Vom "Schlachtschiff" zur "Gründerszene": Warum Frank Schmiechen sich nackt fühlte

 

Schon mal gefragt, wie das so wäre, mal neu anzufangen? Weiterhin Verantwortung zu tragen, aber vielleicht bei einem kleineren Medium, bei einem Onlineangebot, das anders arbeitet als klassische Medien? Frank Schmiechen hat es getan. Der frühere stellvertretende "Welt"-Chefredakteur wechselte zu Gründerszene.de, einem Online-Magazin für die Start-up-Szene und digitale Wirtschaft.

Schon mal gefragt, wie das so wäre, mal neu anzufangen? Weiterhin Verantwortung zu tragen, aber vielleicht bei einem kleineren Medium, bei einem Onlineangebot, das anders arbeitet als klassische Medien? Frank Schmiechen hat es getan. Der frühere stellvertretende "Welt"-Chefredakteur wechselte zu Gründerszene.de, einem Online-Magazin für die Start-up-Szene und digitale Wirtschaft.

Frank Schmiechen, Jahrgang 1963, begann seine journalistische Karriere als freier Sportreporter und Musikkritiker. Vor seinem Wechsel auf den Chefposten der "Gründerszene" im Oktober 2014 war er stellvertretender Chefredakteur der "Welt"-Gruppe. Gründerszene bezeichnet sich selbst als das führende Onlinemagazin für die Start-up-Szene und die digitale Wirtschaft. Monatlich zieht das Angebot nach Verlagsangaben über 690.000 Unique User an. Zum Führungsteam um Schmiechen gehören der stellvertretende Chefredakteur Alex Hofmann und Niklas Wirminghaus als Mitglied der Redaktionsleitung. Verlag von Gründerszene.de (Schwesterblatt: das englischsprachige VentureVillage) ist Vertical Media. Der Verlag für Digitale Medien gehört seit Sommer 2014 mehrheitlich zu Axel Springer.

kress.de: Herr Schmiechen, wie haben Sie den Wechsel von einem traditionsreichen Medium zu einem Start-up-Medium erlebt?

Frank Schmiechen: In meiner beruflichen Laufbahn bei Axel Springer habe ich häufig an außergewöhnlichen Projekten des Verlages gearbeitet. Zum Beispiel im Team, das "Welt Kompakt" entwickelt hat. Oder bei der Neuausrichtung der TV-Zeitschrift "Bildwoche", der Entwicklung einer täglichen Sportzeitung, eines Nachrichtenmagazins und beim Relaunch der "Welt". Das fand ich immer spannend. Für die Entwicklungen in der digitalen Welt habe ich mich auch schon immer interessiert. Ich war einer der ersten Journalisten, die Twitter wirklich ernst genommen haben. Deshalb ist der Wechsel zu Gründerszene für mich kein dramatischer Schritt. Ich komme in beiden Umgebungen sehr gut zurecht.

"Weg vom Schlachtschiff"

kress.de: Gibt es große Unterschiede?

Frank Schmiechen: Auf alle Fälle. Vor meinem Einstieg bei Gründerszene war ich als stellvertretender Chefredakteur operativer Leiter der "Welt am Sonntag". Das ist ein großes Schlachtschiff mit einem breiten Themenfeld und vielen Mitarbeitern und einem Millionenpublikum. Jetzt arbeite ich in einem kleinen Team, und unsere Themen richten sich an eine sehr spitze Zielgruppe. Zum ersten Mal in meinem Leben als Journalist - also seit mehr als 25 Jahren - muss ich ohne Nachrichtenagenturen auskommen. Da fühlt man sich im ersten Augenblick nackt. Hier bei Gründerszene wird jede Geschichte, jede Nachricht handgeschöpft und maßgeschneidert. Das ist unsere Stärke - und irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich gerade zu meinen journalistischen Wurzeln zurückkehre.

"Bin kein romantischer Typ"

kress.de: Vermissen Sie den Druck, jeden Tag ein Blatt zu machen?

Frank Schmiechen: Überhaupt nicht. Ich bin kein romantischer Typ mit verklärtem Blick auf die Vergangenheit. Mich hat schon immer das Neue interessiert. Statt Andruck gibt es hier andere Herausforderungen. Wie gehen wir mit Social Media um? Wann publizieren wir unsere Artikel über den Tag und über die Woche? Wie können wir unser Themenfeld ausweiten? Welche Formate funktionieren online am besten? Wie können wir mit unserer Art von Journalismus Geld verdienen? Diese und viele andere Fragten sind in digitalen Zeiten viel spannender als der Andruck-Stress. Außerdem haben wir als Online-Medium eigentlich in jeder Sekunde Andruck.

"Dicht dran an jungen Unternehmen"

kress.de: Wie entwickelt sich Gründerszene?

Frank Schmiechen: Gründerszene wird gemeinsam mit der Digitalisierung der Wirtschaft wachsen. Jede Branche, jedes Unternehmen ist irgendwann davon betroffen. Das spielt uns also in die Karten. Außerdem erleben wir gerade, das winzige Start-ups gegenüber etablierten Unternehmen Vorteile haben, weil sie agiler und schneller sind. Wir sind also ganz dicht an jungen Unternehmen dran, die in ein paar Jahren vielleicht schon auf dem Weg zum Marktführer sind. Wir berichten mit Gründerszene im Grunde von der Frontlinie der Digitalisierung. Und das ist nicht die schlechteste Position für ein deutliches Wachstum in den kommenden Jahren.

Die Fragen an Frank Schmiechen, Chefredakteur der Gründerszene, stellte kress.de-Chefredakteur Bülend Ürük.

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