Und schreibt, vermutlich bis dahin von komatöser Langeweile fast schon dahingerafft, eine Serien-Mail.

Die dreiste Liste des Mail-Grauens

Die enthält dann in neun von zehn Fällen:

1. Wirre Textbausteine, die nicht zusammen passen. "Sehr geehrter Herr X, wir haben Dein Blog gefunden. Können wir über ein Angebot an Eure Redaktion reden?"

2. Rechtschreibfehler in beliebiger Häufung. Wie man eben schreibt, wenn man vor Unlust fast vom Stuhl fällt. "Sehr geehrter Herr Buddenbumm", ach, ist mir doch schnurz, wie der wirklich heißt. Kommt eh nicht drauf an. Wenn die PR-Agentur zu einem internationalen Geflecht gehört, man finden kann manchmal auch den Resten von Fehlern dieses Übersetzungsprogramm aus Internet. Einfügen Filzteppich. (Ja, so gucke ich dann auch)

3. Einen Bezug auf irgendeinen Artikel im Blog, womöglich fünf Jahre alt, in dem man einmal irgendein Stichwort erwähnt hat, das seit dieser Zeit allerdings nie wieder vorkam: "Wir mögen es, wie Du über Brathähnchen bloggst." Weil man einmal einen Imbiss am Straßenrand erwähnt hat.

4. Das Vortäuschen intimer Kenntnis des Blogs: "Wir lesen seit Jahren...", "Du schaffst es immer wieder...", "... als begeisterte Stammleserin..."

5. Den sofort folgenden Beweis, dass das Blog höchstens zwei Sekunden angesehen wurde: "Es ist schon eine Leistung, jahrelang auf diesem hohen Niveau über Brathähnchen zu bloggen!"

6. Eine abwegige Unterstellung: "Du als Imbissbudenbesitzer..."

7. Einen verlockenden Hinweis darauf, dass man zu dem seltsamen Stichwort immerhin Bestleistungen geliefert hat: "In unserer agenturinternen Liste der besten Brathähnchenblogger bist Du auf jeden Fall ganz oben."

8. Einen selbstgefälligen Hinweis auf die irrsinnige Arbeit, die sich die PR-Agentur gerade gemacht hat: "Wir haben aus 1.000 internationalen Brathähnchenblogs im letzten halben Jahr nach Sichtung sämtlicher Artikel 50 ausgewählt, gewichtet und ein Ranking erstellt..."

9. Einen komplett sinnfreien Vorschlag für etwas, das aus unerfindlichen Gründen Kooperation genannt wird: "Wir möchten gerne einen Artikel über Brathähnchengewürz auf Deiner Seite platzieren." Einfach so.

10. Die freundliche Ankündigung, dass keine Gegenleistung erbracht werden kann: "Ein Honorar ist hierbei leider nicht vorgesehen." Oder auch, quasi auf gleichem Niveau: "Wir können Dir als Ausgleich einen Gutschein über drei Dosen Hundefutter anbieten." Hundefutter? Brathähnchen? Die Sinnfrage stellt sich nicht.

11. Die absolut abwegige Unterstellung, dass man als Blogger etwas von solchen Kooperationen hat: "Wir liefern Dir frischen Brathähnchen-Content, Du hast dadurch dann deutlich mehr Traffic."

12. Ein Link-Versprechen, das den Blogger in ungeahnte Dimensionen der Klickzahlen bringen soll, garniert mit vollkommen haltlosen Behauptungen: "Wir erwähnen Dich prominent auf www.brathaehnchen-fruehling-2015.de, das ist Deutschlands meistgeklickte Seite zum Thema Vögel."

13. Den Begriff "langfristige Kooperation". Weil vermutlich irgendwann jemand (war es gar ein Branchenkenner?) gepredigt hat, dass Blogger auf nichts mehr als auf diesen Begriff abgehen. Also wird die langfristige Kooperation immer in Aussicht gestellt, ohne nähere Erläuterung, einfach so, es ist ja nur ein Köder. Hauptsache Textbaustein. Gerne auch gleich im Betreff, ohne im Mailtext noch einmal vorzukommen.

14. Wenn keine Artikelplatzierung gesucht wird, geht es um das schon schamlos zu nennende Verlangen, bestimmte Stichworte in einem Text des Blogs unterzubringen. Nicht als Link gekennzeichnet, natürlich auch nicht als Werbung, nein, es geht nur um den Begriff. Irgendwo. Ganz dezent! Der Begriff ist dann selbstverständlich eine Marke, und man liest mit Staunen - es ist gar keine so kleine Marke. Bei dieser Variante, man kann es sich fast denken, wird dann manchmal auch freiwillig ein Honorar angeboten. Nanu!

Wie man die Zusammenarbeit verbessern könnte...

Das ist, wie gesagt, in neun von zehn Fällen in etwa der Inhalt einer typischen Mail aus einer PR-Agentur. Oder sagen wir es besser ganz vorsichtig - aus einer Agentur, die irgendwas mit PR im Titel hat. Die zehnte Mail enthält mit etwas Glück ein vernünftiges Angebot oder eine sachlich formulierte Frage, wie man unter Geschäftspartnern eben miteinander spricht. Ganz normal. Unaufgeregt. Sachlich. Und dann schreibt man als Blogbetreiber vermutlich genauso zurück. Und kommt vielleicht sogar ins Geschäft.

Doch, das kann dann wirklich Spaß machen, ich habe übrigens sehr nette Kunden und sehr sympathische Kooperationspartner, das gibt es alles wirklich. Und dann hält man die PR-Branche einen Augenblick lang sogar für einen ganz normalen Wirtschaftszweig. Bis die nächste Mail kommt. Betreff: "Langfristige Kooperation!!"

Ja, mit zwei Ausrufezeichen. Das muss wohl so.

Maximilian Buddenbohm

 

Ihre Kommentare
Kopf

Hans Altmeyer

18.05.2015
!

Ein verblüffendes Déjà-vu-Erlebnis – das ist mitten aus dem wirklichen Leben gegriffen. Die Agentur-Herrschaften können es aber auch ganz unverblümt: Da wird zuweilen nach den Konditionen für einen Linkkauf gefragt oder gleich eine Hausnnummer für ein „Linkhonorar“ genannt. Schön war auch die Agentur, die gleich einen eigens verfassten „Gastbeitrag“ mitschickte, in dem ich dann die Paraphrase eines meiner eigenen Texte erkennen durfte – wer weiß, wem der noch angeboten wurde.


Corinna Bause

18.05.2015
!

So weit so gut - ich bin gespannt auf den zweiten Teil. Denn unter der Überschrift "Wie man die Zusammenarbeit verbessern könnte" fehlt doch sicher noch etwas... Oder wollten Sie jetzt genauso wenig zielführend bleiben wie Ihre PR-Kontakte?


Wolfgang Messer

Wolfgang Messer

- Freiberuflich tätig -
TV-Sprecher, Blogger und Redakteur

18.05.2015
!

Nein, die machen das alles schon richtig so, weil man dank solcher und ähnlicher Indizien sofort erkennt, dass hier Windbeutel am Werk sind. Zack in den Junk-Ordner und feddich! Schlimmer sind jene PR-Fritzen, die zwar anständige Anschreiben hinkriegen, sich aber danach als Kasper entpuppen. Auf die fallen offensichtlich noch jede Menge kleine und mittlere Blogs 'rein.

Nach meiner Erfahrung mündet höchstens einer von 50 PR-Kontaktversuchen wirklich in einer anständigen Kooperation.


Natalie im Holunderweg

18.05.2015
!

Danke für diesen Artikel!

Ich habe einen Foodblog und alle Anfragen beginnen in etwa so: "Ich habe dein Serbisches Reisfleisch neulich zum Geburtstag der Oma des Neffen meiner Nachbarin gekocht und alle fanden es total super!" - es gibt dieses Rezept natürlich in fast keinem Fall auf meinem Blog.

Auch schön ist, wenn die PR-Agentur schreibt, man selbst habe als Blogger nichts zu bezahlen, wenn man unbezahlten Content für XY liefern "darf" oder XYZ unpassenderweise auf seinem Blog testen "darf".


Thomas Wagner

18.05.2015
!

Toller Artikel! Genau so sieht es aus.

Aber es sind in 99% keine PR Agenturen, sondern verdonnerte SEO Agenturen, die plötzlich Content Marketing machen sollen aber trotzdem nur Links wollen! ... #urgz


Ollrich

18.05.2015
!

Habe durch diesen Artikel nun auch ein Brathähnchenblog, wollen wir uns gegenseitig verlinken?


Mike Mahlke

18.05.2015
!

Ich habe im letzten Jahr von ca 2,6 Millionen visits ca. 1,9 Miliionen echte Besucher gehabt, wenn ich die majestic, sistrix, landaumedia, yandex etc. abziehe. Das war auf dem Portal fotomonat.de. Täglich habe ich solche Emails erhalten. Niemand war bereit, irgendetwas zu bezahlen. Und ich habe immer gefragt, wieso ich meine Glaubwürdigkeit ruinieren soll wegen eines platzierten Links? Daher kann ich diese Gedanken hier nur unterstreichen. Aber es geht noch weiter. Das passt hier nicht mehr hin.


Markus Burgdorf

18.05.2015
!

Als Betreiber von rund 50 Blogs kennen wir alle genannten Beispiele. Täglich 100 Mails. Noch getoppt wird das Ganze von Praktikanten-Anrufen, die man ja aus Höflichkeit nicht so schnell abbrechen kann, wie man man eine Mail löscht.

Neben falscher Ansprache (da wird auch mal ein Wettbewerbs-Blog genannt) kommt dann auch noch das "Moment, ich frage mal schnell nach" auf die allereinfachste Frage. Dazu kommt noch, dass die Anrufer ihr Produkt nichtmal kennen und immer beim Chef nachfragen müssen.


Frank

19.05.2015
!

Als Betreiber einer SEO-Agentur, die solch idiotischen Anschreiben glücklicherweise nicht verfasst, und eben als Blogger erhalte ich solche Mails seit langem . Was mir hier noch fehlt, sind die lustigen Mails, die irgendwie aus dem Sport & Gaming-Bereich stammen sollen und auf Nachfrage dann einen schönen Casino oder Poker-Link enthalten. Für einen SEO-Blog :)


Metal-FM.com

19.05.2015
!

Haben selbst mehrere, solcher Mails täglich im Posteingang, ein verweis man möge sich an den Vertrieb wenden, kommt entweder nichts mehr oder es wird mit einer totalen Unverständnis angerufen, weil man ja nur einen Artikel Platzieren kostenlos möchte, der Backlink ist dann von einer sehr schwach frequentierten Seite. Beim Thema Pressecodex werden viele sogar ausfallend, Artikel müssen Absolut nach Vorgaben und höchsten Tönen geschrieben werden, die Einhaltung des Pressecodex ist zu unterlassen.


Patricia

19.05.2015
!

"Wir finden Dein Blog überaus gigantomanisch galaktisch toll, weil wir Brathähnchen über alles lieben." Woher haben Agenturen so viele Superlative?


Eddy

19.05.2015
!

HERRLICH geschrieben - und gleich mal verbreitet... Vielen Dank dafür!


Renate Blaes

19.05.2015
!

Ich bekomme auch ständig solche Angebote, bin mir aber sicher, dass sie nicht von professionellen Agenturen stammen. Denn wer solche "schwachen" Angebote formuliert, hat weder Ahnung von PR noch worüber der Blogger/die Bloggerin überhaupt bloggt.

Wenn ich dann (manchmal) frage, wieviel Honorar bezahlt wird, bekomme ich keine Antwort! Allein das sagt schon alles …


Tina Gallinaro

22.05.2015
!

Gestern bekam ich auch eine Anfrage rein; "Wir sind auf Deinen Technik-Blog gestoßen und finden Deine Beiträge super!" Wir haben einen Guide erstellt, wie man den Heim-PC.. Für dich als PC-Fan...

Meine Antwort, das man doch gefälligst mal darauf achten soll, wen man anschreibt (denn ich habe keinen Technik Blog) , wurde kurze Zeit später so beantwortet: "Das tut mir leid. Ich habe eine Liste mit Kontakten bekommen, die ich genau für das Thema anschreiben sollte."

So so ;-)


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